Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Göttinger Studie: Sport als gesundheitsfördernde Ressource für Studierende

30.08.2011
Göttinger Wissenschaftler untersuchen Gesundheits-, Sport- und Bewegungsverhalten

Durch die veränderten Lern- und Studienbedingungen im Rahmen des Bologna-Prozesses fühlen sich viele Studierende gestresst und unter Zeitdruck. Beklagt werden hohe Leistungsanforderungen und psychische Belastungssituationen.

Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun in einer breit angelegten Studie untersucht, welchen Stresssituationen und gesundheitlichen Belastungen Studentinnen und Studenten ausgesetzt sind und welche Bedeutung Sport bei der Bewältigung dieser Anforderungen spielt. Die repräsentative Studie des Instituts für Sportwissenschaften zeigt, dass vor allem Studierende der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge sich zunehmend überfordert fühlen und über gesundheitliche Beschwerden klagen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Nicht nur der Prüfungsdruck wird nach Angaben der Befragten größer, auch der Zeitdruck nimmt zu. Besonders Frauen berichten zudem über Beschwerden wie Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen, Nervosität, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen. Der empfundene Zeitdruck spiegelt sich auch in der Art der sportlichen Aktivitäten wider. Zwar treiben die Bachelor- und Masterstudierenden nicht weniger Sport als ihre Kommilitonen früher in den Magister- oder Diplomstudiengängen, das zeigt der Vergleich mit älteren Studien. Sie bevorzugen jedoch unverbindliche und flexible Sportangebote. „Das klassische Volleyballspiel zu einer festgelegten Trainingszeit und mit einer festen Gruppe ist bei vielen Studierenden nur noch schwer mit dem Studium vereinbar“, so der Leiter des Forschungsprojekts, Dr. Arne Göring, vom Hochschulsport der Universität Göttingen. „Besonders stark nachgefragt werden alle Formen des Fitnesstrainings, vom Joggen bis zum Fitnessstudio.“

Insgesamt kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Sport eine wesentliche gesundheitliche Ressource für Studierende darstellt. Dabei sind die gesundheitlichen Effekte jedoch stark abhängig von Umfang und Intensität der Bewegung. Studierende, die bei mittlerer bis hoher Intensität mehr als eine Stunde pro Woche Sport treiben, fühlen sich deutlich gesünder und haben weniger Beschwerden als ihre Kommilitonen, die sich kaum bewegen. Zudem konnte die Studie einen Zusammenhang zum allgemeinen Gesundheitsverhalten feststellen: Diejenigen Studierenden, die Sport treiben, rauchen seltener und ernähren sich gesünder. Abgesehen von sportlichen Aktivitäten bietet das Studentenleben wenig Bewegung, wie die Studie ergab. Lediglich das Fahrrad wird häufig verwendet, darüber hinaus ist der Alltag an der Hochschule geprägt von körperlicher Inaktivität.

Bei der Studie kamen mehrere Methoden zum Einsatz, um der Komplexität der Fragestellung gerecht zu werden. Eine qualitative Interviewstudie mit über 30 Studierenden ergab Informationen über das subjektive Befinden der Betroffenen und über alltagsrelevante Belastungen und Bewältigungsstrategien. Zwei umfangreiche standardisierte Befragungen ergänzten die so gewonnenen Informationen. Die Wissenschaftler erhoben in einer bundesweiten repräsentativen Stichprobe mit mehr als 7000 Studierenden und einer weiteren Stichprobe mit mehr als 4100 Studierenden der Universität Göttingen Daten zum Sport- und Gesundheitsverhalten sowie zu Belastungen und Ressourcen von Studierenden. „Damit liegen erstmals seit 1989 wieder repräsentative Ergebnisse über das Sport- und Bewegungsverhalten von Studierenden vor“, erläutert Daniel Möllenbeck, der an der Studie mitgearbeitet hat. Das Sportverhalten von Studierenden war zudem Thema seiner Dissertation an der Universität Göttingen.

Die Ergebnisse der Studie, die vom Allgemeinen Deutschen Hochschulverband und der Deutschen Sportjugend unterstützt wurde, fließen derzeit in ein bundesweites Präventions- und Gesundheitsförderungskonzept für Studierende ein. Beteiligt sind neben der Universität Göttingen weitere Hochschulen und Verbände, unter anderem die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Universitäten Wuppertal und Potsdam und der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband.

Kontaktadresse:
Dr. Arne Göring
Georg-August-Universität Göttingen
Hochschulsport Göttingen
Sprangerweg 2, 37075 Göttingen
Telefon (0551) 39-6831
E-Mail: agoering@sport.uni-goettingen.de

Dr. Bernd Ebeling | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.sport.uni-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise