Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Frauen (tatsächlich) schlechter einparken - Psychologin berichtet in RUBIN

22.10.2010
Das Selbstvertrauen spielt eine wichtige Rolle

Kaum ein Vorurteil ist weiter verbreitet als das der mangelnden weiblichen Fahrkünste. Was ist tatsächlich dran?

Das wollten Psychologen um die Doktorandin Claudia C. Wolf aus der Abteilung Biopsychologie der RUB (Leiter: Prof. Dr. Onur Güntürkün) wissen. Sie ließen Männer und Frauen nicht nur parken, sondern testeten auch ihr räumliches Vorstellungsvermögen und fragten ihre Selbsteinschätzung ab.

Resultat: Frauen parken durchschnittlich langsamer und ungenauer ein als Männer. Dabei spielt aber das negative Selbstbild eine wesentliche Rolle. Also: Die Parklücke nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung nehmen – dann klappt`s besser.

Beitrag im Internet

Den gesamten Beitrag finden Sie im Internet unter: http://www.rub.de/rubin

Parken zwischen Schrottautos

Die Psychologen ließen 17 männliche und weibliche Fahranfänger und 48 erfahrene Autofahrerinnen und -fahrer mit einem Fahrzeug, mit dem sie keine Erfahrung hatten, in einem Parkhaus zwischen Schrottautos einparken. Vorwärts, rückwärts und seitlich, von links und rechts kommend mussten die Fahrer ihre Künste beweisen. In der Tat kam heraus, dass Männer nicht nur schneller in die Lücke kamen, sondern sie auch genauer trafen. Besonders beim seitlichen Parken lagen sie vorn: 42 Sekunden schneller und drei Prozent genauer gelang ihnen das Einparken. Aber warum?

Selbsteinschätzung ist wichtiger Faktor

Die Forscher wollten es genau wissen. Sie ließen alle Probanden einen Test zur mentalen Rotationsfähigkeit absolvieren. Denn auch beim Parken muss der Fahrer „nicht nur wissen, wie die momentane Position seines Fahrzeugs relativ zu parkenden Autos oder zur Bordsteinkante ist. Er muss auch wissen, wie sich seine Position verändert, wenn er das Gaspedal betätigt“, erklärt Prof. Güntürkün. Männer schneiden bei dem Test durchschnittlich besser ab als Frauen. Da aber meistens auch soziale Faktoren eine Rolle spielen, erfragten die Forscher auch die Selbsteinschätzung der Testpersonen in Bezug auf ihr Können. Und es zeigte sich: Je besser sich die Person einschätzte, desto besser parkte sie ein. Schon bei Fahranfängern gab es diesen Zusammenhang. Und während mit wachsender Erfahrung der Einfluss der mentalen Rotationsfähigkeit sank, blieb der Einfluss der Selbsteinschätzung erhalten.

Das „weibliche Dilemma“

Das „weibliche Dilemma“: Aufgrund der schlechteren Rotationsfähigkeiten haben Fahranfängerinnen Mühe mit dem Parken. Misserfolge speichern sie ab und ihr Selbstbewusstsein sinkt. Dadurch parken sie auch später unsicher ein, weil sie ihr Handeln ständig kontrollieren. Der gedankenlose Automatismus des Einparkens stellt sich bei ihnen nicht ein. „Abhilfe könnte ein Perspektivwechsel schaffen“, so Claudia Wolf. „Wenn wir eine vermeintliche Bedrohung zur Herausforderung umdeuten, gehen wir selbstbewusster zu Werke und unsere Leistung steigt.“

RUBIN Junge Forschung

Sie schrieben ihre „Wissenschaftsgeschichten“ auf: Simone Heinemann – Das Spiel mit dem Risiko (Verantwortungsvoller Umgang mit Finanzderivaten), Christoph Kraume – Politik vom Schreibpult (Ein verschollenes Werk Ciceros als monarchistische Tendenzschrift), Olena Petrenko – Die Leben der Ljudmila Foja (Frauenschicksale im ukrainischen Widerstand), Anna Neumaier – Keine Tabus im virtuellen Bibelkreis (Religiosität online ausgelebt), Meike Mischo – Sehen und Fühlen auf der Nanoskala (Winzige Oberflächen sichtbar machen), Jan Schulze – „3+3+5=938“ (Experimentalphysiker blicken in die Tiefen der Materie), Matthias Tuma – Das Blubbern der Bombe (Lernende Computer spüren Atomtests in Unterwassersignalen auf), Julia Weiler – Zeitreisen (Hirnforscher untersuchen Gedankenwanderungen in Vergangenheit und Zukunft), Annika Cimdins – Manche mögen‘s heiß (Bakterien „messen“ Temperaturen mit RNA-Thermometern), Claudia Wolf – Gekonnt geparkt (Kognitive Mechanismen beim Einparken), Janina Wolf – Tatort: Reagenzglas (Die Schlafkrankheit im Visier der Biochemie), Michael Karus – Matrix reloaded again (Über die Funktion Neuronaler Stammzellen).

Weitere Informationen

Claudia C. Wolf, Abteilung Biopsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26804, E-Mail: Claudia.C.Wolf@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten