Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Haus- und Gartenarbeit zählen: Körperliche Aktivität älterer Menschen verlässlich erfragen

10.01.2011
RUB-Forscher entwickeln Fragebogen

Bewegung ist gesund – in jedem Alter. Besonders ältere Menschen profitieren von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Wie viel Bewegung sie bekommen, weiß man allerdings nicht. Denn alle Fragebögen, die bisher existierten, sind ungeeignet für ältere Menschen.

Forscher der Ruhr-Universität haben im Rahmen des Projekts PRISCUS (Prerequisites for a new health care model for elderly people with multi-morbidity) jetzt einen Fragebogen zur körperlichen Aktivität speziell für ältere Menschen ab 70 Jahren entwickelt und evaluiert.

Fazit: „Der PRISCUS-PAQ ist das erste verlässliche Instrument für die Untersuchung der körperlichen Aktivität älterer Menschen“, so Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch, Sprecher des Forschungsverbunds.

Fragen zum Berufsleben haben keine Bedeutung mehr

Bisherige Fragebögen enthielten einerseits Fragen, die für Menschen über 70 keine Bedeutung mehr haben, wie zum Beispiel zum Berufsleben. Andererseits blendeten sie Bereiche aus, deren Bedeutung im Alter wächst, so zum Beispiel Gartenarbeit, Hausarbeit und Spaziergänge. Der PRISCUS-Physical Activity Questionnaire (PRISCUS-PAQ) berücksichtigt diese Besonderheiten. Er wurde für ein telefonisches Interview entwickelt und erfasst die Aktivität bzw. den Energieverbrauch der letzten sieben Tage. Jeder Tätigkeit aus den Bereichen „Ruhen“, „Alltagsarbeit“ und „Sport“ wurde ein sog. metabolisches Äquivalent (MET) zugeordnet, um sie hinsichtlich ihres Energieverbrauchs zu bewerten. Der Fragebogen umfasst insgesamt zehn Fragen.

Test mit 91 Versuchspersonen

Bochumer Forscher des Lehrstuhls für Sportmedizin und Sporternährung (Leiterin Prof. Dr. Petra Platen) testeten den Fragebogen mit 91 Versuchspersonen über 70 Jahre (36% Männer). Sie befragten die Probanden telefonisch zweimal im Abstand von ca. vier Wochen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Fragebogen verlässliche Ergebnisse bringt“, fasst Prof. Trampisch zusammen. Er soll im PRISCUS-Verbund für mehrere Zwecke eingesetzt werden: Einerseits für die Sieben-Jahres-Nachuntersuchung der Patienten, die 2001 in die getABI-Studie eingeschlossen wurden und seitdem regelmäßig nachbefragt werden, andererseits in einer Interventionsstudie, in der die körperliche Aktivität älterer Menschen gesteigert werden soll. Hier soll der Fragebogen der Kontrolle dienen, ob die Maßnahmen ihr Ziel erreichen und die Probanden entsprechend körperlich aktiver werden.

Ziele und Partner des PRISCUS-Verbunds

Im PRISCUS-Verbund, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, arbeiten unter Koordination von Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch (Medizinische Fakultät der RUB) Wissenschaftler und Ärzte von sieben Instituten und Kliniken aus fünf Hochschulen in Bochum, Hannover, Witten/Herdecke, Münster und Bielefeld zusammen. Ziel ist es, ein Modell zur gesundheitlichen Versorgung von älteren Menschen mit mehrfachen chronischen Erkrankungen zu entwickeln. Neue Versorgungsstrukturen und Therapiestandards müssen gezielt auf die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung abgestimmt sein und qualitativ hochwertige Behandlungen ermöglichen. Gleichzeitig stehen die Kostenträger vor der Herausforderung, knappe Ressourcen in einer alternden Gesellschaft gerecht zu verteilen. Die Daten kommen zum großen Teil aus der getABI-Studie mit 6.880 Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren, die seit 2001 von Sanofi-Aventis, Berlin („Unresticted Educational Grant“) unterstützt wird. Die Datenzentrale von getABI, einer der größten epidemiologischen Studien im hausärztlichen Bereich in Deutschland, befindet sich in Bochum.

Titelaufnahme

U. Trampisch, P. Platen, I. Burghaus, A. Moschny, S. Wilm, U. Thiem, T. Hinrichs: Reliabilität des PRISCUS-PAQ. Fragebogen zur Erfassung körperlicher Aktivität von Personen im Alter von 70 Jahren und älter. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2010, Bd. 43, S. 399-406, doi: 10.1007/s00391-010-0118-5

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch, Sprecher des Verbundprojekts PRISCUS, Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät der RUB, Tel. 0234/32-27790, hans.j.trampisch@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics