Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetik des Sozialen

29.11.2011
Freiburger Forscher zeigen, wann Freunde Stress lindern können

Unterstützung von Familie und Freunden gilt als einer der wirksamsten Schutzfaktoren gegen stressbedingte Erkrankungen – von der Depression bis zum Herzinfarkt. Prof. Dr. Markus Heinrichs, Professor für Biologische Psychologie an der Universität Freiburg, hat 2003 als erster Humanforscher bereits nachgewiesen, dass das Neurohormon Oxytocin eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von Stress sowie der stressreduzierenden Wirkung der sozialen Unterstützung spielt. In einer Reihe von Arbeiten hat er außerdem gezeigt, dass Oxytocin als Nasenspray Vertrauen und Einfühlungsvermögen erhöht und somit therapeutisches Potenzial bei einer Reihe psychischer Erkrankungen bietet.

Aber könnte das Oxytocin-System auch helfen zu verstehen, warum sich die Unterstützung von nahe stehenden Personen auf Menschen sehr unterschiedlich auswirkt?

In der aktuellen Ausgabe des renommierten US-amerikanischen Fachjournals Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) haben die Freiburger Psychologen und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Markus Heinrichs, Dr. Frances S. Chen, Dr. Robert Kumsta und Dr. Bernadette von Dawans gemeinsam mit den Forschern Prof. Dr. Richard P. Ebstein und Dr. Mikhail Monakhov von der National University of Singapore erstmals die genetische Modulation der Wirksamkeit sozialer Unterstützung durch Varianten des Oxytocinrezeptor-Gens (OXTR) bei Stress erforscht. Die Wissenschaftler haben bei 200 Personen die hormonelle und subjektive Stressreaktion mit einem standardisierten sozialen Stresstest untersucht. Die eine Hälfte der Probanden wurde gebeten, eine ihnen nahe stehende Person zur Unterstützung mitzubringen, die andere Hälfte erschien ohne Begleitung. „Während die Anwesenheit eines Freundes in der Vorbereitung auf den Test den Stress bei den meisten Personen reduzierte, profitierte die Gruppe der Träger einer bestimmten genetischen Variante von OXTR überhaupt nicht von der Unterstützung“, sagt Frances S. Chen. Für Markus Heinrichs hat dies weit reichende Konsequenzen für die derzeitige Forschung an neuen Therapieansätzen: „In der von uns derzeit beforschten ‚psychobiologischen Therapie’ geht es um eine völlig neuartige Kombination von Oxytocingabe und Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen mit sozialen Defiziten. Da ist es von großer Relevanz zu verstehen, wie ‚empfindlich‘ dieses System bei verschiedenen Patienten funktioniert.“

Originalveröffentlichung:
Chen, F.S.*, Kumsta, R.*, von Dawans, B., Monakhov, M., Ebstein, R.P. & Heinrichs, M. (2011). Common oxytocin receptor gene (OXTR) polymorphism and social support interact to reduce stress in humans. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), in press. (* gemeinsame Erstautorenschaft)

www.psychologie.uni-freiburg.de/abteilungen/psychobio

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Heinrichs
Institut für Psychologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3029
Fax: 0761/203-3023
E-Mail: heinrichs@psychologie.uni-freiburg.de

Prof. Dr. Markus Heinrichs | Albert-Ludwigs-Universität Freib
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten