Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebremste Secondos

08.06.2010
Die Berufsfindung ausländischer Jugendlicher soziologisch untersucht

Dank staatlichen Hilfsmassnahmen finden junge ausländische Erwachsene vermehrt Lehrstellen und Arbeitsplätze, freilich oft unten in der sozialen Hierarchie. Dazu kommen Stigmatisierungen im Alltag. Auch aufstiegswillige Secondos ziehen sich in der Folge enttäuscht in ihre private Lebenswelt zurück und wenden sich von der Schweiz ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Längsschnittstudie, die in Emmen durchgeführt wurde.

Der Übertritt von der obligatorischen Schulzeit ins Berufsleben ist für Jugendliche ein schwieriger Moment in der heiklen Adoleszenzphase. Viele finden keine Lehrstelle oder keinen Zugang zu einer weiterführenden Schule. Der Staat hat das Problem erkannt und Gegenmassnahmen ergriffen, etwa indem er den Betroffenen ein so genanntes Brückenangebot offeriert, das die Schule mit einem Berufspraktikum kombiniert.

Das Instrument wirkt auch bei ausländischen Jugendlichen, einer besonders von Arbeitslosigkeit bedrohten Gruppe. Doch mit der beruflichen Eingliederung ist es nicht getan. Unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds und vom Bundesamt für Migration, haben die Soziologinnen Eva Mey und Miriam Rorato (Hochschule Luzern) insgesamt 45 Jugendliche mit Migrationshintergrund vertieft zum Übertritt ins Erwachsenenalter befragt. Die zwischen 16 und 19 Jahre alten, in Emmen lebenden Secondos sind überwiegend in der Schweiz geboren und aufgewachsen, besitzen jedoch die Staatsbürgerschaft ihrer grösstenteils aus dem Balkan und Südeuropa eingewanderten Eltern. Die Ergebnisse der qualitativen Längsschnittstudie sind für Agglomerationsgemeinden mit einem hohen Ausländeranteil gültig.

Ernüchtert trotz beruflicher Eingliederung
Die Soziologinnen kommen zum Schluss, dass bei vielen Befragten die berufliche Eingliederung von Ernüchterung und Enttäuschung überschattet wird, obschon sie bereit sind, sich in die schweizerische Gesellschaft einzubringen. Noch im abschliessenden Schuljahr formulierten sie zuversichtlich ihre Berufswünsche. Drei Jahre später räumen sie ein, dass sie sich etwas anderes erhofft hätten. Selbst wenn sie grossen Einsatz zeigten und schulisch gute Leistungen erbrachten, mussten sie ihre Hoffnungen aufgeben. Sie wollten Verkäuferin oder Mechaniker werden und arbeiten jetzt als Pflegerin oder auf dem Bau. Das Brückenangebot funktioniert hier als Trichter: Es plaziert die Secondos auf dem Arbeitsmarkt dort, wo die wenig attraktiven Stellen frei geblieben sind.

Die Forscherinnen fanden bei den Jugendlichen unterschiedliche Anpassungsmuster: Während die einen sich in ihre Aussenseiterposition einfügen, zeigen andere einen grossen Willen, den sozialen Aufstieg zu schaffen und gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten. Wenn dies nicht gelingt, ist die Enttäuschung um so grösser. Sie scheint frühere Demütigungen im Alltag zu bestätigen, etwa die aufreibende Lehrstellensuche, das lange Warten auf die Einbürgerung oder den verwehrten Zutritt zu gewissen Clubs und Diskotheken.

Politische Mitsprache auf Gemeindeebene
Statt dass die Secondos mit dem Eintritt ins Berufsleben mit Jugendlichen anderer Nationalitäten in Kontakt kämen, engagieren sie sich vermehrt im Kreis ihrer Familie, Verwandtschaft und ihren Communities. Sie wenden sich von der Schweiz ab, definieren sich ausschliesslich als Ausländer und möchten sich nicht mehr einbürgern lassen. Eva Mey sieht in dieser Entwicklung eine verpasste Chance, die Secondos für die Schweiz zu gewinnen. Wer in der ohnehin labilen Adoleszenzphase das Gefühl vermittelt bekomme, nicht gebraucht zu werden, verliere das Interesse an gesellschaftlicher Teilhabe. Diesen Knick im Integrationsprozess gelte es zu verhindern.

Eva Mey empfiehlt der Politik, vermehrt um die Secondos zu werben, etwa mit politischen Mitspracherechten auf Gemeindeebene. Damit die berufliche Eingliederung nicht in Aussenseiterpositionen führe, müsse schon beim Übertritt in die Sekundarstufe I die Chancengleichheit verbessert werden. Die Zuteilung auf verschiedene schulische Niveaus sollte deshalb konsequenter als bisher nach dem Prinzip «Leistung statt Herkunft» erfolgen.

Kontakt
Dr. Eva Mey
Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Wertfestrasse 1
CH-6002 Luzern
Tel. ++41 44 768 29 42
E-Mail: eva.mey@hslu.ch
Die Studie «Jugendliche mit Migrationshintergrund im Übergang ins Erwachsenenalter – eine biographische Längsschnittstudie» sowie der Text dieser Medienmitteilung stehen auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung:

www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen

Presse- und Informationsdienst SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics