Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Grünem Tee Darmkrebs vorbeugen?

17.03.2011
Wissenschaftler untersuchen Wirkung des Tees auf Darmkrebsvorstufen

Grüner Tee gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Getränken der Welt. Er wird hauptsächlich aus den Blättern der Pflanze Camellia Sinensis hergestellt und gilt besonders in Asien als Lebenselixier.

Das Heißgetränk wirkt positiv auf Herz und Kreislauf, es scheint aber auch vor Krebs zu schützen. Wissenschaftler der Universitäten Halle (Saale) und Ulm untersuchen nun in einer Langzeitstudie die krebsvorbeugenden Eigenschaften des Grüntees, insbesondere gegen Darmkrebs. Die Deutsche Krebshilfe fördert das weltweit größte Forschungsvorhaben zu dieser Fragestellung mit insgesamt 2,1 Millionen Euro.

Bereits seit Jahrtausenden wird in China Grüner Tee getrunken. Nach traditioneller Überlieferung wirkt er sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit aus. Im 16. Jahrhundert fanden die Blätter der Teepflanze erstmals ihren Weg nach Europa und wurden hier als pflanzliches Heilmittel verkauft. Vor einigen Jahren haben Wissenschaftler schließlich herausgefunden, dass ein bestimmter Inhaltsstoff des Grünen Tees, ein Pflanzenhormon mit dem wissenschaftlichen Namen Epigallocatechin-3-gallat (ECGC), vor bestimmten Krebsarten schützen kann. In verschiedenen Forschungsarbeiten haben sie beobachtet, dass ECGC die Entstehung von Tumoren der Prostata, Brust und Gebärmutter hemmt.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Thomas Seufferlein von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Halle und Professor Dr. Julia Stingl vom Institut für Naturheilkunde und Klinische Pharmakologie der Universität Ulm untersuchen nun den Nutzen von Grünem Tee zur Darmkrebsvorsorge. Zielgruppe der Studie sind Patienten, bei denen im Rahmen der Krebs-Früherkennung bereits der Darm gespiegelt und dabei so genannte Polypen entdeckt und entfernt wurden. Polypen sind die gutartigen Vorstufen von Darmkrebs. Das Entfernen dieser Geschwülste kann die Entstehung von Krebs verhindern.

Im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) finden Ärzte bei jedem vierten Patienten einen oder mehrere Polypen. Ob durch den regelmäßigen Genuss von grünem Tee vermieden werden kann, dass sich neue Polypen bilden, wollen die Wissenschaftler nun untersuchen. Dazu verabreichen sie jedem Versuchsteilnehmer eine tägliche Dosis Grüntee-Extrakt in Form von Kapseln. Diese werden über einen Zeitraum von drei Jahren eingenommen. Eine Tagesdosis besteht aus zwei Kapseln, die jeweils 150 Milligramm EGCG enthalten. Zum Vergleich: Eine Tasse Grüner Tee enthält etwa 50 bis 70 Milligramm des Wirkstoffs.

Alle vier Monate entnehmen die Ärzte den Patienten Blut, um ihre Leber- und Blutwerte zu kontrollieren. Zudem fragen sie die Teilnehmer regelmäßig, ob diese die Kapseln eingenommen, zusätzlich Grüntee getrunken oder andere Medikamente bekommen haben. Außerdem wird nach drei Jahren mittels Koloskopie ermittelt, ob und wie viele neue Polypen sich gebildet haben.

„Bestätigt sich unsere Hypothese, dass Grüner Tee vor Darmkrebs schützt, dann könnten die Ergebnisse direkt in die klinische Praxis übertragen werden“, erklärt Seufferlein. Doch der Wissenschaftler will nicht zu früh Hoffnung wecken: „Die Annahme, dass das Trinken von Grüntee möglicherweise eine vergleichbare vorbeugende Wirkung wie Tee-Extrakt in Kapselform hat, werden wir aus unseren Daten nicht ohne weiteres ableiten können. Die Menge des Wirkstoffs variiert je nach Zubereitung stark und eine genaue Dosierung von EGCG, also dem hauptwirksamen Bestandteil, ist nur schwer möglich.“

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Das Potential pflanzlicher Substanzen zur Ergänzung der konventionellen Therapie darf nicht ungenutzt bleiben. Um die komplexen Wirkungen der Pflanzenstoffe zu verstehen und für die Betroffenen nutzbar zu machen, sind jedoch intensive Forschungsarbeiten notwendig. Daher fördert die Deutsche Krebshilfe neben klassischen grundlagenorientierten und klinischen Forschungsvorhaben auch eine Vielzahl von Projekten, die sich mit naturheilkundlichen Behandlungs- und Vorbeugemöglichkeiten gegen Krebs befassen.“

Dr. med. Eva M. Kalbheim | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics