Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühe Strahlentherapie verhindert Streckhemmung der Finger

31.05.2010
In Deutschland leiden etwa 1,9 Millionen Menschen am Morbus Dupuytren. Die Erkrankung schränkt die Bewegungsfähigkeit einzelner Finger ein. Bislang besteht die Behandlung in einer Operation, die jedoch erst im fortgeschrittenen Stadium sinnvoll ist. Eine Alternative zum operativen Eingriff ist eine Strahlentherapie. Sie kann die Erkrankung häufig in einem frühen Stadium stoppen und hat sich als langfristig sicher erwiesen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie hin.

Am Anfang des Morbus Dupuytren stehen knotige Veränderungen in der Handinnenfläche. Später bilden sich feste Bindegewebsstränge, die einzelne Sehnen ummanteln. Die Streckung der Finger wird so immer mehr eingeschränkt.

„Durch eine Operation können die Finger ihre Beweglichkeit zwar zurückerlangen, die Krankheit wird jedoch nicht geheilt. Wie bei jeder Operation bleiben zudem Narben zurück, die die Beweglichkeit der Hand behindern können. Viele Handchirurgen raten deshalb erst in einem späten Stadium zur Operation“, erläutert DEGRO-Präsidentin Prof. Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Bereits im frühen Stadium kann eine Strahlentherapie die Fibroblasten stoppen. Diese im Bindegewebe vorkommenden Zellen sind für die Bildung der Knoten und Stränge verantwortlich. „Bei den meisten Patienten kommt es nach einer Strahlentherapie zu einem Stillstand, nicht selten sogar zu einer Verbesserung der Erkrankung“, erklärt Engenhart-Cabillic und verweist auf eine aktuelle Studie an der Universitätsklinik Erlangen, die dieses nachweist. Dort wurden seit 1982 insgesamt 208 Hände behandelt. Bis zu 87 Prozent der Patienten erzielten eine Stabilisierung oder sogar eine Verbesserung. Dabei waren die Ergebnisse umso besser, je früher die Strahlentherapie zum Einsatz kam.

Das Ärzteteam aus Erlangen konnte zudem zeigen, dass die Strahlentherapie auch langfristig sicher ist. „Befürchtungen, dass schwere Spätschäden bis hin zum Hautkrebs auftreten können, hat die Studie widerlegt. Unter den behandelten Patienten ist es nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 13 Jahren niemals zu einem solchen ‚Narbenkrebs’ gekommen“, so Engenhart-Cabillic. Nur zwei Prozent der Patienten erlitten eine sogenannte Strahlendermatitis mit einer Rötung der Haut, die jedoch nach spätestens einem Jahr abgeklungen war. Leichte Veränderungen der Haut und des Unterhautfettgewebes beobachteten die Ärzte bei einem Drittel der Hände. Bei 23 Prozent kam es zu einer vermehrten Hauttrockenheit, bei sieben Prozent zu einer Verdünnung der Haut, auf der erweiterte Blutgefäße sichtbar werden können. „Diese leichten Nebenwirkungen müssen jedoch vor dem Hintergrund einer Erkrankung gesehen werden, die unbehandelt die Funktion der Hand weitgehend einschränken kann“, sagt Engenhart-Cabillic.

Eine Strahlentherapie schließt auch eine spätere Operation nicht aus. Störungen der Wundheilung traten bei den in Erlangen behandelten Patienten nur selten auf. „Die Strahlentherapie ist eine wirksame und sichere Therapieoption”, unterstreicht die DEGRO-Expertin. „Die besten Ergebnisse werden in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose erzielt, wenn es noch zu keiner wesentlichen Einschränkung der Fingerstreckung gekommen ist.“ Da beim Morbus Dupuytren auch in seltenen Fällen eine Selbstheilung möglich ist, sollte die Radiotherapie dann angewendet werden, wenn es zu einem Fortschreiten der Erkrankung gekommen ist.

Zur Strahlentherapie
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomographie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, so dass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Quelle:
Nicolas Betz, Oliver J. Ott, Boris Adamietz, Rolf Sauer, Rainer Fietkau, Ludwig Keilholz: Radiotherapy in Early-Stage Dupuytren's Contracture. Long-Term Results After 13 Years. In: Strahlentherapie und Onkologie 2010; 186; 82-90

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark / Silke Jakobi
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung

28.06.2017 | Physik Astronomie

Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise