Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gewichtsabnahme durch Diabetes-Medikamente? - Es kommt auf die Wirkung im Gehirn an

30.04.2013
Bisher war unklar, warum die Einnahme bestimmter Diabetes-Medikamente bei manchen Patienten zu vermindertem Hungergefühl und zu Gewichtsverlust führt, bei anderen aber nicht.

Eine aktuell im Fachmagazin "Diabetes Care" veröffentlichte Leipziger Studie konnte zeigen, dass der gewichtssenkende Effekt der so genannten GLP-1-Analoga dann eintritt, wenn eine bestimmte Region im Gehirn, der Hypothalamus, besonders stark mit anderen Gehirnregionen interagiert.

GLP-1-Analoga ahmen die Wirkung des GLP-1-Hormons aus dem menschlichen Darm nach, das die Insulinausschüttung steigert und so die Zucker-Verstoffwechselung verbessert. Wissenschaftler des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, der Universitätsmedizin Leipzig und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig testeten die Auswirkungen eines GLP-1-Analogons (Exenatide) auf die Gehirnaktivität und auf das Hungerempfinden.

Für die wissenschaftliche Untersuchung erhielten die Studienteilnehmer eine Exenatide-Infusion.

Im Verlauf der anschließenden funktionellen Magnetresonanztomografie wurden den Probanden Bilder mit Essen gezeigt und dabei ihre Gehirnaktivitäten gemessen. Es folgte dann ein Buffet, bei dem die Studienteilnehmer so viel essen konnten, bis sie sich satt fühlten. Dabei wurde die Kalorienaufnahme jedes Teilnehmers genau vermerkt. Am Versuchstag beurteilten sie außerdem mehrfach anhand einer normierten Skala, wie hungrig sie sich fühlten.

Bei der Hälfte der Probanden kam es durch die Medikamentengabe zu einem verringerten Hungergefühl; in der Folge nahmen sie rund 24 Prozent weniger Kalorien beim Buffet auf als Studienteilnehmer, die ein Plazebo-Mittel erhalten haben. Bei der anderen Hälfte der Teilnehmer führte Exenatide im Vergleich zu Plazebo nicht zu einer reduzierten Kalorienaufnahme. Bei den Probanden mit verminderter Kalorienzufuhr nach Exenatide zeigte sich eine verstärkte Interaktion des Hypothalamus mit anderen Gehirnarealen, also eine größere Vernetzung (Konnektivität).
Dies ist möglicherweise die Ursache für das verminderte Hungergefühl und schließlich für den Gewichtsverlust bei Diabetespatienten, die GLP-1-Analoga einnehmen. Die Faktoren, warum Exenatide bei einigen Menschen die Gehirnaktivität beeinflusst und bei anderen nicht, sind noch in Folgestudien zu klären.

Prof. Dr. Michael Stumvoll, Wissenschaftlicher Leiter des IFB Adipositas¬Erkrankungen betont: "Studien dieser Art tragen dazu bei, die multifaktoriellen Ursachen von krank¬haftem Übergewicht und damit das Ansprechen einzelner Untergruppen auf eine bestimmte Therapie zu verstehen. Denn wenn Adipositaspatienten zu der Gruppe mit dem beschriebenen Effekt gehören, könnten GLP-1-Analoga in der Gewichtsreduktion indiziert sein und bei diesen Patienten gezielt eingesetzt werden. Dies würde Kosten und Nebenwirkungen bei Patienten vermeiden, die nicht mit Gewichtsverlust auf diese Medikamente reagieren."

Randomisierte, doppelblinde und Placebo-kontrollierte klinische Studie:
Schlögl H, Kabisch S, Horstmann A, Lohmann G, Müller K, Lepsien J, Busse-Voigt F, Kratzsch J, Pleger B, Villringer A, Stumvoll M.: Exenatide-induced reduction in energy Intake is associated with increase in hypothalamic connectivity. Diabetes Care, 2013 March 5. [Epub ahead of print] http://care.diabetesjournals.org/content/early/2013/02/27/dc12-1925.abstract

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung adipöser Patienten integriert werden können. Am IFB Adipositas-Erkrankungen gibt es derzeit über 40 Forschungsprojekte. Zur Patientenversorgung stehen eine IFB AdipositasAmbulanz für Erwachsene und eine für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Das IFB wird das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen.

Weitere Informationen:

Doris Gabel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit IFB
Telefon: +49 341 97-13361
E-Mail: presse@ifb-adipositas.de

Diana Smikalla | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.ifb-adipositas.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie