Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gut schützen Browser vor Malware?

15.03.2012
Fraunhofer-Studie untersucht Malware-Schutz von Browsern: Internet-Explorer vor Chrome, Safari und Firefox

Angriffe mit Malware nehmen immer stärker zu und gehören zu den großen Gefahren im Internet. Meist infizieren Benutzer ihre Rechner beim Surfen im Internet. Die Hersteller haben deshalb Schutzmechanismen in ihre Browser integriert, die vor bedenklichen Webseiten und Downloads warnen. Doch wie wirksam ist das?

Um herauszufinden, wie gut diese Erkennungsmechanismen funktionieren, hat das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie den reputationsbasierten Malware-Schutz weit verbreiteter Browser einem Praxistest unterzogen. Ergebnis: Internet-Explorer 8 und 9 erkennen mehr gefährliche Malware-Seiten und -Downloads als Google Chrome 14, Firefox 6 und Safari 5. Doch auch beim Testsieger blieb über die Hälfte der Angriffe unerkannt. Aus Sicht der Studienautoren können die Funktionen der Browser zum Schutz vor Schadprogrammen noch stark verbessert werden. Die Studie kann im Internet unter www.sit.fraunhofer.de kostenlos heruntergeladen werden.

Viele Schadprogramme werden mittels präparierter Internetseiten in Umlauf gebracht, ohne dass die Besucher der Seite dies merken. Moderne Browser führen deshalb schwarze Listen von bekannten Malware-Seiten und sind teilweise in der Lage, die heruntergeladenen Inhalte zu überprüfen. Die Erfolgsquote des Internet Explorers 9 lag bei bei 39,1%. Damit sind seine Erkennungswerte besser als die des Internet Explorers 8 mit 34,1%, die von Chrome mit 11,1%, Safari mit 9,2% und Firefox mit 8,1%. „Im Beobachtungszeitraum war der Schutz gegen Malware beim Internet Explorer 9 am Besten,“ sagt Dr. Markus Schneider von Fraunhofer SIT und dem Darmstädter Forschungszentrum CASED. „Der Test beschreibt jedoch nur das beobachtete Verhalten der Browser hinsichtlich Malware im Testzeitraum – in einem halben Jahr kann das Ergebnis ganz anders aussehen.“

Alle Browser prüfen die Reputation von Internetadressen. Internet Explorer 9 verfügt als einzige der betrachteten Browserversionen über einen inhaltsbasierten Filter, die sogenannte Application Reputation. Wenn die Internet-Adresse nicht als Malware-Quelle erkannt wird, so greift diese zusätzliche Schutzfunktion und prüft, ob es sich bei einem heruntergeladenen Inhalt um eine bekannte Malware handelt. Der Internet Explorer 9 war den anderen Browsern jedoch auch ohne diese zweite Verteidigungslinie überlegen.

Mit Malware-Angriffen versuchen Internet-Kriminelle Schadsoftware auf fremden Rechner einzuschleusen, um anschließend die befallenen Systeme zu schädigen, Lösegeld zu erpressen oder mit Hilfe der Software Zugangsdaten auszuspionieren. Diese Angriffe nehmen immer stärker zu und zählen aktuell zu den wichtigsten Bedrohungen im Internet. Das hat etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem jüngsten Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland festgestellt. Allein vier der vom BSI ermittelten wichtigsten Bedrohungen haben direkten Malware-Bezug.

Im zweiten Halbjahr 2011 ließ Fraunhofer SIT die damals aktuellen Browser Internetadressen aufrufen, von denen bekannt war, dass von ihnen Malware-Angriffe ausgehen. Dabei wurde die Reaktion der Browser auf infizierte Seiten getestet. Wurde eine infizierte Seite beim ersten Mal nicht erkannt, wurde sie dem Browser nach wenigen Stunden erneut vorgelegt. So konnte auch die Lernfähigkeit der genutzten Malware-Filter beurteilt werden. Zur Untersuchung der Malware-Erkennung bei Downloads wurde eine Sammlung von aktueller Malware angelegt. Diese Malware wurde wiederholt mittels Browser heruntergeladen. So wurde getestet, ob bzw. ab wann sie von dem Browser erkannt wird.

Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung von Microsoft erstellt. Das Unternehmen hatte jedoch keinerlei Einfluss auf Methodik und Testkriterien und hat die Ergebnisse erst nach Abschluss der Studie erhalten. Die Untersuchung des Fraunhofer SIT trifft keine Aussage über die Gesamtsicherheit der Browser. Wenngleich es sich bei Malware um eine wichtige Klasse von Angriffen handelt, gibt es viele weitere Angriffe, z.B. klassisches Phishing, Cross-Site-Scripting, Tracking. Auch gegen diese Angriffe haben heutige Browser Schutzfunktionen integriert. Die Behandlung anderer Angriffe und der hierfür existierenden Schutzmechanismen war jedoch nicht Gegenstand der Studie.

Oliver Küch | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.sit.fraunhofer.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte