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Geschützte Korallenriffe wehren Erwärmungsstress besser ab

28.04.2009
Experte: Keine Entwarnung vor drohendem Kollaps der Riffe

Manche Korallenriffe können mit der Klimaerwärmung offensichtlich sehr gut umgehen. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn der Stress auf das gesamte marine Ökosystem gering gehalten wird, berichtet die internationale Wildlife Conservation Society (WCS).

Die Studie, die von Forschern im Fachmagazin Aquatic Conservation publiziert wurde, wird beim Treffen der International Coral Reef Initiative (ICRI) http://www.icriforum.org in Phuket/Thailand vorgestellt. Untersucht wurden Riffe im Dreieck zwischen Nord-Madagaskar, dem nördlichen Mosambik bis ins südliche Kenia.

Die Forscher um Tim McClanahan und Nyawira Muthiga von der WCS haben festgestellt, dass sich einige Korallenriffe in Tansania nach einer massiven Korallenbleiche im Jahr 1998 relativ schnell erholt hatten. Damals sind fast 45 Prozent aller Korallen zerstört worden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass direktes Management - insbesondere die Schaffung und Überwachung von marinen Schutzzonen - und die spezielle Lage den fragilen Ökosystemen sehr geholfen haben sich wieder zu erholen.

Neu ist auch die Erkenntnis, dass Korallen, die in tropischen Gewässern in Meeresströmungen bei sehr stark schwankenden Wassertemperaturen leben, besser mit der Erwärmung zurecht kommen. Das war bisher nur von sub-tropischen Korallenriffen in den höheren Breiten, z.B. Nördliches Rotes Meer oder Japan, bekannt. "Das heißt, dass diese Riffe eine natürlich erhöhte Widerstandskraft gegen die Meereserwärmung haben", meint der Korallenexperte Christian Wild von der Universität München im pressetext-Interview. "Die Studie gibt Anlass zu Hoffnung." Allerdings könne man aber keine Entwarnung geben.

"Dass auch die Intensität des Fischfangs ein bedeutender Faktor ist, ist bekannt", erklärt Wild. In marinen Schutzzonen können sich Korallen offensichtlich besser regenerieren. Regionen, in denen der kommerzielle Fischfang ausgesetzt wurde profitieren deutlich davon. Auch in Ostafrika sei zu beobachten gewesen, dass der Beginn des großen Sterbens am Meeresboden in Zonen, in denen gefischt wurde noch viel schneller und weiter voran schritt. Die Forscher berichten etwa vom massiven Anstieg von Seeigeln, die sich von den Korallen ernähren. Die Studienautoren gehen davon aus, dass Riffe unter ähnlichen geographischen oder hydrodynamischen Bedingungen in Zukunft mehr Chancen auf Rettung haben. Es sei allerdings notwendig, dass man alle Anstrengungen unternehmen müsse, weiteren direkt vom Menschen erzeugten Druck wie Überfischung und der Eintrag von Düngemitteln von den Riffen zu nehmen, schreiben die Forscher.

"Bisher war das Phänomen der saisonalen Temperaturschwankungen nur von sub-tropischen Riffen in höheren Breiten bekannt", so Wild. Dass es auch in den Tropen so große Temperaturunterschiede gibt und die Korallen dann widerstandsfähiger sind, ist neu", meint Wild. Tropische Korallenriffe gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten Biodiversität. Noch immer sind viele dieser Organismen bis heute weder entdeckt noch beschrieben worden. "Zu den wesentlichen Ursachen des Korallensterbens zählen neben der globalen Klimaerwärmung mit ihren Konsequenzen Erwärmung und Ansäuerung der Weltmeere, die Überfischung und der zu hohe Eintrag von Nährstoffen", erklärt der Forscher abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wcs.org
http://www.uni-muenchen.de

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