Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grenzen setzen unterbricht Gewaltspirale

14.10.2008
Kinder lernen Konfliktlösung in der Familie

Kinder aus problematischem familiären Umfeld verarbeiten soziale Informationen anders als ihre Altersgenossen. Das besagt eine aktuelle Studie der Indiana University, die Ursachen für Gewaltanwendung untersucht. "Kinder gewalttätiger Eltern halten Gewalt viel eher für ein plausibles Mittel der Konfliktlösung", sagt Studienautor John Bates vom Institut für Psychologie. In Folge greifen Kinder in späteren Beziehungskonflikten viel häufiger zu aggressiven und gewalttätigen Verhaltensweisen als ihre Altersgenossen.

Der Sozial- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld bestätigt gegenüber pressetext den engen Zusammenhang zwischen der Gewaltanwendung von Jugendlichen und ihren familiären Vorerfahrungen. "Nicht intakte Beziehungen der Eltern, Armut und wirtschaftliche Probleme durch Arbeitslosigkeit führen in Verbindung mit Regellosigkeit häufig zu häuslicher Gewalt." Kinder, die mit dieser täglichen Erfahrung aufwachsen, lernen, sich später auch selbst gewalttätig durchzuboxen. "Dieser Lernmechanismus, einen Konflikt mit körperlicher Aggression zu lösen, ist ganz fest eingeprägt", so Hurrelmann. Störungen der Persönlichkeit gehen dabei mit körperlichen und psychischen Misshandlungen einher. "Paradoxerweise fällt ein Mensch mit diesen Vorerfahrungen bei fehlender Souveränität oder instabilen Situationen häufig selbst in bekannte negative Muster zurück."

Die US-Forscher bemühten sich um eine Aufschlüsselung des Entwicklungsschrittes, der zwischen dem Erleben und dem Selbst-Anwenden von Gewalt steht. In der Praxis sei eine Unterbrechung dieses Teufelskreis am ehesten durch eine andere Erfahrung möglich, betont Hurrelmann. "Jugendliche brauchen in der Schule Erfahrungen, in der Verhalten, das Konflikte provoziert, auf klare und strenge Umgangsregeln trifft." Sofortige und klare Reaktionen in Form von angemessenen, gewaltfreien Strafen seien hier entscheidend für die Erfahrung "So geht es auch."

Neben dem familiären Umfeld beeinflussen auch andere Faktoren die Gewaltbereitschaft, Hurrelmann nennt als Beispiele Mutproben in Gleichaltrigengruppen oder der häufige Konsum medialer Darstellungen von Gewalt. Aufgrund der technischen Möglichkeiten des Internets, Videoaufnahmen von Gewalthandlungen einer breiten Masse zu zeigen, hätten spektakuläre und extreme Formen der Gewalt in den letzten Jahren zugenommen. Das gelte jedoch nicht für die Gewalt unter Jugendlichen allgemein: In den Statistiken wie auch in der vermuteten Dunkelziffer sei die Gewalttätigkeit bei Jugendlichen im Abnehmen, so der Jugendforscher abschließend.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.indiana.edu
http://www.uni-bielefeld.de

Weitere Berichte zu: Gewaltanwendung Gewaltspirale Jugendforscher Konfliktlösung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

See, understand and experience the work of the future

11.12.2017 | Event News

Innovative strategies to tackle parasitic worms

08.12.2017 | Event News

AKL’18: The opportunities and challenges of digitalization in the laser industry

07.12.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik