Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehirn speichert auch Vergessenes

10.09.2009
Erinnerung wiederholt bereits früher durchlaufene Gehirnprozesse

Unser Gehirn behält viel mehr Informationen gespeichert als wir später aktiv abrufen können. Das konnten Neurobiologen der University of California in Irvine nun auch durch Gehirnmessungen zeigen.

Im Fachjournal Neuron beschreiben sie, dass die Hirnaktivitäten während des Erinnerns an ein Ereignis sehr ähnlich sind wie Prozesse beim ersten Erleben selbst, auch wenn Details nicht mehr abgerufen werden können.

Das Team rund um den Forschungsleiter Jeff Johnson untersuchte per funktioneller Magnetresonanz die Gehirntätigkeit von Studenten, denen man Kärtchen mit Wörtern von Gegenständen in die Hand gab. Mit dem Lesen jedes Wortes waren drei Aufgaben verknüpft: Man sollte sich vorstellen, in welcher Weise ein Künstler das bezeichnete Objekt darstellen und auf welche Weise man es selbst verwenden könne. Darüber hinaus bat man die Versuchspersonen, das Wort in Gedanken rückwärts auszusprechen. Bei jeder Übung hielt man die Aktivitäten fest, die sich dabei im Gehirn abspielten. Nach 20 Minuten Pause wurden die Wörter nochmals gelesen und es galt dabei möglichst detailreich in Erinnerung zu rufen, wie man diese Aufgaben gelöst hatte, wobei der Gehirnscanner wieder mitlief.

Viele Details der Erinnerung waren im zweiten Durchgang verloren gegangen, allerdings nur im abrufbaren Gedächtnis der Teilnehmer. Denn durch mathematische Analysen gelang es den Forschern zu zeigen, dass die Aktivitätsmuster der drei Aufgaben in der Wiederholung denen vom ersten Erleben immer ähnelten. War die Rückerinnerung eines Wortes bei einer bestimmten Aufgabe noch stark vorhanden, zeigte sich die Übereinstimmung besonders hoch, war sie schwach oder kaum mehr vorhanden, so erkannte man das Muster weniger deutlich. Nach Aufgaben unterscheidbar waren die Scans jedoch in allen Fällen. "Die Musteranalyse erlaubte die genaue Zuordnung von Aufgaben zu Mustern, selbst wenn Details der Erinnerung schon verschwunden waren", berichtet Johnson.

Die Wissenschaftler werten dies als Beweis dafür, dass das Gehirn trotz Vergessens Teile von früheren Geschehnissen abgespeichert behält. "Falls die Details noch dort sind, können wir auch einen Weg finden, um sie wiederzuerlangen", hofft der US-Forscher. Das Verstehen der Vergessensprozesse bei jungen, gesunden Erwachsenen liefere Ergebnisse, die auch für Situationen nachlassender Gehirntätigkeiten relevant seien, wie sie etwa im Alter auftreten. "Wichtig könnte diese Erkenntnis auch für das Schicksal der lebhaften Erinnerungen bei traumatischen Ereignissen sein, die wir am liebsten vergessen wollen", so Johnson.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uci.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie