Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hörenlernen durch Musiktherapie - Heidelberger Studie für Patienten mit Cochlea Implantat (CI)

25.07.2011
Am Viktor-Dulger-Forschungsinstitut im Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung beginnt jetzt eine Studie für Cochlea-Implantatträger.

Die Studie wird in enger Kooperation mit der HNO-Uniklinik Heidelberg durchgeführt. Ziel ist die Entwicklung eines musiktherapeutischen Förderprogramms zum Erlernen von Sprechen und Hören für postlingual ertaubte CI-Träger (d.h. nach normalem Spracherwerb erworbene Schwerhörigkeit/Taubheit).

Gefördert wird dieses Projekt durch die Herstellerfirma Med-El.
In Deutschland gibt es jährlich ca. 16.000 Neuerkrankungen des Innenohrs, die zu einseitiger oder beidseitiger Ertaubung führen. Die dadurch entstehenden Einschränkungen bei der Teilnahme am alltäglichen Leben sind für normal hörende Menschen kaum vorstellbar.

Eine Behandlungsmöglichkeit stellen Hörschnecken-Prothesen, so genannte Cochlea-Implantate (CI) dar. Ein Cochlea-Implantat ist eine elektronische Innenohrprothese, die Menschen mit Schädigungen des Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Das CI übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres. Es leitet elektrische Reize direkt an den Hörnerv und überbrückt somit die Störung bzw. die Unterbrechung der Weiterleitung.

Nach Abschluss der medizinischen Erstanpassung müssen die Betroffenen das Sprechen und Hören nahezu völlig neu erlernen, da sich das Hören mit dem Cochlea-Implantat deutlich vom normalen Hören unterscheidet. Hörtraining und Sprachtherapie helfen den Patienten, die neuen, ungewohnten Höreindrücke richtig zuzuordnen.

Doch auch wenn ein gutes Sprachverstehen eintritt, bleiben für viele Patienten oft die Lebensqualität erheblich beeinträchtigende Defizite: Große Schwierigkeiten bereiten vor allem das Hören und Verstehen von Musik und der emotionale Sprachausdruck.

Ziel der Heidelberger Studie ist es daher, in Ergänzung zu den bereits bestehenden therapeutischen Hilfen, wie z.B. Logopädie, das Hören und Sprechen wieder für die persönliche Emotionalität zu erschließen. D.h. den Weg von der „Computerstimme“ und dem „Frequenzhören“ hin zum spontan-emotionalen Hören und Sprechen zu eröffnen.

Den therapeutischen Ausgangspunkt hierzu bildet der in der Musiktherapie eingesetzte so genannte „frühe“, vorsprachliche Dialog. Kleinkinder erlernen spielerisch in der Interaktion mit ihren Eltern die Grundlage für die spätere verbale Kommunikation. Über musiktherapeutische Übungen können auch CI-Träger spielerisch ihre Fähigkeiten, Musik und Sprache zu hören und zu verstehen, trainieren. Die Patienten lernen, ihre Stimme als vollwertiges Instrument persönlicher und emotionaler Ausdrucksmöglichkeit zu etablieren. Weiterhin sollen sie erlernen, Musik nicht mehr als „lärmend“, sondern (wieder) als schön und ästhetisch zu erleben.

An der Studie teilnehmen können zunächst 30 postlingual ertaubte CI-Träger. D.h. Menschen, die eine erworbene Schwerhörigkeit oder Taubheit haben, jedoch vor der Erkrankung normal Hören und Sprechen konnten und deren medizinische Erstanpassung an der Heidelberger HNO-Uniklinik mit Cochlea-Implantat oder vergleichbarem Hörgerät abgeschlossen ist.

Das musiktherapeutische Angebot umfasst drei Therapie-Blöcke mit einer Dauer von je zwei Tagen. Neben Gruppenangeboten werden auch individuelle Einzelsitzungen angeboten, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können.

Mehr Informationen sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 83 38 60 oder per E-Mail unter dzm@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach.

Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel.

Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Außer dem Viktor-Dulger-Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.

Weitere Informationen:

Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de

Natascha Schettler-Brox | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie