Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von den Grundlagen zur Therapie der Sozialen Angst

28.04.2011
Das Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden startet im Mai eine weitere vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von psychotherapeutischen Therapieelementen in der Praxis.

Soziale Angst, der Fachbegriff dazu lautet „Soziale Phobie“, ist eine vergleichsweise häufige psychische Krankheit, die etwa 10% der Bevölkerung im Laufe Ihres Lebens betrifft. Die Betroffenen leiden dabei unter starken und immer wiederkehrenden Ängsten, wenn sie sich in Leistungs- oder Bewertungssituationen befinden.

„Das kann der Vortrag im Seminar, ein Termin mit dem Chef, aber auch einfach das Gespräch mit Freunden sein“, erklärt Dipl.-Psych. David Bräuer (30). „Das entscheidende an der Sozialen Phobie ist, dass die Betroffenen befürchten, sich peinlich zu verhalten oder einen negativen Eindruck zu hinterlassen.“

Betroffene ertragen die Situation nur unter starken Ängsten oder vermeiden die Angst auslösenden Situationen ganz. Das führt nicht nur zu erheblichem Leiden, sondern auch zu Beeinträchtigungen in der Lebensführung, einschließlich beruflicher oder sozialer Nachteile. Selbstwertprobleme, Substanzmissbrauch und Depression gehören zu den Folgeproblemen.

Die Tendenz der Betroffenen, ihre Probleme nicht mit anderen zu besprechen, führt auch dazu, dass ihre Probleme oft nicht richtig erkannt und behandelt werden. Dabei ist die Soziale Phobie mit psychotherapeutischen Methoden, insbesondere der Verhaltenstherapie, sehr gut behandelbar.

Prof. Jürgen Hoyer (52), Leiter der Institutsambulanz und Tagesklinik der TU-Dresden (IAP) koordiniert und betreut aktuell drei Forschungsprojekte, die die Soziale Phobie zum Thema haben. „Als praktizierender Forscher oder forschender Praktiker interessiert mich natürlich einerseits, welche gedanklichen, emotionalen und körperlichen Prozesse bei der Sozialen Phobie eine Rolle spielen. Anderseits ist die Therapie von sozialen Ängsten zwar vergleichsweise erfolgreich, wir wissen jedoch noch nicht, welche psychotherapeutische Technik bei wem am besten funktioniert.“

Die aktuellen Forschungsprojekte, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem BMBF finanziert werden, untersuchen dabei unterschiedliche Aspekte der Sozialen Angst, von Grundlagenforschung bis zur Psychotherapie. „Es gibt eine Vielzahl von Fragen, die wir im Moment noch nicht beantworten können, z. B. ob sich bei Menschen mit Sozialer Angst Veränderungen im Hormonhaushalt oder bei der Herzrate finden“, ergänzt Dipl.-Psych. Dr. Stephen Crawcour (31), „Wir wissen auch nicht, ob sich an Universitäten entwickelte Therapieinstrumente 1:1 in die Praxis überführen lassen.“

Für einige Fragestellungen reicht jedoch ein Forschungszentrum nicht aus. „Die enge Kooperation mit anderen Universitäten, in unserem Fall mit Göttingen oder Frankfurt am Main, ist dabei grundlegend. Wir freuen uns, dass wir in der neusten Studie das Koordinationszentrum sind“, sagt Hoyer. Aktuell sucht die Institutsambulanz und Tagesklinik noch Patienten und Kontrollpersonen, die im Rahmen von einer der Studien teilnehmen möchten.

Weiterführende Informationen erhalten Interessierte im Internet unter http://psychologie.tu-dresden.de/sozialephobie, telefonisch unter 0351 463-36954 (Dipl.-Psych. David Bräuer) oder per Mail an sp-studie@psychologie.tu-dresden.de

Mathias Bäumel | Technische Universität Dresden
Weitere Informationen:
http://psychologie.tu-dresden.de/sozialephobie
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: BMBF Institutsambulanz Phobie Psychotherapie Tagesklinik Ängsten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik