Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemobbte Kinder stärker suizidgefährdet

07.03.2012
Risiko laut Studie dreimal so hoch - Opfer greifen öfter zu Drogen

Forscher der University of Warwick sehen eine Korrelation in Mobbing und Suizidgedanken bei elfjährigen Kindern. Kinder, die Opfer oder Täter von Mobbing sind, neigen dreimal so häufig dazu, sich das Leben zu nehmen.

Faktoren wie Familie spielten bei der Erwägung von Suizid keine Rolle. Kinder, die nie geärgert werden, haben vergleichsweise selten Suizidgedanken, so die Forscher. Je länger der Zeitraum sei, in dem die Kinder schikaniert wurden, desto öfter würden diese an Selbstmord denken.

Zigaretten, Alkohol und Marihuana

"Ärzte sollten sich bewusst sein, dass es eine Beziehung zwischen Mobbing und Suizid gibt", sagt Studienautor Dieter Wolke in Warwick. Suizidbezogenes Verhalten sei ein ernstes Problem für vorpubertäre Jugendliche. Eine Studie der Ohio State University http://ehe.osu.edu zeigt auch, dass sich Opfer und Täter in ihrem Verhalten ähneln. Die US-Forscher konnten belegen, dass sowohl geschädigte Jugendliche als auch die "Tyrannen" häufiger zu Zigaretten, Alkohol und Marihuana greifen als unbeteiligte Kinder.

Laut Kisha Radliff, Hauptautor der Studie und Assistant Professor für Psychologie an der Schule der Ohio State University gehören Schüler, die häufig lügen oder falsche Gerüchte über andere erzählen, auch zur Kategorie der "Täter", nicht nur diejenigen, die Gewalt anwenden oder anderen Angst einjagen. Die Ergebnisse der US-Studie zeigen auch, dass Mobbing bei den jüngeren und Drogenkonsum bei den älteren Schülern verbreitet ist. Dennoch variieren Mobbingbeteiligung und der Gebrauch von Drogen.

Mobbing als Extremsituation

Reinhold Jäger, Psychologe am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Uni Landau http://zepf.eu , würde in beiden Fällen keinen ursächlichen Zusammenhang erstellen. Dass Kinder, die gemobbt werden, öfter an Suizid denken, liegt für den Psychologen auf der Hand. "Das Kind ist in einer Extremsituation. Wenn einer Person die Freiheit beraubt und wenn sie immer mehr eingeengt wird, denkt dieser Mensch eher an Selbstmord", sagt Jäger gegenüber pressetext.

Dass die Täter mit derartigen Gedanken spielen würden, kann sich der aber Wissenschaftler kaum vorstellen. Kinder tyrannisieren andere häufig aus einer Situation heraus. Sie üben dann Macht aus, wenn sie Machtpositionen von zu Hause mitbekommen haben. Oft verselbständigt sich das Verhalten der vermeintlichen Täter. "Sie werden durchaus beklatscht, haben ein höheres Ansehen und werden von Kindern bestärkt, die ähnlich agieren", sagt Jäger.

Typische Oper-Täter-Strukturen

Als Opfer werden die schwächeren Kinder gewählt, die sich rhetorisch und körperlich nicht wehren können. "Das Opfer ist häufig ein Kind, das sehr ungeschickt ist. Ein Kind, das über seine eigenen Füße stolpert", erklärt Jäger. Die Opfer sind in der Regel physisch und psychisch schwächer als die Täter. Dass die Opfer häufiger zu Drogen greifen, könne daran liegen, dass sie ihre Rolle als Schikanierte vergessen möchten.

Den ursächlichen Zusammenhang sieht Jäger aber hier auch nicht. Dass die Unterdrücker häufiger Drogen nehmen, könne damit zusammenhängen, dass sie einem entsprechenden Freundeskreis angehören. Das sei aber bei Mobbingopfern auch nicht anders: Der Zugang zu Rauschmitteln muss gegeben sein.

Oranus Mahmoodi | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.warwick.ac.uk

Weitere Berichte zu: Extremsituation Gemobbte Marihuana Mobbing Psychologe Suizid Suizidgedanken

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics