Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehirnprozesse halten Magersucht aufrecht

22.07.2009
Neurobiologische Faktoren wesentlich für langwierige Heilung

Magersüchtige halten an ihrem gestörten Essverhalten oft wider eigenem Willen fest, da Veränderungen im Gehirn einen Wechsel eingeübter Routinen erheblich erschweren.

Das berichten Neurowissenschaftler der Heidelberger Universitätsklinik für Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin in der Zeitschrift "American Journal of Psychiatry".

"Anorexie-Patientinnen sind oft wie gefangen in ihrer Erkrankung. Sie haben große Probleme, sich auf Neues einzulassen oder leiden häufig an hohem Perfektionismus. Eine Ursache dafür sind neuronale Vorgänge", erklärt Hans-Christoph Friederich, Leiter der Arbeitsgruppe Essstörung, gegenüber pressetext. Die Ergebnisse der Forschung sollen einerseits mehr Verständnis über die Ursachen der Krankheit ermöglichen, andererseits könnten sich daraus neue Therapiezugänge eröffnen.

Die Wissenschaftler untersuchten 30 junge Frauen, die teilweise von Anorexie betroffen waren. In einem Experiment ließ man sie ein Verhalten - die schnelle Zuordnung geometrischer Figuren - kurzfristig einüben, ehe in einem zweiten Durchlauf die Zuordnungsregeln geändert wurden. Magersuchtkranke hielten dabei häufiger als gesunde Vergleichspersonen am vertrauten Muster fest und unterdrückten alternatives Verhalten.

Die gleichzeitige Beobachtung per Magnetresonanztomographie (MRT) zeigte, dass bei Anorexie-Erkrankten ein bestimmter Netzwerkpfad zwischen Groß- und Zwischenhirn weniger aktiv ist. Dieser Pfad ist für Einleitung und Kontrolle von Handlungen wichtig, besonders wenn sich Umweltbedingungen rasch verändern.

Magersucht wird zunehmend als neuronale Entwicklungsstörung gesehen, erklärt Friederich. "Ein Hinweis dafür ist die Tatsache, dass die Krankheit meist in der Pubertät erstmals auftritt, was eine für die Hirnreifung besonders wichtige Phase darstellt. Die jetzige Forschung zeigt, dass auch eine Störung des fronto-striatalen Schleifensystems beteiligt ist, das für die Verhaltenssteuerung zuständig ist."

Über die Auslöser dieser Änderungen gibt es bisher bloß Hypothesen, mögliche Ursachen seien etwa die verringerte Ausschüttung von Sexualhormonen bei Untergewicht, genetische Veranlagungen oder auch Umweltfaktoren. Ein weiterer neurobiologischer Aspekt der Krankheit ist die gestörte Körperwahrnehmung, die eigene Krankheitssignale durch Änderungen im parietalen Kortex häufig übersehen lässt.

Da sich psychische und neurobiologische Faktoren wechselseitig beeinflussen können, können die Ergebnisse zu neuen Therapieansätzen für Anorexie führen. "Derzeit läuft eine Probetherapie, bei der Magersucht-Patientinnen gezielt das Auflösen von Ritualen, Abläufen und Strukturen trainieren. Schaffen die Betroffenen, das Verhalten in anderen Gebieten zu ändern, bedeutet das auch Hoffnung für die Auflösung lange trainierter Essensmuster", so Friederich.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie