Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hightech-Waffen verkürzen Kriege nicht

31.03.2010
Experte: Viele Konflikte werden ohne Vernunft ausgetragen

Wenn ein Heer seine Kriegsführung allein auf den Angriff des Gegners ausrichtet, wird der Krieg damit meist nicht verkürzt.

Zu diesem Schluss kommt der Politologe Marco Nilsson von der Universität Göteborg. "Man kann nicht sagen, dass der Fortschritt der Waffentechnik die Kriegsdauer verkürzt hätte. Selbst wenn man die zwei Weltkriege nicht mitrechnet, dauern Kriege seit 1800 immer länger", so Nilsson im pressetext-Interview. Für seine Forschung hat er alle zwischenstaatlichen Kriege zwischen 1817 und 1992 analysiert.

Kein Vorteil durch klügere Angriffstechnik

Ein kurzer Krieg ist laut dem Wissenschaftler stets vorteilhafter als ein langer, sofern der angreifende Staat dadurch nicht primär von internen Problemen ablenken wolle. "Lange Konflikte wie etwa der Irakkrieg sind extrem kostspielig, fordern mehr Menschenleben und somit auch Popularität. In einer Demokratie kann das schnell zur Abwahl führen, wie man aktuell am Beispiel der US-Republikaner vermuten könnte." Weit verbreitet sei die Meinung, dass das Rezept dafür überlegene Angriffswaffen sind. Das stimmt jedoch nicht, zeigte die Statistik, wie auch Offensiv-Technik nicht grundsätzlich vorteilhafter als die Defensive sei.

In der Geschichte wurden Angriffe immer wieder durch technische und menschliche Fehler, Gegebenheiten wie Terrain und Wetters oder die Art der Kriegsführung verzögert. "Selbst auf präzisionsgelenkte Munition, wie sie etwa die USA verwendet, darf sich ein angreifender Staat nicht zu sehr verlassen. Derartige Waffen sind sehr teuer, erfordern viel Training und brauchen die genaue Erfassung, die nur in Wüstengegenden möglich ist. In Städten, Urwäldern oder Bergregionen wie Afghanistan sind aber selbst Nachtsichtgeräte oft nutzlos", betont Nilsson.

Langer Weg an den Verhandlungstisch

Die Annahme angreifender Staaten, Gegner komplett 'niederwälzen' zu können, übersehe zudem meist, dass jeder Krieg so lange dauert, bis beide Seiten dessen Ende erklärt haben. Dieser Schritt lasse jedoch oft lange auf sich warten. "Zwei Staaten könnten leicht einen bewaffneten Konflikt lösen, würden sie sich am Verhandlungstisch niedersetzen und ihre Forderungen nur auf militärische Kapazität begründen. Das geschieht in der Realität jedoch kaum".

Als Störfaktoren dafür tauchen häufig Nationalismus oder Hoffnungen auf, Gott würde im Kriegsverlauf bestimmend einschreiten oder das Land könne erhebliche Fortschritte machen. "Stalin und Hitler hofften stets, irgendwann durch mehr und bessere Waffen stärker zu werden", erklärt der Forscher. Derart motiviert sind auch oft Gruppen innerhalb eines Landes, die nach der Niederlage der regulären Armee einen Guerillakrieg weiterführen und somit das Kriegsende hinauszögern.

Populäre Falschannahme

Zu hohes Vertrauen in die Angriffstechnik dürfte das Ausbrechen von Kriegen begünstigen das Wettrüsten beschleunigen. Ein besseres Verständnis von Chancen und Grenzen der Militärtechnik sieht Nilsson daher als Schlüssel für eine Welt, in der viele langwierige und kostspielige Kriege verhindert werden. Die neuen Erkenntnisse widersprechen der öffentlichen Auffassung - und sind vielleicht auch aus anderen Gründen bisher nie erforscht worden. "Menschen haben immer Hoffnung und glauben an den Fortschritt. Für einen Staat mit politischen Interessen an anderen Territorien ist es leider kurzfristig einfacher, an dieser Einstellung anzuknüpfen."

Download der Originalstudie unter https://gupea.ub.gu.se/dspace/handle/2077/21522

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.gu.se

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise