Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grazer ForscherInnen untersuchten die Auswirkungen europäischer Klimapolitik auf globaler Ebene

04.10.2012
Ist Klimapolitik sinnvoll, wenn nicht alle Länder mitmachen? Dieser Frage ging eine Forschungsgruppe um Karl Steininger am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz nach.

Im Rahmen einer Studie analysierten die WissenschafterInnen die Auswirkungen europäischer Klimapolitik auf globaler Ebene. Das Ergebnis: Einseitige Klimapolitik führt zu einer bisher unterschätzten Abwanderung der Emissionen in andere Weltregionen.

Entsprechende wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie Grenzausgleichszölle, könnten dieser Abwanderung jedoch erfolgreich entgegenwirken. Die Studie wurde im September 2012 in Washington präsentiert und kürzlich im Fachjournal „Energy Economics“ publiziert.

Das Problem ist bekannt: Solange es kein global verbindliches Klimaabkommen gibt und nur einzelne Länder, wie zum Beispiel jene der EU, eine striktere Klimapolitik betreiben, kann deren Wirkung stark beeinträchtigt sein. „Eine dadurch ausgelöste Abwanderung von stark emittierenden Industrien in nicht-regulierte Entwicklungsländer oder andere Rückwirkungen über den Weltmarkt erhöhen die Emissionen in diesen Regionen“, erklärt Volkswirt Karl Steininger. „Entscheidend für den Klimawandel ist letztendlich aber nur die Nettowirkung der EU-Politik auf globaler Ebene“, betont der Ökonom. Und diese würde sich durch negative Rückwirkungen vermindern.

Wie stark die Beeinträchtigung tatsächlich ist, hat Steiningers Team nun erstmals mit einem neuen Ansatz berechnet. Die Größenordnung dieser Rückwirkung sei bisher in globalen Modellen deutlich unterschätzt worden, so der Forscher: „Einseitige EU-Emissionsminderungspolitik verliert knapp 40 Prozent ihrer ursprünglichen Emissionen – eingespart in den Ländern der Europäischen Union – durch einen eben in dieser Größenordnung direkt dadurch hervorgerufenen Mehrausstoß in anderen Weltregionen.“

Warum diese Abwanderung bis dato unterschätzt worden war, liege daran, dass sich Analysen bisher nur auf Verbrennungsemissionen konzentriert hätten. „Diese machen zwar 90 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen aus, aber die restlichen zehn Prozent – sogenannte Prozessemissionen, die etwa bei der chemischen Umwandlung der Einsatzstoffe für Zement entstehen – sind für die von der Abwanderung bedrohten Sektoren besonders relevant.“ Die Forschungsgruppe um Steininger hat diese Prozessemissionen erstmals einbezogen.

Sinnlos ist EU-Klimapolitik für Karl Steininger deshalb aber nicht. Spezielle Auflagen zum Beispiel für „Grenzausgleichszölle“ würden auch einer einseitigen Klimapolitik globale Wirksamkeit verleihen. „Werden neben den herkömmlichen Emissionen auch die Prozessemissionen bei solchen politischen Instrumenten berücksichtigt, so sind diese Maßnahmen doppelt so wirksam und können den Großteil der Mehremissionen anderswo verhindern.“

Publikation: http://dx.doi.org/10.1016/j.eneco.2012.08.038

Die vorliegende Studie ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Umwelt und Globaler Wandel“ der Karl-Franzens-Universität Graz und wurde im Rahmen des Austrian Climate Change Research Programme vom Klima- und Energiefonds gefördert.

Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger
Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel.: +43 (0)664 84 63 147
E-Mail: karl.steininger@uni-graz.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at
http://www.wegcenter.at/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie