Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hepatitis: Nebenwirkungen und Kosten minimierbar

22.04.2013
MHH-Forscher führten Europas größte Studie zur akuten Hepatitis C durch / Eigenverantwortung der Patienten wichtig

Akute Hepatitis C-Virusinfektionen behandeln Ärzte in der Regel umgehend mit einer Interferon-Therapie. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Kompetenznetz Hepatitis fanden in Europas bisher größter Studie zur akuten Hepatitis C heraus, dass es auch möglich ist, dem Körper zunächst für einige Monate die Chance zu geben, sich ohne Therapie gegen das Virus zu wehren. Ist das Virus dann noch im Körper, kann eine ebenso wirksame Therapie begonnen werden.

„Das Abwarten kann unnötige Nebenwirkungen ersparen und die Kosten für Medikamente senken. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch eine sorgfältige Überwachung des Patienten während der Wartezeit und gegebenenfalls eine konsequente Behandlung“, sagt Dr. Katja Deterding, die gemeinsam mit Professor Dr. Heiner Wedemeyer (MHH) und Privatdozent Dr. Norbert Grüner (Klinikum Großhadern, München) die Studie im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung unter der Leitung von Professor Dr. Michael P. Manns koordinierte.

An der „Akute HCV-III Studie“ nahmen in der Zeit von 2004 bis 2010 deutschlandweit 72 Zentren mit 132 Patienten teil. Die Ergebnisse veröffentlichte die hochrangige Zeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“. Hepatitis C kann zu schweren Leberschädigungen und zu Krebs führen. Weltweit sind 130 bis 180 Millionen Menschen von chronischer Hepatitis C betroffen. Das Virus wird durch Blut übertragen.

Die Wissenschaftler teilten Patienten, die eine akute Hepatitis C-Virusinfektion hatten, in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe behandelten sie umgehend 24 Wochen lang mit „pegyliertem Interferon alfa-2b“. Bei den Patienten der zweiten Gruppe kontrollierten sie regelmäßig, ob sie das Hepatitis C-Virus noch in sich trugen. Die Patienten, bei denen die Infektion nach zwölf Wochen noch vorhanden war, erhielten ebenfalls 24 Wochen lang dieses Interferon – und zusätzlich das Medikament Ribavirin, damit die Krankheit nicht chronisch wird. Eine dritte Gruppe von Patienten, die eine so genannte asymptomatische akute Hepatitis C-Virusinfektion hatten, erhielten alle eine sofortige Therapie. Dies waren zum Beispiel Angehörige medizinischer Berufe, die sich über eine Nadelstichverletzung infiziert hatten.

Mehr als 90 Prozent der Patienten, die sich sofort behandeln ließen, waren anschließend gesund. Ebensoviele der Patienten konnten geheilt werden, die nach zwölf Wochen Wartezeit das Virus noch hatten und anschließend die Kombinationstherapie erhielten. 21 Prozent dieser Patienten brauchten die Therapie nicht, da ihr Körper das Virus selbst erfolgreich bekämpft hatte. „Auch bei der verzögerten Kombinationstherapie stehen die Chancen also sehr gut, das Virus dauerhaft zu eliminieren“, erklärt Professor Manns. „Die Entscheidung, welches der beste Weg ist, muss der Arzt für jeden Patienten individuell treffen. Voraussetzung für das Abwarten ist, dass sich der Patient regelmäßig testen lässt und vor allem, dass er die Behandlung, wenn sie denn notwendig wird, auch konsequent durchführt“, ergänzt Professor Wedemeyer.

Weitere Informationen erhalten Sie von Dr. Katja Deterding, Telefon (0511) 532-6819, deterding.katja@mh-hannover.de oder Prof. Dr. Heiner Wedemeyer (0511) 532-6818, wedemeyer.heiner@mh-hannover.de

Die Originalpublikation finden Sie unter:
http://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(13)70059-8/abstract

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie