Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt begleitet verschuldete Familien

21.03.2012
Keine großen Sprünge, aber weitgehend abgesichert – so lebt die deutsche Mittelschicht. Doch was passiert, wenn die Durchschnittsfamilie unerwartet abrutscht, weil sie massiv überschuldet ist?

Das wollen Kommunikations- und Sozialwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersuchen. Ihr neues Projekt „Identitätsarbeit unter Druck“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 270.000 Euro gefördert.

16 Familien aus der Region, die sich in einer solchen Lage befinden, werden in den nächsten drei Jahren von Prof. Dr. Jo Reichertz und zwei Wissenschaftlerinnen begleitet.

„Wir wollen so nah wie möglich an ihre Lebenswelt heran: Was geschieht, wenn Menschen bemerken, dass sie erheblich mehr ausgeben als einnehmen und ihrer Schulden nicht mehr Herr werden können?“, beschreibt der Projektleiter den Ansatz. „Kommuniziert man diese Entwicklung oder verbirgt man sie vor Freunden, Nachbarn, Kollegen und sogar vor dem Partner? Wie ändern sich durch die Überschuldung das Selbstbild und das Fremdbild?“

Einmal pro Jahr sollen die Teilnehmer interviewt werden, einzeln und in der Familie. Die Forscher werten anschließend nicht nur diese Aufzeichnungen aus, sondern auch den Schriftwechsel mit Banken und Ämtern. Außerdem wird es offene Gruppendiskussionen mit mehreren Familien geben.

Es kann jedem passieren: Gestern noch ein aufstrebender Jungmanager, heute tief im Dispo und mit schlaflosen Nächten wegen der laufenden Kredite. Hinzu kommt die Sorge, wie die anderen darauf reagieren. „In derartigen Situationen muss man neu definieren, wer man ist. Unsere Identität bestimmen wir allerdings nicht allein, sie wird kommunikativ ausgehandelt, im Umgang mit anderen“, erklärt Reichertz, der gespannt ist, welche Lösungswege die Befragten einschlagen. Manche schieben vielleicht die Schuld auf den Staat oder die Wirtschaft, während andere eventuell aussteigen und sich anders verwirklichen. Ob sie dabei Hilfe annehmen und wie sie mit ihrem sozialen und personalen Umfeld umgehen, interessiert die Wissenschaftler besonders. Denn solche Prozesse wurden bisher in der Mittelschicht noch nicht untersucht.

Das Projekt beleuchtet damit auch unsere Gesellschaftsordnung: Aus Sicht der Politik gehören etwa 60 Prozent der Menschen in Deutschland zur Mittelschicht. Diese Klasse fängt bereits bei Nettolöhnen um 1.000 Euro an. Davon könne jedoch niemand sorgenfrei leben, und daher müsse man hinterfragen, ob die Einteilung noch zutreffend sei, so Reichertz.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jo Reichertz, Tel. 0201/183-2810, jo.reichertz@uni-due.de

Katrin Koster | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen