Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

GEM-Länderbericht Deutschland: Die meisten Gründungen generieren keine Arbeitsplätze

30.05.2014

Unter den übrigen Gründern gibt es erfreulich hohe reale und erwartete Beschäftigungseffekte

Denkt die Politik an Unternehmensgründungen, erhofft sie in erster Linie neue Arbeitsplätze. Fast die Hälfte der Gründungen in Deutschland hat jedoch weder einen Arbeitsplatz geschaffen, noch ist dies in den nächsten fünf Jahren geplant.

Denkt die Politik an Unternehmensgründungen, erhofft sie in erster Linie neue Arbeitsplätze. Fast die Hälfte der Gründungen in Deutschland hat jedoch weder einen Arbeitsplatz geschaffen, noch ist dies in den nächsten fünf Jahren geplant.

Positiv allerdings, auch im internationalen Vergleich, sind diesbezüglich der Erwartungen der übrigen Gründer: 16 Prozent der Gründer meinen, dass sie fünf Jahre nach der Gründung mindestens zehn Beschäftigte haben und ihre Beschäftigtenzahl bis dahin um 50 Prozent erhöhen werden. Dies ist eines der vielen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Leibniz Universität Hannover und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Im 14. Länderbericht Deutschland zum Global Entrepreneurship Monitor (GEM) analysieren die Wissenschaftler die Gründungseinstellungen und das Gründungsverhalten in Deutschland im Vergleich mit insgesamt 69 anderen Ländern weltweit.

Sehr optimistisch stimmt die Forscher der erneute relative Anstieg der Opportunity-Gründer (das sind Personen, die mit der Selbstständigkeit ihr Einkommen erhöhen und eine erkannte Marktchance nutzen wollen) in Deutschland verglichen mit jenen Gründungen, die aus Mangel an Erwerbsalternativen erfolgen. Auf einen der letztgenannten Gründer kommen mehr als vier Opportunity-Gründer – der höchste Wert seit Beginn der GEM-Datenreihe im Jahre 1999.

Opportunity-Gründungen sind meist wachstumsstärker und haben eine längere Lebensdauer. Männliche Gründungspersonen sowie Personen mittleren Alters (25-34 Jahre) stehen hinsichtlich der realen und der erwarteten Beschäftigungseffekte am besten dar. Erfreulich ist auch, dass der Wissens- und Technologietransfer, eine wichtige gründungsbezogene Rahmenbedingung, sich nach Ansicht der befragten Experten erneut gegenüber dem Vorjahr verbessert hat. (Rang 2 weltweit).

In anderen Bereichen liegt Deutschland nur im Mittelfeld oder gar am Ende der vergleichbaren Industrieländer. Die Gründungsquote insgesamt ist seit Jahren nur in wenigen Ländern niedriger als hierzulande, dies gilt auch für 2013 (Rang 22 unter den 26 innovationsbasierten Ländern).

Das erhebliche Gründungspotential der Menschen mit Migrationshintergrund wird im Einwanderungsland Deutschland weniger gut genutzt als in vielen vergleichbaren Staaten. Zwar gründen auch in Deutschland Migranten häufiger als Nicht-Migranten, aber seltener als in den meisten anderen Staaten: Die Gründungsquote unter Migranten der ersten Generation lag in Deutschland 2013 bei knapp 7 Prozent, in Großbritannien dagegen bei 11 Prozent und in Portugal gar bei 17 Prozent.

Der Leiter der Forschergruppe, Prof. Rolf Sternberg, empfiehlt „die durchaus lobenswerten Anstrengungen der Politik und privater Initiativen zugunsten von Gründungen durch Migranten fortzusetzen und auszubauen.“ Auch sollte die Politik über Maßnahmen nachdenken, wie die strukturelle Benachteiligung von Gründungen auf dem Arbeitsmarkt verringert werden kann: Gründungen leiden stärker als etablierte Unternehmen unter hohen Lohn- und Lohnnebenkosten und dem zunehmenden Fachkräftemangel.

Der Arbeitsmarkt ist eine wichtige gründungsbezogene Rahmenbedingung, die aber, das zeigt die Studie deutlich, in Deutschland immer negativer bewertet wird, auch im Vergleich zu anderen Staaten. Hier besteht Handlungsbedarf.

Die Studie beruht auf den Daten des Global Entrepreneurship Monitor (GEM), einem Forschungskonsortium, das jährlich und weltweit vergleichbare Daten zu Unternehmensgründungen erhebt. Prof. Rolf Sternberg leitet das GEM-Team an der Leibniz Universität, Dr. Udo Brixy am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg.

Der Bericht im Internet: www.wigeo.uni-hannover.de/gem2013.html   

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Rolf Sternberg, Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover, unter Telefon 0511 762 4496 oder per E-Mail unter sternberg@wigeo.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Weitere Informationen:

http://www.wigeo.uni-hannover.de/gem2013.html

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Electrode materials from the microwave oven

19.10.2017 | Materials Sciences

New material for digital memories of the future

19.10.2017 | Materials Sciences

Physics boosts artificial intelligence methods

19.10.2017 | Physics and Astronomy