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Gehirne unterernährter Babys altern schneller

14.09.2010
Betroffene schneiden bei selektiver Aufmerksamkeit schlechter ab

Menschen, die während der schweren Lebensmittelknappheit im Zweiten Weltkrieg noch im Mutterleib waren, schnitten 60 Jahre später bei Tests zur Überprüfung ihres Geisteszustandes schlechter ab als andere Menschen ihres Alters.

Wissenschaftler der Universität van Amsterdam und des Calvin College gehen davon aus, dass der Hungerwinter 1944/45 in den Niederlanden die Alterung des Gehirns beschleunigt haben könnte.

Hungerwinter im 2. Weltkrieg

An der Studie nahmen fast 300 Erwachsene teil, die zu diesem Zeitpunkt noch Föten waren. Als so genannter Hungerwinter werden jene sechs Monate bezeichnet, in denen die Lebensmittelversorgung im Norden von Holland von den deutschen Besatzungstruppen eingeschränkt wurde. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum April 1945 rund 20.000 Menschen an den Folgen der Unterernährung gestorben sind.

Viele Schwangere überlebten mit 400 bis 800 Kalorien am Tag. Diese relativ kurze Phase des Hungers bei Menschen, die zuvor ausreichend ernährt waren, ist laut BBC für Wissenschaftler eine fast einzigartige Möglichkeit, die Auswirkungen von Unterernährung bei den Kindern zu untersuchen, die in diesem Zeitraum gezeugt wurden.

Die Teilnehmer der aktuellen Studie, deren Mütter während des Hungerwinters alle im zweiten Drittel der Schwangerschaft waren, wurden gebeten Tests zu ihrem Geisteszustand zu machen. Diese Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler dann mit jenen von Gleichaltrigen.

Test in den 70ern zeigte keine Probleme

Diese Personengruppe hatte bereits in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an vergleichbaren Tests teilgenommen. Damals konnten keine Unterschiede bei der Leistung festgestellt werden. Bei der zweiten Untersuchung schnitten die Teilnehmer bei einem Test zur selektiven Aufmerksamkeit schlechter ab. Dieser Test ermittelt, wie gut das Gehirn mit konkurrierenden Ablenkungen umgehen kann.

Noch gesunde Babys

Bei der Geburt dieser Kinder deutete nichts auf ein mögliches Problem hin. Ihr Durchschnittsgewicht entsprach in etwa jenem von Kindern, deren Mütter keinen Hunger leiden mussten. Die Wissenschaftler bringen ein schlechteres Abschneiden bei derartigen Tests allgemein mit dem Alterungsprozess in Zusammenhang. Sie gehen davon aus, dass die Gehirne der Betroffenen aufgrund der mangelhaften Ernährung während der Schwangerschaft schneller altern.

Details der Studie wurden in dem Fachmagazin PNAS http://www.pnas.org veröffentlicht

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uva.nl
http://www.calvin.edu

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