Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geld spielt eine Rolle: Auszubildende sind mit ihrer Vergütung oft unzufrieden – ein Viertel geht nebenbei jobben

16.06.2010
Bereits in der Ausbildung „eigenes Geld“ zu verdienen, stellt für junge Menschen einen Pluspunkt der dualen Berufsausbildung dar und beeinflusst oftmals ihre Bildungsentscheidung. Allerdings sind viele Auszubildende mit der Höhe ihrer Ausbildungsvergütung nicht zufrieden: zwei von drei Auszubildenden empfinden ihre Vergütung als zu niedrig. Häufig reicht den Jugendlichen die Ausbildungsvergütung nicht für ihre Grundversorgung und ihre individuellen Bedürfnisse aus. Daher geht rund jede/-r Vierte von ihnen neben der Ausbildung jobben.

Dies sind weitere Ergebnisse der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführten Studie „Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden“ – veröffentlicht in der neuesten Ausgabe des BIBB REPORT 14/10. Für die Studie hat das BIBB rund 6.000 Auszubildende aus dem zweiten Ausbildungsjahr in 15 stark besetzten Ausbildungsberufen befragt.

Die von den Betrieben in den verschiedenen Branchen gezahlten Ausbildungsvergütungen variieren sehr stark. Für 93 % der befragten Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr bewegen sich die Monatsbeträge zwischen 300 und 700 Euro netto – also nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und gegebenenfalls Lohnsteuerzahlungen. Für 5 % der Jugendlichen liegt der Netto-Verdienst unter 300 Euro, 2 % erhalten mehr als 700 Euro netto. Im Durchschnitt kommen die Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr auf eine monatliche Netto-Vergütung von 478 Euro.

Ein Drittel der Auszubildenden ist mit der Ausbildungsvergütung zufrieden und schätzt diese als „sehr gut“ (9 %) oder „gerade richtig“ (24 %) ein. Die Mehrheit (67 %) ist hingegen unzufrieden und beurteilt die Beträge als „zu niedrig“. Ob Auszubildende mit ihrer Vergütung zufrieden sind oder nicht, hängt erwartungsgemäß stark von deren Höhe ab: Erhalten Auszubildende monatlich über 700 Euro netto, so ist die Chance, dass sie hiermit zufrieden sind, 17-mal höher als wenn sie nur 300 Euro netto oder weniger bekommen.

Für die Zufriedenheit der Jugendlichen ist jedoch nicht allein die Vergütungshöhe ausschlaggebend. Viele weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung ist dabei laut BIBB-Analyse, wie hoch die Auszubildenden ihre Arbeitsleistung bewerten, die sie für den Betrieb erbringen. Die Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr fühlen sich in ihrem Betrieb oft bereits wie eine Fachkraft eingesetzt. Ihrer Einschätzung nach entfällt ein großer Teil ihrer betrieblichen Ausbildungszeit – durchschnittlich 43 % – auf Tätigkeiten, die sie schon genauso gut und schnell wie ihre fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen erledigen.

Über die Hälfte der Auszubildenden (59 %) berichtet laut BIBB-Studie von regelmäßigen Überstunden – und zwar in einem Umfang von durchschnittlich 4,8 Stunden pro Woche. Nicht immer werden diese Überstunden nach Aussagen der Jugendlichen durch Freizeit oder zusätzliche Bezahlung ausgeglichen – obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. 40 % der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten, geben an, dass ein Ausgleich nur teilweise oder überhaupt nicht erfolgt.

Je mehr sich die Auszubildenden als vollwertige Arbeitskraft empfinden, desto stärker erwarten sie eine entsprechend höhere Entlohnung. Dieser Anspruch wird jedoch von den im Vergleich zu Fachkraftlöhnen erheblich niedrigeren Ausbildungsvergütungen meist nicht erfüllt – demzufolge steigt die Unzufriedenheit. Umgekehrt rechnen es die Auszubildenden den Betrieben aber sehr positiv an, wenn diese ihnen eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten. Dann sind die Jugendlichen mit ihrer Vergütung eher zufrieden – selbst wenn diese relativ gering ausfällt.

Rund ein Viertel (27 %) der Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr geht regelmäßig einer bezahlten Nebentätigkeit nach. Etwa jede/-r Vierte von ihnen jobbt, weil ansonsten das Geld für die Grundversorgung (zum Beispiel Miete und Lebensmittel) nicht ausreichen würde. 38 % der Jugendlichen, die einer Nebentätigkeit nachgehen, benötigen den Zusatzverdienst nach eigenen Angaben sowohl für ihre Grundversorgung als auch zur Finanzierung zusätzlicher individueller Wünsche. 35 % finanzieren mit dem zusätzlichen Geld ausschließlich individuelle Wünsche.

Im Durchschnitt jobben die Jugendlichen zusätzlich zu ihrer Ausbildung 9,2 Stunden pro Woche. Dabei variiert der zeitliche Umfang für die Nebenjobs allerdings beträchtlich: Für rund 38 % hält er sich mit wöchentlich bis zu fünf Stunden noch in Grenzen. Doch bei 15 % der Jugendlichen ist der Nebenjob mit mehr als 15 Stunden pro Woche mit einem beträchtlichen Zeitaufwand verbunden.

Nebenjobs können für Auszubildende durchaus positive Effekte haben. Sie bieten den Jugendlichen zum Beispiel die Chance, ihre erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten auch in anderen beruflichen Umgebungen einzusetzen. Dies darf jedoch nicht zu einer Gefährdung des Ausbildungserfolgs oder gar zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit der Jugendlichen – aufgrund von fehlenden Erholungszeiten – führen.

Weitergehende Informationen enthält der neue BIBB REPORT, Heft 14/10 zum Thema „Geld spielt eine Rolle! Sind Auszubildende mit ihrer Vergütung zufrieden?“. Die Ausgabe kann im Internetangebot des BIBB kostenlos unter http://www.bibb.de/bibbreport heruntergeladen werden.

Auskünfte im BIBB erteilt:
Andreas Krewerth, Tel.: 0228 / 107-1110, E-Mail: krewerth@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de
http://www.bibb.de/bibbreport

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie