Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Führt Arterienverkalkung zu Depressionen – und umgekehrt?

28.10.2010
Untersuchung und Befragung von über 2.000 Patienten: Groß angelegte Studie an der Universität Münster soll möglichen Zusammenhang zwischen den beiden Volkskrankheiten Arterienverkalkung und Depressionen klären

Verkalkte Leitungen sind ein verbreitetes Problem. In der Wohnung hilft der Klempner, im Körper ist es komplizierter: Ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und – im akuten Fall – Medikamente senken das Risiko, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Zu den Risikofaktoren gehören möglicherweise auch Depressionen, zumindest gibt es in der Medizin Hinweise auf einen Zusammenhang. Patienten, die an einer Depression leiden, haben oft Arteriosklerose – und umgekehrt. Wie beides zusammenhängt, ist bisher aber nicht bekannt. Mit „BiDirect“ wollen Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) diese Frage nun klären.

So heißt die Studie, mit der ein möglicher Zusammenhang in beiden Richtungen erforscht werden soll. Mehr als 2.000 Männer und Frauen zwischen 35 und 65 Jahren werden dafür in den nächsten fünf Jahren befragt und untersucht.

Teilnehmen können gesunde Menschen, Personen mit Depressionen und Patienten mit einem Herzinfarkt. Interveniert wird dabei nicht – es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie, in der weder Medikamente verabreicht werden noch sonst in den Gesundheitszustand der Teilnehmer eingegriffen wird. Alle Daten werden vollständig anonymisiert.

„Mit der Studie wollen wir den Grundstein für eine bessere Früherkennung und auch frühzeitige Behandlung sowohl der Gefäßverkalkung als auch der Depression legen“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Klaus Berger, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der WWU.

„Das Projekt ist langfristig angelegt, einige Jahre nach der ersten Befragung und Untersuchung wird das Programm wiederholt.“ Dadurch können laut Berger auch Krankheitsverläufe beurteilt werden; geplant sind Abstände von zwei und fünf Jahren nach der Erstuntersuchung.

Die Studie wird in Kooperation des Instituts mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, der Klinik und Poliklinik für Neurologie und dem Institut für Klinische Radiologie an der Uniklinik Münster durchgeführt. Gefördert wird BiDirect vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die erste „Studienwelle“, die im Frühjahr dieses Jahres begonnen hat, dauert für den Patienten insgesamt drei bis vier Stunden. Zunächst werden die Probanden rund eine Stunde lang zum derzeitigen und früheren Gesundheitszustand befragt, dann folgen etwa eine Stunde lang ausführliche Untersuchungen.

Blutdrücke an Armen und Beinen werden gemessen, durch eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße wird das individuelle Arteriosklerose-Risiko bestimmt, mit einem Elektrokardiogramm (EKG) wird die Herzaktivität beobachtet. Auch die Sinnesorgane und die Gedächtnisleistung werden geprüft. Anschließend entnehmen die Studienbegleiter Blut zur Untersuchung und untersuchen den Kopf rund 30 Minuten lang durch eine Magnetresonanztomografie, mit der Schnittbilder des Gehirns erstellt werden.

„Mit dieser aufwendigen Untersuchung wollen wir klären, was die beiden Erkrankungen Arteriosklerose und Depression verbindet“, erklärt Studienkoordinatorin Dr. Heike Wersching vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin. „Die mögliche Verbindung beinhaltet gemeinsame genetische Ursachen oder Lebensstile. Alternativ könnte eine Erkrankung die andere bedingen, etwa durch Veränderung im Hormonstoffwechsel“, so die Medizinerin.

Redaktion: Dr. Thomas Bauer

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de/presse.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie