Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für die Kleinsten der Kleinen - Studie zu Lebensqualität und Entwicklung von Kindern in Sachsen

07.04.2014

Dresdner Hochschulmedizin startet Untersuchung zu Langzeitfolgen von Frühgeburt und Effekten spezifischer Betreuungsangebote

Das Projekt untersucht für Deutschland erstmalig umfassend die langfristigen Konsequenzen von Frühgeburt und evaluiert die Wirksamkeit vorhandener psychologisch-sozialmedizinischer Versorgungsprogramme.

Die mit rund 700.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie wird gemeinsam durch das „Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung“ (ZEGV) und dem Fachbereich Neonatologie der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden in enger Zusammenarbeit mit der AOK PLUS durchgeführt. Die Studie basiert auf der Auswertung von 140.000 anonymisierten Datensätzen der AOK PLUS, ergänzt durch die zusätzliche Befragung einer ausgewählten Untergruppe.

„Die Studie nutzt hierbei ein innovatives Design“, so Prof. Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, „indem sowohl anonymisierte Krankenkassendaten als auch Befragungsdaten von termingeborenen und frühgeborenen Kindern aus Sachsen in die Studie einfließen.“

Auf der Basis der anonymisierten Versorgungsdaten von rund 140.000 Kindern, die in den Jahren 2007 bis 2013 geboren wurden, werden zunächst die Auswirkungen einer Frühgeburt im Vergleich zu einer Termingeburt auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen untersucht. In einem zweiten Schritt werden zusätzlich bei einem Teil der Kinder sowie deren Eltern mittels Fragebogen die Lebensqualität der Kinder und ihrer Eltern, die Eltern-Kind-Bindung und die psychische und körperliche Entwicklung erhoben.

Das Erreichen einer hohen Lebensqualität von Kindern und Familien stellt ein wichtiges gesellschaftliches Ziel dar. „Von daher gibt es bereits seit einigen Jahren einen durch den Fachbereich Neonatologie initiierten perspektivbezogenen Austausch mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und den regionalen Krankenkassen, allen voran die AOK PLUS“, so Professor Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereichs Neonatologie. „Auch deshalb unterstützte das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz unseren Förderantrag beim BMBF ausdrücklich“, unterstreicht Jochen Schmitt.

Durch eine gut begleitete Schwangerschaft und optimale Entbindungsmöglichkeiten, aber auch durch die hochqualifizierte Versorgung bei gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind werden die Weichen für die künftige Lebensqualität gestellt. Technische Fortschritte und die optimierte medizinische Versorgung in den vergangenen Jahrzehnten ermöglichen das Überleben auch von extrem unreifen Frühgeborenen und mindern das Risiko für schwere Organschäden.

Zunehmend gerät die frühzeitige Eltern-Kind-Bindung in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese Bindung stellt einerseits eine wesentliche Bedingung für das Aufwachsen des Kindes und seine weitere gesundheitliche Entwicklung dar. Andererseits ist sie sehr störanfällig, z. B. durch die zu frühe Geburt des Kindes oder seine darauf häufig erforderliche intensivmedizinische Behandlung und der damit verbundenen Trennung von seinen Eltern.

Mario Rüdiger erklärt: „Störungen des Bindungsprozesses lassen negative Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der Kinder und die Lebensqualität der Familien vermuten. Auch wissen wir in diesen Fällen von einer erhöhten Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungsleistungen.“ Frühe psychologisch-sozialmedizinische Interventionen, wie sie mit dem Dresdner FamilieNetz des Universitätsklinikums bundesweit einmalig angeboten werden, sind wichtig, elterliche Kompetenzen zu stärken und die Eltern-Kind Bindung zu unterstützen. Sie könnten die negativen Folgen von Frühgeburt für Kind und Eltern mindern sowie die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen effektiver gestalten und dabei langfristig sogar Kosten reduzieren.

Hauptziele des Forschungsvorhabens sind die Erfassung der gesundheitlichen und psychosozialen Folgen von Frühgeburt für betroffene Kinder und deren Familien. Weiterhin werden die Folgen für das Gesundheitssystem durch das Erfassen der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und der damit verbundenen Kosten untersucht. Besonderes Augenmerk wird auf die Langzeiteffekte einer frühen psychologisch-sozialmedizinischen Versorgung von Frühgeborenen und deren Familien gelegt; kindliche Entwicklung, Lebensqualität, Eltern-Kind-Beziehung und Nutzung von Gesundheitsleistungen stehen dabei im Vordergrund.

Das Forschungsprojekt startet jetzt im April 2014. Erste Ergebnisse werden 2015 erwartet.

Konrad Kästner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie