Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zur Lebensqualität in strukturschwachen Regionen

22.01.2010
Die Möglichkeit, sich mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zu versorgen, ist ein grundlegender Bestandteil der Lebensqualität. In vielen ländlichen Gemeinden besteht jedoch seit geraumer Zeit keine Gelegenheit mehr, sich fußläufig mit Lebensmitteln, Briefmarken oder Geld zu versorgen.

In einem Forschungsprojekt, das an der Universität Rostock am Institut für Soziologie und Demographie unter Leitung von Prof. Dr. Peter A. Berger und Prof. Dr. Claudia Neu durchgeführt wurde, wurde am Beispiel der Gemeinde Galenbeck untersucht, inwieweit sich bestehende Nahversorgungskonzepte wie Nachbarschafts- oder Dorfläden auf eine strukturschwache Region mit wenig Kaufkraft, verstreuten räumlichen Strukturen und gering ausgeprägtem bürgerschaftlichen Engagement übertragen lassen. Die Ergebnisse des Projektes „Wohnortnahe Grundversorgung und Bürgerpartizipation – ein Praxisbeispiel aus Mecklenburg-Vorpommern“ sind nun in einem Forschungsbericht veröffentlicht worden.

Im Herbst 2008 befragten dazu 14 Studierende 203 Haushalte der ungefähr 550 Haushalte zählenden Gemeinde Galenbeck. Im Zentrum der Befragung standen das aktuelle Einkaufsverhalten der Befragten und ihre Einschätzungen bezüglich eines möglichen Dorfladens in der Gemeinde. Drei Viertel der befragten Haushalte können sich demnach vorstellen, in einem Dorfladen in der Gemeinde einzukaufen. Gut die Hälfte dieser „Dorfladenbefürworter“ – ein Drittel aller Befragten – wäre nach eigenen Angaben bereit, den Aufbau des Ladens tatkräftig zu unterstützen. Dem stehen allerdings Expertenmeinungen entgegen, demnach die Raumstrukturen der Gemeinde als zu weitläufig und die einzelnen Dörfer als zu klein erweisen, um dort eine ökonomisch tragfähige Nahversorgung aufbauen zu können.

Diese Situation, wie wir sie hundertfach in Mecklenburg vorfinden, lässt eine Diskussion um eine nachhaltige Nahversorgung für entlegene ländliche Räume umso dringlicher werden. Sich allein auf den PKW-Besitz bis ins hohe Alter wie die intakte Nachbarschaftshilfe und das lebendige bürgerschaftliche Engagement zu verlassen, scheint – angesichts der vorgelegten Ergebnisse – als riskante Strategie. Für die zukünftige Gestaltung der wohnortnahen Grundversorgung bedeutet das, dass neue Kooperationsformen zwischen öffentlicher Hand und privaten Anbietern unter Mitwirkung der Bürger erforderlich werden, um zukünftige Versorgungsdefizite abzumildern oder gar nicht entstehen zu lassen. Zudem ist die verstärkte Diskussion um versorgungspolitische Ziele notwendig. Sowohl Groß- und Einzelhändler als auch Kunden müssen insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung für die Thematik wohnortnahe Versorgung sensibilisiert werden, nicht zuletzt um alternative Formen der Nahversorgung zu schaffen.

Das Forschungsprojekt wurde vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.

Den Bericht sowie weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.wiwi.uni-rostock.de/soziologie/makrosoziologie/forschung/wohnortn
ahe-grundversorgung-und-buergerpartizipation/
Kontakt
Prof. Dr. Claudia Neu
Hochschule Niederrhein
FB 05
Rheydter Straße 277
41065 Mönchengladbach
Tel.: ++49 (0)2161/186-5384
E-Mail: claudia.neu@hs-niederrhein.de
Prof. Dr. Peter A. Berger
Institut für Soziologie und Demographie
Universität Rostock
Ulmenstr. 69
18057 Rostock
Tel: ++49 (0)381/498-4362/-4363
E-Mail: peter.berger@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Dorfladen Grundversorgung Lebensqualität Nahversorgung Soziologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften