Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühe Fortpflanzung erhält bei Gepardenweibchen die Fruchtbarkeit

21.09.2010
Frei lebende Gepardenweibchen in Namibia pflanzen sich sehr gut fort. Ihre Fortpflanzungsorgane sind gesund und rund 80 Prozent ihrer Jungen erreichen das Erwachsenenalter.

Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin widerlegen mit diesen Befunden eine dreißig Jahre alte Lehrbuchmeinung, wonach Geparde sich auf Grund einer geringen genetischen Variabilität generell schlecht fortpflanzen würden. Die Forscher konnten nun zeigen, dass die Zeugungsfähigkeit der Weibchen entscheidend davon abhängt, wann diese das erste Mal trächtig werden.


Die meisten frei lebenden Gepardenjungen in Namibia erreichen das Erwachsenenalter.
Copyright: Oliver Hoener, IZW

Das Farmland von Namibia beherbergt die weltweit größte Gepardenpopulation. Die Geparde werden zwar von Farmern stark verfolgt und gejagt, aber ihre größten Raubfeinde, Löwen und Hyänen, gibt es hier nicht. „Im Gegensatz zum Serengeti Nationalpark in Tansania, wo fast 70 Prozent der Gepardenjungen von Löwen und Hyänen getötet werden, erreichen in Namibia die allermeisten Jungtiere das Erwachsenenalter“ erklärt Dr. Bettina Wachter vom IZW. Die IZW-Forscher wollten nun wissen, ob die namibische Gepardenpopulation auch in der Fortpflanzung besonders erfolgreich ist. Sie bestimmten dazu, ob die Weibchen einen funktionierenden Fortpflanzungszyklus hatten und wie die inneren Fortpflanzungsorgane beschaffen waren.

„Die Ergebnisse waren positiv. Unsere Untersuchungen mit hochauflösenden Ultraschallgeräten zeigten, dass die inneren Fortpflanzungsorgane frei lebender Gepardenweibchen sehr gesund sind. Alle Weibchen waren im Zyklus, in Hitze, trächtig oder stillten Junge“, berichtet Dr. Robert Hermes vom IZW. Ganz anders sah es bei einer Vergleichsgruppe aus, die die Forscher untersuchten – Gepardenweibchen in Gefangenschaft. Diese leben in ausgedehnten Großgehegen in Namibia unter nahezu identischen Bedingungen, mit nur einem Unterschied: sie dürfen sich nicht fortpflanzen, weil Gepardenzucht in Namibia verboten ist. Die meisten der Gepardenweibchen in den Gehegen zeigten keine Hinweise auf einen funktionieren Zyklus und wiesen bereits ab einem Alter von vier Jahren Erkrankungen an ihren inneren Fortpflanzungsorganen auf.

Die Forscher verglichen auch die Stresswerte von frei und in Gefangenschaft lebenden Geparden durch Messungen der Nebennierengröße. Denn Stress ist eine mögliche Ursache dafür, dass Tiere sich in Gefangenschaft nicht fortpflanzen. Die Werte waren jedoch bei beiden untersuchten Gruppen identisch.

Die Forscher schlussfolgern daraus, dass normales Fortpflanzungsverhalten in jungem Alter Voraussetzung für eine lebenslange Fruchtbarkeit bei Geparden ist. Unter natürlichen Bedingungen beginnen Tiere, sobald sie das entsprechende Alter erreicht haben, sofort mit der Fortpflanzung. Nach Geburt und Stillzeit werden sie schnell erneut trächtig. Die durch Östrogen bedingte Reifung der Eizellen erfolgt daher unter natürlichen Bedingungen nur selten. Tiere jedoch, die an der Fortpflanzung gehindert werden, sind diesem Zyklus von fluktuierenden Östrogenkonzentrationen ununterbrochen ausgesetzt. Das kann den inneren Fortpflanzungsorganen schaden und außerdem sind die Eizellen schneller aufgebraucht. Das führt dazu, dass solche Tiere schon im mittleren Alter unfruchtbar werden können.

„Die Ergebnisse stimmen mit Befunden überein, die wir schon von Elefanten und Nashörnern kennen“ so Hermes. Wenn hier mit der Zucht in Zoos sehr lange gewartet wird, bleibt der Erfolg aus. Die Fortpflanzung funktioniert dann nicht mehr, weil die dafür nötigen Prozesse und Organe beeinträchtigt sind. Frühe Fortpflanzung hingegen bringt das ganze System in Schwung und erhält die Fruchtbarkeit.

„Die Erkenntnisse sind vor allem interessant, sollte es nötig werden, die weltweit rückläufige frei lebende Gepardenpopulation mit Zuchttieren aufzustocken“, so Wachter. Sie vermutet, dass sich die Erkenntnisse auch auf andere Säugetierarten übertragen lassen. Bei der Zucht sollte deshalb darauf geachtet werden, dass nur junge Weibchen oder Weibchen, die in jungen Jahren gezüchtet haben, eingesetzt werden, da ältere nachkommenslose Weibchen mit hoher Wahrscheinlichkeit Fortpflanzungsschwierigkeiten haben oder gar unfruchtbar sind.

Die Studie wurde von der Messerli-Stiftung in der Schweiz finanziert.

Publikation
Conservation Letters: 10.1111/j.1755-263X.2010.00142.x
Ansprechpartner und Fotos
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
GERMANY
www.izw-berlin.de
Dr. Bettina Wachter (Wissenschaftlerin)
wachter@izw-berlin.de
Telefon 0049 (0)30 51 26 518
Steven Seet (Pressesprecher)
seet@izw-berlin.de
Telefon 0049 (0)30 51 68 108

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise