Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein gesunder Energie-Mix aus regenerativen Quellen

04.12.2008
Geographen der Universität Jena fertigen Studie zum Potenzial erneuerbarer Energien an

Der Ruf nach einer nachhaltigen Energiewirtschaft wird immer lauter. Das Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energien ist längst nicht ausgeschöpft. In Ostthüringen könnte bereits die Hälfte des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das ergab eine Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Auftrag der Regionalen Planungsgemeinschaft Ostthüringen.

"Im Vergleich zu Gesamtdeutschland hat Thüringen beim Verbrauch pro Einwohner gerechnet bereits einen hohen Bestand an erneuerbaren Energien", sagt PD Dr. Martin Gude vom Institut für Geographie der Uni Jena. Seine Arbeitsgruppe Regionalklima und Nachhaltigkeit hat für die Studie den Stand der bisherigen Nutzung regenerativer Energiequellen sowie das Entwicklungspotenzial in den sieben Landkreisen und kreisfreien Städten in Ostthüringen mit einem Computermodell analysiert. Ziel der Studie sei es gewesen, den Regionalplanern Empfehlungen für Konzepte zum Ausbau erneuerbarer Energien in den östlichen Landesteilen zu geben.

Laut der Jenaer Studie leistet Bioenergie hier den größten Anteil der erneuerbaren Energien. Pro Einwohner gerechnet liegt die Endenergie-Nutzung etwa vier Mal höher als der Bundesdurchschnitt. Vor allem in ländlichen Gebieten werden nachwachsende Rohstoffe, wie Holz und landwirtschaftliche Produkte, für die Energieerzeugung genutzt. Dagegen spielt in Städten und dicht besiedelten Gebieten die Nutzung von Solarwärme und die Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen eine größere Rolle. "Für beide Energieformen gibt es ein riesiges Potenzial", weiß Martin Gude. Auch Bioenergie und Erdwärme sind nach Ansicht des Jenaer Geowissenschaftlers ausbaubar.

"Mit unseren Ergebnissen können wir jetzt für ganz Ostthüringen ortsgenaue Aussagen über das jeweilige Potenzial der einzelnen Energieformen machen", so Gude. Das mache die Studie sehr interessant für Kommunen. Insgesamt könne fast drei Mal mehr Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. Schon jetzt wird in Ostthüringen mehr als doppelt soviel Energie aus erneuerbaren Quellen verbraucht wie im Bundesdurchschnitt. "Würde das Potenzial ausgeschöpft werden, könnte bei 40-prozentiger Einsparung 85 Prozent des Verbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden", so Gude. "In 30 Jahren könnten es sogar 100 Prozent sein." Dafür sei jedoch ein "gesunder Energie-Mix elementar wichtig" - und der ist für jede Region unterschiedlich.

Wichtig ist es, die Siedlungs- und Infrastrukturplanung auf Energieeffizienz auszurichten, sagt der Geograph von der Universität Jena. So müssten auch solche Flächen in die Planung aufgenommen werden, die sich insbesondere als Standorte für erneuerbare Energiequellen eignen. "Und zwar über die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu potenziellen Windenergiestandorten hinaus", so Martin Gude. Minderwertige Ackerböden, die in der Nahrungsmittelproduktion schlechte Erträge einfahren, könnten demnach für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden. Brachflächen könnten als Photovoltaik-Standort dienen, selten genutzte Uferrandstreifen könnten für die Biomasseproduktion umgenutzt werden. "Es wäre sinnvoll, einen Atlas zu erstellen", so Gude, "in dem jeder Hausbesitzer und Firmeninhaber nachschlagen kann, inwieweit sich sein Grundstück für den Ausbau erneuerbarer Energien eignet."

Die größte Herausforderung sei jedoch die Wärmeisolierung bestehender Eigenheime. "Der Sanierungszustand in Ostthüringen ist sehr schlecht", sagt Gude, der das auf die hohen Sanierungskosten zurückführt. Gerade durch die schlechte Wärmeisolierung ist der Energieverbrauch sehr hoch. "Wenn sich das nicht ändert, machen Investitionen in Geothermie oder Solarenergie jedoch überhaupt keinen Sinn." Das, so Gude, sei jedoch keine Aufgabe der Regionalplanung, sondern der Politik.

Kontakt:
PD Dr. Martin Gude
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948809
E-Mail: martin.gude[at]uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics