Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gamer sind Fremden gegenüber aggressiver

05.10.2009
US-Forscher testeten Testosteronspiegel von erfolgreichen Spielern

Gamer sind fremden Mitspielern gegenüber aggressiver eingestellt als Mitspielern aus ihrem Freundeskreis. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die unter der Leitung von David Geary an der University of Missouri durchgeführt und kürzlich veröffentlicht wurde.

Im Konkreten wurde festgestellt, dass männliche Spieler im Falle eines Siegs über Fremde einen höheren Testosteronspiegel aufweisen als bei einem Sieg über Freunde. Das Sexualhormon Testosteron ist im menschlichen Körper unter anderem für die Körperbehaarung, für den Muskelaufbau sowie für gesteigerten Sexualtrieb verantwortlich - und eben auch für Aggressionen. Der Körper schüttet das Hormon vornehmlich nach anstrengenden Betätigungen aus.

Die Studie des Forscherteams aus Missouri wurde im netzwerkbasierten Mehrspielermodus Onslaught des Shoot-em-Up-Spiels "Unreal Tournament 2004" durchgeführt - einem Videospiel, in dem man sich seinen Weg durch eine postapokalyptische Welt mit Maschinengewehren, Raketenwerfern und anderen schweren Geschützen freischießen muss. Die 42 Teilnehmer der Untersuchung, die sich alle vorher nicht kannten, wurden dabei in 14 Dreiergruppen eingeteilt und mussten sich in einer "Kampf um die Flagge"-Mission mit den anderen Teams duellieren.

In einem weiteren Untersuchungsmodus, dem "Death Match", wurde den Teilnehmern die schlichte Devise "Jeder gegen jeden" ausgegeben. Um bereits im Vorfeld eine Beziehung zwischen den einzelnen Teammitgliedern aufzubauen, mussten die Teams im Zeitraum von einer Woche sechs Stunden trainieren. Als zusätzlichen Anreiz haben die Forscher den Gewinnerteams im Modus "Kampf um die Flagge" 45 Dollar, den Verlierern hingegen nur 15 Dollar an Preisgeld ausgezahlt. Auch der Gewinner eines Death-Match-Wettkampfs durfte sich über 45 Dollar freuen, seine zwei Teamkollegen wurden nur mit 15 Dollar abgespeist.

Wie die Wissenschafter herausfanden, sind die Testosteronspiegel der Mitglieder eines Gewinnerteams unmittelbar nach dem Wettkampf in die Höhe geschnellt - speziell bei jenen Spielern, die maßgeblichen Anteil am Sieg hatten. Wenn sich ein Team im Death Match allerdings untereinander bekriegen musste, haben die jeweiligen Gewinner sogar weniger Testosteron als ihre unterlegenen Teamkollegen produziert. "In einem ernsthaften Duell mit einer fremden Gruppe kann man alle Rivalen einfach umbringen und sich dadurch einen Vorteil verschaffen", sagt Geary. Im Gegensatz dazu mache das "Niedermetzeln" von Freunden oder Verwandten wenig Sinn, "da man sich sie nicht einfach zum Feind machen kann, weil man sie ja schließlich braucht", so der Evolutionspsychologe. Wenn es gegen eine Gruppe von Fremden geht, gibt es für Gamer anscheinend wenig Gründe, sich zurückzuhalten.

Aus den Ergebnissen der Studie ließe sich schließen, dass Mehrspieler-Games ähnlichen Mechanismen wie die Kriegsführung unterliegen, bei der ein hoher Testosteronspiegel gepaart mit gesteigertem Aggressionslevel für die Beteiligten ebenfalls als vorteilhaft erachtet wird. Thomas Inmann, Sprecher des eSport Verband Österreich (esvö), lehnt derlei Vergleiche jedoch kategorisch ab. Bei Wettkämpfen im Mehrspielermodus eines Computerspiels gehe es viel mehr um das sportlichen Wettstreit, Aggressionen hätten dabei keinen Platz. Allerdings komme es natürlich vor, dass es bei Duellen zwischen zwei starken "Clans" vorm Bildschirm und auf den Zuschauerrängen mitunter brisanter zugeht, so Inmann. "Beim Spielen durchläuft eine Gamer alle möglichen Gefühle, das reicht von grenzenloser Freiheit bis hin zu Ärger. Feindseligkeiten oder Handgreiflichkeiten sind mir auf Turnieren aber überhaupt noch nie untergekommen", widerspricht Inmann den möglichen Befürchtungen, wonach Videogames aggressiv machen würden, vehement.

Jörg Tschürtz | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.missouri.edu
http://www.esvoe.at

Weitere Berichte zu: Aggressionen Gamer Gewinner Mehrspielermodus Testosteron Testosteronspiegel death

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften