Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Handschuhe statt Hautschutzcremes

10.09.2008
Handschuhe schützen am zuverlässigsten vor gesundheitsgefährdenden Konzentra­tionen, die sich beim Umgang mit bestimmten, tendenziell krebserregenden Substanzen im Körper anhäufen können.

Hautcremes, die eigentlich Schutz bieten sollten, bewirken dagegen unter Umständen das Gegenteil. Für seine Studien zu diesem Thema ist Dr. Gintautas Korinth, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg, mit dem Franz-Koelsch-Preis 2008 ausgezeichnet worden.

Der Preis ist nach Franz Koelsch benannt, dem ersten staatlichen Gewerbearzt in Bayern, der zudem als Universitätsprofessor in Erlangen lehrte. Der Franz-Koelsch-Preis wird in unregelmäßigen Abständen vom Bayerischen Staatsminis­terium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz verliehen und honoriert bedeutende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin.

Dr. Korinth teilt die mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Auszeichnung mit Prof. Dr. Katja Radon, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Universität München. Dr. Marcel Huber, Staatssekretär im Umweltministerium, übergab den Preis am Dienstag, 9. September 2008, in München.

Der Koelsch-Preis würdigt Dr. Korinths Arbeiten über aromatische Amine. Eine Reihe von Substanzen aus dieser Stoffklasse können Krebs bei Menschen auslösen, die häufig mit ihnen in Berührung kommen. Weltweit werden aromatische Amine als Ausgangsprodukte chemischer Synthesen oder als Zusatzstoffe in der Herstellung von Farbmitteln, Arzneimitteln, Pestiziden, Gummi und Ähnlichem eingesetzt oder entstehen als Zwischenprodukte. In Deutschland gehört der Kontakt mit krebsauslösenden aromatischen Aminen zu den häufigsten Ursachen für berufsbedingte Krebserkrankungen.

Speziell in der Gummiindustrie sorgen aromatische Amine für ein arbeitsmedizinisches Problem. Bei der Herstellung von Gummiprodukten entsteht unter anderem o-Toluidin. Dieser Stoff wurde erst vor kurzem aktuell als Humankanzerogen eingestuft und kann Harnblasen- und Nierenbeckentumore verursachen.

Bei einer arbeitsmedizinischen Feldstudie des Erlanger Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin wurde insbesondere untersucht, wie die gesundheitsgefährdende Substanz in den Organismus von Arbeiter in der Gummiindustrie gelangt. Dabei erwies sich, dass o-Toluidin vor allem über die Haut eindringt. Arbeiter, deren Hände gesunde Haut hatten, nahmen signifikant weniger aromatische Amine auf als solche mit geringen Hautveränderungen, die nicht als krankhaft angesehen und deshalb vielleicht auch nicht ernst genommen wurden.

Die Aufnahme von o-Toluidin konnte verringert werden, indem die Arbeiter Handschuhe trugen. Dagegen hatte die allgemein empfohlene Anwendung von Hautschutzcremes vor und während der Arbeit den entgegengesetzten Effekt: Der Körper war dann stärker mit diesen krebserzeugenden Stoffen belastet. Laborversuche an Präparaten von menschlicher Haut bestätigten die am Arbeitsplatz beobachteten Zusammenhänge und lieferten die biologische Begründung. Das aromatische Amin durchdringt nicht nur generell leicht die Haut, die Aufnahme des Stoffs wird durch Hautschutzcremes noch gefördert.

Aus seinen Studien ergibt sich nach Einschätzung von Dr. Korinth für den praktischen Arbeitsschutz die Notwendigkeit, die Arbeiter regelmäßig zu untersuchen und die Konzentration von Schadstoffen im Körper zu testen: "Wenn Gefahrstoffe allein in der Arbeitsplatzluft gemessen werden, kann die Gefährdung unterschätzt werden."

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.200 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik