Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größte gesamteuropäische Jodstudie startet

07.09.2015

Kann eine bessere Jod-Versorgung Europa klüger machen?

Wissenschaftler aus 27 europäischen Ländern wollen mit Hilfe der EU dem Jodmangel den Kampf ansagen. Mit dem Netzwerk EUthyroid stellt sich eine gesamteuropäische Initiative der Herausforderung, die Jodversorgung der europäischen Bevölkerung wissenschaftlich zu erfassen und gemeinsam geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um die Jodversorgung in Europa nachhaltig zu verbessern.


Das Logo des Netzwerkes EUthyroid

Quelle: EUthyroid


Prof. Henry Völzke koordiniert die europäische Studie.

Foto: UMG/Hausmann

Heute beginnt in Wien das dreitägige Kick-off Meeting. Die Koordinierung des EU-Forschungsprojektes mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Fördervolumen in Höhe von drei Millionen Euro übernimmt die Universitätsmedizin Greifswald.

Jodmangel ist der wichtigste Risikofaktor für Schilddrüsenerkrankungen bei Erwachsenen und Kindern. Störungen der Schilddrüsenfunktion sind besonders häufig dort anzutreffen, wo ein Jodmangel besteht. Aber vor allem Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf an Jod, um das Baby ausreichend zu versorgen und so eine optimale Entwicklung zu gewährleisten.

Selbst ein leichter Jodmangel während der Schwangerschaft kann zu einer gestörten Gehirnentwicklung des Kindes und so zu einer verminderten Intelligenz führen. Tatsächlich ist Jodmangel die weltweit häufigste Ursache für vermeidbare Gehirnschäden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt seit Jahren, dass in Europa zunehmend Menschen von den Folgen eines Jodmangels betroffen sind.

Keine Datenlage zur Jodversorgung

Grundsätzlich wird Jod auf natürlichem Weg durch die Ernährung aufgenommen. Meeresfrüchte sind eine natürliche Quelle des wichtigen Spurenelements. Die meisten Regionen in Europa sind allerdings Jodmangelgebiete. Neben den Hochgebirgsregionen wie den Alpen gibt es viele Staaten in allen Teilen Europas, die aufgrund ihrer kontinentalen Lage und den Ernährungsgewohnheiten typische Jodmangelgebiete darstellen, was nachweislich negative Folgen für die Gesundheit hat.

Prof. Henry Völzke (Foto), EUthyroid-Koordinator von der Universitätsmedizin Greifswald, hat das Projekt maßgeblich vorangetrieben. „Aktuell gibt es in Europa keine einheitlichen Daten zur Jodversorgungslage. So können wir nur Vermutungen über die Größenordnung der Gesundheitsprobleme anstellen, die eine mangelhafte Jodversorgung auslöst.

Fakt ist, dass selbst in Deutschland viele Kinder mit intellektuellen Defiziten geboren werden. Insofern bin ich als Epidemiologe und Arzt sehr froh, dass uns die EU mit EUthyroid jetzt eine Möglichkeit eröffnet, diese unbefriedigende Situation zu ändern. Ich bin überzeugt, dass eine bessere Jod-Versorgung Europa klüger machen kann.“

Viele europäische Staaten haben im letzten Jahrhundert Präventionsprogramme mit jodiertem Speisesalz eingeführt, die das Jodangebot in der Bevölkerung verbessern können. Dennoch verwenden nur 27 Prozent der europäischen Haushalte jodiertes Salz. Die Weltgesundheitsorganisation ruft daher seit Jahren auf, die Situation in Europa durch ein einheitliches Monitoring zu überprüfen, um eine Grundlage für verbesserte Präventionsmaßnahmen zu schaffen.

„Europa hat viel Erfahrung mit der Harmonisierung der unterschiedlichsten Verfahren über Ländergrenzen hinaus, aber in der Jodprävention hinken wir deutlich unseren Möglichkeiten hinterher“, sagte Prof. John Lazarus von der University Cardiff als regionaler Koordinator des „Iodine Global Network“ in West- und Zentral-Europa und Partner von EUthyroid. „Ich setzte darauf, dass mit EUthyroid eine Dynamik entsteht, die am Ende in deutlich effektiveren Präventionsmaßnahmen mündet.“

An dem europäischen Projekt EUthyroid beteiligen sich 30 Partner aus 27 Ländern. Das Netzwerk EUthyroid sammelt zum ersten Mal einheitliche Daten über die Jodversorgung der Bevölkerung in den beteiligten Ländern, vergleicht die nationalen Maßnahmen und Ernährungsgewohnheiten und wird geeignete Schritte herausarbeiten, um die Jodversorgung in Europa gezielt zu verbessern.

Schwerpunkt Jodmangel in der Schwangerschaft

Ein besonderer Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit bildet die Vereinheitlichung der Datenerhebung und die Analyse bestehender Präventionsprogramme auf ihre Kosten-Nutzen-Relation. „Die Jodierung von Salz ist sehr billig, aber wir müssen auch in ein taugliches Programm investieren, das die Jodversorgung abbildet. Nur so können wir sicherstellen, dass trotz sich wandelnder Ernährungsgewohnheiten und großer regionaler Unterschiede in Europa kein Kind mehr einem Jodmangel vor der Geburt ausgesetzt wird“, erläuterte Henry Völzke.

EUthyroid legt ein besonderes Augenmerk auf die Frage, inwiefern eine nicht ausreichende Jodversorgung von Schwangeren Auswirkungen auf die geistige Entwicklung ihrer Neugeborenen hat. Voruntersuchungen deuten darauf hin, dass selbst ein leichter Jodmangel in der Schwangerschaft den Intelligenzquotienten des Kindes negativ beeinflusst. EUthyroid wird dieser Frage an drei gesonderten Mutter-Kind-Studien aus Regionen mit unterschiedlicher Jodversorgung nachgehen. Schätzungen gehen davon aus, dass sogar in Deutschland 50 Prozent aller Neugeborenen während der Schwangerschaft einem Jodmangel ausgesetzt waren, der die Neugeborenen negativ beeinflussen könnte. Aber belastbare Daten gibt es dazu in ganz Europa nicht.

Der europäische Kontinent stellt einen komplexen Flickenteppich in der Jodprophylaxe dar. Die natürliche Jodversorgung ist aufgrund der regionalen Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten heterogen. In vielen Ländern existieren Präventionsprogramme mit jodiertem Salz, die aber nicht einheitlich geregelt sind. Schließlich gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Nationen, die ein regelmäßiges Monitoring der Jodversorgung durchführen, das aber wiederum nur sehr eingeschränkt untereinander vergleichbare Daten liefert. „Es gibt also noch viel zu tun, bis in Europa alle Bürger mit einer guten und über die Ländergrenzen hinweg harmonisierten Jodversorgung rechnen können“, so Völzke.

Mit dem Aufbau zentraler Datenbanken und Strukturen für Laborvergleichsuntersuchungen sowie der Einführung qualitätssichernder Maßnahmen für Datenerhebungen werden jetzt Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch schon über die dreijährige Laufzeit des Projektes hinaus die Jodversorgung der europäischen Bevölkerung verbessert werden kann.

Hintergrund

Über das Projekt EUthyroid
EUthyroid verbindet 30 Partner aus 27 Ländern und wird mit einem Budget von 3 Mio. € einen wesentlichen Beitrag zur Analyse des Status quo der Jodprophylaxe in Europa leisten. Nur 67 der knapp 2.200 Forschungsanträge, die bei der ersten Ausschreibung des neuen Rahmenprogramms der Europäischen Kommission Horizon2020 eingereicht wurden, waren erfolgreich. Das Forschungskonsortium „EUthyroid - Towards a euthyroid Europe!“ (#634453) zählt dazu.
http://www.euthyroid.eu

Über die Universitätsmedizin Greifswald
Die Krankenversorgung, die Forschung und die Lehre sind die drei zentralen Säulen der traditionsreichen Universitätsmedizin Greifswald. Heute gehören zur modernen Universitätsmedizin Greifswald am neuen Campus 21 Kliniken und 19 Institute und weitere Einrichtungen. Mehr als 1.700 Medizinstudenten und 560 Schüler werden an der Universitätsmedizin für Gesundheitsberufe ausgebildet.
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Über das Iodine Global Network
Das Iodine Global Network (IGN) verbindet mehr als 100 regionale und nationale Koordinatoren und Partner-Agenturen, die sich weltweit gegen Jodmangel engagieren. Die IGN arbeitet eng mit der WHO und UNICEF zusammen und unterstützt öffentliche, private, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Entwicklung und Durchführung globaler und nationaler Programme zur Prophylaxe von Schilddrüsenerkrankungen.
http://ign.org

Fotos: UMG/Hausmann
Die Individualisierte Medizin ist ein Forschungsschwerpunkt der Universitätsmedizin Greifswald. Die langjährigen Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass die Greifswalder Wissenschaftler unter Leitung des Koordinators Prof. Henry Völzke die Federführung über die erste gesamteuropäische Jodstudie übertragen bekommen haben.

Weitere Fotos unter http://euthyroid.eu/press-media

Ansprechpartner EUthyroid
EUthyroid Office
Project Manager: Matthew Spencer, PhD
Helmut-Qualtinger-Gasse 2/2, 1030 Wien
T +43 1786-95 95 12
M office@euthyroid.eu
http://www.euthyroid.eu

Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Abteilung SHIP/Klinisch-Epidemiologische Forschung
EUthyroid-Koordinator: Prof. Dr. med. Henry Völzke
Walter Rathenau Str. 48, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-75 41 oder 86 19 658
E voelzke@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.facebook.com/UnimedizinGreifswald

Constanze Steinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften