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Gedächtnisbildung im Schlaf

08.03.2011
Freiburger Forscherteam stellt neue Erkenntnisse über die Veränderungen der Gedächtnisbildung bei Menschen mit Schlafstörungen vor

Zahlreiche Arbeiten der letzten Jahre legen nahe, dass ein gesunder Schlaf Lernen und Gedächtnisbildung begünstigt. Freiburger Forscher und Forscherinnen legen nun aktuelle Daten vor, die zeigen, dass dieser Prozess der schlafgebundenen Gedächtniskonsolidierung bei PatientInnen mit primärer Insomnie gestört ist.

Die primäre Insomnie ist eine häufige Schlafstörung, die etwa fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung betrifft. Die Betroffenen haben eine chronische Schlafstörung mit erheblichen Auswirkungen auf ihre Befindlichkeit am Tag, ohne dass dies durch eine anderweitige körperliche oder psychische Erkrankung oder Substanzgebrauch, wie Medikamente, Alkohol oder Drogen, zu erklären ist.

In der vorliegenden Untersuchung lernten PatientInnen mit Insomnie und Vergleichsgruppen von ProbandInnen mit gesundem Schlaf abends und morgens eine neue motorische Aufgabe in Form von Spiegelzeichnen (prozedurales Lernen) sowie neue Textinformationen (deklaratives Lernen). Eine Gruppe von gesunden ProbandInnen lernte abends und schlief nach der Lernphase ungestört im Schlaflabor. Nach zwölf Stunden zeigten sie am Morgen eine deutlich bessere Verfestigung der neuen Gedächtnisspuren als eine Gruppe von gesunden ProbandInnen, die morgens gelernt hatte und deren Gedächtnis zwölf Stunden später am Abend getestet wurde. Dieser Befund stützt die Ausgangshypothese, dass gesunder Schlaf Gedächtnisbildung begünstigt.

PatientInnen mit Insomnie lernten am Tag genauso gut wie die gesunden Probanden. Dies weist darauf hin, dass diese Patientengruppe nicht von einer generellen Gedächtnisstörung betroffen ist. Hingegen konnten die PatientInnen, die abends lernten und anschließend wie erwartet ein gestörtes Schlafprofil im Schlaflabor zeigten, nicht wie die gesunden ProbandInnen von einer Schlafphase nach dem Lernen profitieren. Dies weist zusammenfassend darauf hin, dass gesunder Schlaf Gedächtnisbildung begünstigt und dass diese schlafassoziierte Gedächtnisbildung bei PatientInnen mit Insomnie gestört ist.

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um den Einfluss verschiedener Therapieverfahren, wie Pharmakotherapie, Entspannungsverfahren oder Psychotherapie, auf den Schlaf und seine verschiedenen Funktionen zu untersuchen.

Die Studien sind veröffentlicht in: Nissen C., Kloepfer C., Feige B, Piosczyk H., Spiegelhalder K., Voderholzer U., Riemann D. (2011): Sleep-related memory consolidation in primary insomnia. Journal of Sleep Research 20: 129-136.

Kontakt:
Dr. Christoph Nissen
Oberarzt
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: 0761 270-65010
Fax: 0761 270-66190
E-Mail: christoph.nissen@uniklinik-freiburg.de

Christine Parsdorfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de

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