Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebärmutterhalskrebs: Unwissen fordert 280.000 Tote jährlich

14.11.2008
Frauen-Netzwerke und Forscher fordern bessere Aufklärung

Einer aktuellen Studie zufolge führen fehlende Information und Aufklärung über Vorbeugung, Behandlung und Konsequenzen von Gebärmutterhalskrebs dazu, dass sich viele Frauen unnötigerweise ängstigen und sorgen.

Dank moderner medizinischer Methoden wie etwa dem regelmäßigen Krebstest und einer dreiteiligen Impfung könnte die Zahl der jährlich 280.000 Todesfälle durch diesen Krebs deutlich reduziert werden. Die Studie wurde von Wissenschaftlern bei der Eurogin, die derzeit in Nizza stattfindet, präsentiert.

Die neuen Studienergebnisse wurden unter europäischen Frauen erhoben, die bereits eine abnormale Zelldiagnose nach einem Screening-Test zeigten. Die Ergebnisse begleiten den Launch des Women Against Cervical Cancer WACC Netzwerks, das aus Freiwilligengruppen, Institutionen und NGOs besteht. Durch erzieherische Maßnahmen seitens Mediziner und Experten soll vor allem eines erreicht werden: eine bessere Aufklärung. Das mache auch das Studienergebnis deutlich, bei dem 82 Prozent der befragten Frauen meinten, dass sie sich mehr Informationen über Gebärmutterhalskrebs, humane Papillomaviren (HPV) und Prävention wünschen.

"Trotz der nun möglichen Impfung gegen humane Papillomaviren und damit gegen den Ausbruch der Krebserkrankung, wird der Ruf nach besserer Information deutlich", meint Joseph Monsonego, Präsident von Eurogin und WACC. Der Mediziner verweist darauf, dass die Zahl der jährlich 500.000 Erkrankungsfälle dies zeige. Der jährliche Krebsabstrich sowie die HPV-Impfung sind in der Lage dieses Risiko deutlich zu verringern. Gebärmutterhalskrebs weist die höchste Mortalitätsrate von Frauen weltweit auf. Rund 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle werden durch HPV der Typen 16 und 18 verursacht. Übertragen werden diese Viren in erster Linie durch sexuellen Kontakt. Eine Übertragung über den einfachen Hautkontakt ist allerdings ebenfalls möglich, daher schützen Kondome nicht ausreichend vor einer Infektion. Bei den risikoreichen Typen kommt es im Genitalbereich von Frauen im Lauf der Zeit zu Zellveränderungen und in der Folge zu Krebsvorstufen, die über den PAP-Test frühzeitig entdeckt werden.

Untersuchungen in Europa haben gezeigt, dass das Wissen über die Ansteckung und Entstehung zu vielen Frauen nicht bekannt sind. Darüber klagt etwa Javier Cortes-Bordoy vom spanischen Gesundheitsministerium. In Spanien habe jede zweite Frau keine Ahnung von HPV. Dazu kommen noch ungenaue bzw. gegensätzliche Informationen über HPV. Cristina Brusati von der italienischen Organisation L'Osservatorio Nazionale sulla Donna berichtet, dass die Gratis-Impfung für alle Mädchen im Alter von elf Jahren in Italien bereits auf dem besten Weg zur Durchführung sei. "Die Hälfte aller italienischen Regionen hat bereits mit der Impfaktion begonnen, die zweite Hälfte wird noch vor dem Jahresende 2008 damit anfangen", so die Aktivistin.

Adel Mahmoud, Wissenschaftler am Department of Molecular Biology in Princeton, verweist in seinem Vortrag mit Nachdruck auf die Erkenntnisse des diesjährigen Medizin-Nobelpreisträgers Harald zu Hausen. Hausen hatte bereits 1976 die Hypothese publiziert, dass HPV eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielten.

Die Erkenntnisse, die schließlich wissenschaftlich bewiesen wurden, führten letztlich zur Entwicklung des HPV-Impfstoffes Gardasil, der 2006 auf den Markt kam. "Noch schlimmer ist die Situation allerdings in den Regionen außerhalb Europas etwa in Afrika oder in Südasien", betont Mahmoud. Aufklärung sei oberstes Gebot. "Systematische und globale Bemühungen für geeignete Tests zur Erkennung von HPV-Infektionen sowie Strategien zur Durchführung von Impfungen für jene, die den Schutz brauchen, sind dringend angesagt", so der Forscher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.eurogin.com/2008

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie