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Für Wankelmütigkeit sind auch die Hirnströme verantwortlich

20.08.2015

Sich zu entscheiden ist nicht immer einfach. Nun zeigen Neuroökonomen der Universität Zürich in einer neuen Studie, dass die Intensität der Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen ausmacht, ob wir wankelmütig oder entschlussfreudig sind.

Wer kennt die Situation nicht: Im Restaurant kann man sich einfach nicht für ein Gericht entscheiden. Nach langem Studieren der Speisekarte und vielen Diskussionen fällt die Wahl schliesslich auf das Steak. Doch auch während dem Essen findet man keine Ruhe und fragt sich ständig, ob nicht vielleicht doch das Zürcher Geschnetzelte die bessere Wahl gewesen wäre.


Ist der Informationsfluss zwischen zwei Hirnarealen gestört, werden wir wankelmütiger.

UZH

Solche Entscheidungsschwierigkeiten kommen in verschiedensten Lebensbereichen vor, nicht nur beim Essen. Allerdings betreffen sie überwiegend präferenzbasierte Entscheidungen, also Fragen wie «Was mag ich lieber - Melone oder Kirschen?». Rein sensorische Entscheidungen aufgrund von Sinnesinformationen, beispielsweise «Was ist grösser - Melone oder Kirsche?», sind weniger von Wankelmütigkeit betroffen.

Je intensiver der Informationsfluss, desto entscheidungsfreudiger

Wie kommt es dazu, dass manche Menschen sehr unsicher über ihre Vorlieben sind und sich laufend neu entscheiden? Andere hingegen wissen exakt, was sie mögen und wollen. Diese Frage beschäftigte ein Team um Professor Christian Ruff, Neuroökonom an der Universität Zürich.

Die Zürcher Forscher fanden nun heraus, dass die Präzision und Stabilität von Präferenzentscheidungen nicht nur von der Stärke der Aktivierung eines oder mehrerer Hirnareale abhängt. Entscheidend ist die Intensität der Kommunikation zwischen den Hirnbereichen, die unsere Präferenzen abbilden sowie an der Orientierung im Raum und der Handlungsplanung mitbeteiligt sind.

Die Forscher nutzten die transkraniale Wechselstromstimulation, eine nicht-invasive Hirnstimulationsmethode, mit der sich koordinierte Schwingungen in der Aktivität bestimmter Hirnareale erzeugen lassen. Die Probanden bemerken dabei nicht, dass sie stimuliert werden.

Mit dieser Technik verstärkten oder reduzierten die Forscher den Informationsfluss zwischen dem direkt unter der Stirn gelegenen präfrontalen Kortex und dem etwas über den beiden Ohren gelegenen parietalen Kortex. Die Probanden hatten präferenzbasierte oder rein sensorische Entscheidungen über Nahrungsmittel zu fällen.

«Wir konnten feststellen, dass die präferenzbasierten Entscheidungen weniger stabil waren, wenn der Informationsfluss zwischen den beiden Hirnarealen gestört wurde. Unsere Probanden wurden also wankelmütiger. Für die rein sensorischen Entscheidungen fand sich jedoch kein solcher Effekt», erklärt Christian Ruff. «Die Kommunikation zwischen den beiden Hirnteilen ist folglich nur relevant, wenn wir entscheiden müssen, ob wir etwas mögen, nicht wenn wir uns anhand objektiver Fakten entscheiden.» Geschlechtsspezifische Effekte wurden bei den Experimenten keine festgestellt.

Nicht möglich war es, durch Verstärkung des Informationsflusses die Entscheidungen stabiler zu machen. Allerdings handelte es sich bei den Studienteilnehmern um junge und gesunde Probanden mit recht ausgeprägter Entscheidungsfindung. Hingegen könnten die Erkenntnisse der Studie künftig für therapeutische Massnahmen genutzt werden – etwa bei Patienten, die als Folge von Hirnerkrankungen an hoher Impulsivität und wankelmütigen Entscheidungen leiden.

Literatur:

Rafael Polanıa, Marius Moisa, Alexander Opitz, Marcus Grueschow & Christian C. Ruff. The precision of value-based choices depends causally on fronto-parietal phase coupling. Nature communications, August 20, 2015. doi: 10.1038/ncomms9090

Evelyne Brönnimann | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

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