Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ganztagsschule fördert Sozialverhalten und Familienklima

11.11.2010
Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005 bis 2010 vorgestellt

Die Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) 2005 bis 2010 wurden heute vom verantwortlichen Wissenschaftskonsortium der Öffentlichkeit präsentiert.

„StEG zeigt, dass Ganztagsschulen sich positiv auf das Sozialverhalten und das Familienklima auswirken. Auch die Schulnoten verbessern sich bei entsprechender pädagogischer Qualität“, fasst Professor Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) zusammen.

Negative Auswirkungen seien nicht gefunden worden, während sich die positiven Effekte vor allem bei regelmäßiger und dauerhafter Teilnahme und hoher Angebotsqualität eingestellt hätten. „Die Untersuchung liefert Belege für die Wirksamkeit der ganztägigen Bildung und Betreuung, aber sie gibt auch Hinweise darauf, was in der Schulentwicklungsarbeit und in der Bildungspolitik verbessert werden kann“, sagt Klieme als Sprecher des Konsortiums.

StEG wurde von vier Forschungseinrichtungen erstellt: Neben dem DIPF gehören dem Konsortium das Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund (IFS), das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU Gießen) an. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Europäische Sozialfonds (ESF) haben das Projekt gefördert.

„Die Studie stellt eine neue Qualität in der Bildungsforschung dar. Hier stehen nicht Leistungsvergleiche und Rankings, sondern individuelle Entwicklungsverläufe und institutionelle Veränderungen über vier Jahre im Vordergrund“, stellt Professor Ludwig Stecher, Konsortiumsmitglied von der JLU Gießen, heraus. In drei Erhebungswellen, die 2005, 2007 und 2009 stattfanden, wurden insgesamt mehr als 300 Ganztagsschulen in 14 Bundesländern untersucht. Die Forscherinnen und Forscher befragten dabei Schulleitungen, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Personal, aber auch Eltern und Kooperationspartner der Schulen, um die Wirkungen auf die Kinder und Jugendlichen selbst sowie das familiäre und das regionale Umfeld nachzuzeichnen.

StEG zeigt, dass die Ganztagsschulen die Vielfalt ihres Bildungsangebots ausgebaut haben. Eltern sind vor allem mit der Ausstattung und der Organisation der Angebote zufrieden. „Ganztagsangebote erfahren inzwischen eine breite Akzeptanz. Die Teilnahme an Fach- und Förderangeboten ist allerdings deutlich niedriger als im Freizeitbereich. Die Lernangebote und Fördermaßnahmen sollten weiter ausgebaut werden“, meint Professor Heinz Günter Holtappels vom IFS, der im Rahmen von StEG die Schulentwicklung untersucht.

An der Grundschule bleiben Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial benachteiligten Familien noch etwas seltener bis in den Nachmittag. Im Sekundarbereich zeigt sich dann eine ausgewogene Beteiligung aller sozialen Schichten. Schulen können die Teilnahmequote erhöhen, indem sie flexibel auf die Nachfrage nach Ganztagsplätzen reagieren.

Ein weiteres wesentliches StEG-Ergebnis: Ganztagsschulen erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Das Familienklima profitiert davon, wenn Kinder regelmäßig die Ganztagsschule besuchen, weil sich Eltern dadurch unterstützt und entlastet fühlen“, unterstreicht Professor Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts, das bei StEG das Zusammenwirken von Schule, Kooperationspartnern und Elternhaus untersucht hat. „Das gilt in besonderem Maße für Eltern in sozial benachteiligten Familien, in Familien mit Migrationshintergrund und für Eltern ohne akademischen Abschluss“, so Rauschenbach weiter.

Die positiven Wirkungen von Ganztagsschule auf das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler belegt die Studie als durchgängig und nachhaltig. Problematisches Verhalten wird gemindert. Die Schülerinnen und Schüler stören seltener den Unterricht und zeigen weniger Gewaltbereitschaft. Werden ihnen in den Angeboten Mitentscheidungs- und Handlungsspielräume eingeräumt, so übernehmen sie auch eher soziale Verantwortung. Dauerhafte Teilnahme bzw. die verpflichtende Form des Ganztags reduziert zudem in der Sekundarstufe das Risiko der Klassenwiederholung.

Eine positive Wirkung auf Schulnoten zeigt sich allerdings nur dann, wenn die pädagogische Qualität der Angebote hoch ist, ein unterstützendes Lernklima herrscht und die Aktivitäten die Schülerinnen und Schüler motivieren und herausfordern. Das Konsortium wertet dies als Hinweis darauf, dass es beim weiteren Ausbau der Ganztagsschulen auf die pädagogische Qualität ankommt, wenn man Bildungsprozesse in der Breite verbessern will.

StEG-Konsortium:
Prof. Dr. Eckhard Klieme (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF)
Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels (Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund, IFS),
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach (Deutsches Jugendinstitut e.V., DJI) und
Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen, JLU Gießen).
Weitere Informationen
Dr. Natalie Fischer, Projektkoordinatorin StEG
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
Schloßstr. 29, 60486 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0) 69 / 247 08-113, e-mail: steg@dipf.de
Pressekontakt
DIPF: Stefanie Lotz, Tel. +49 (0) 69 / 247 08-133, e-mail: lotz@dipf.de

Philip Stirm | idw
Weitere Informationen:
http://www.projekt-steg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE