Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung unter Strom

23.01.2013
Elektrische Spannung beeinflusst die zelluläre Wirkung von Substanzen wie Adrenalin.
Das berichten Marburger Pharmakologen in der aktuellen Ausgabe der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America“ (PNAS). Da Adrenalinrezeptoren als Ziele zahlreicher Arzneimittel dienen, erhoffen sich die Autoren künftige Anwendungen ihrer Erkenntnisse in der Medizin.

„Das unbewusste Nervensystem steuert viele wichtige Körperfunktionen wie Kreislauf und Herzschlag“, erläutert Professor Dr. Moritz Bünemann vom Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie der Philipps-Universität, der die aktuelle Studie zusammen mit Dr. Andreas Rinne und Alexandra Birk publiziert hat.

Das Gehirn überwache den Kreislauf und sende Signale an verschiedene Organe, um den Blutdruck, das Volumen des zirkulierenden Blutes sowie die Durchblutung von Organen und Geweben an den jeweiligen Bedarf anzupassen. Diese Signale werden in Form chemischer Botenstoffe an die Zielzellen übermittelt, etwa durch Adrenalin oder verwandte Substanzen. Binden diese Botenstoffe an Andockstellen auf der Oberfläche von Körperzellen, so leiten diese so genannten Rezeptoren das Signal ins Zellinnere. „Derartige Rezeptoren finden sich häufig in elektrisch aktiven Zellen wie Nerven- oder Muskelzellen“, ergänzt Rinne.

Bünemanns Arbeitsgruppe untersuchte die Spannungsabhängigkeit der Rezeptorfunktion, indem sie die Wechselwirkung zwischen markierten Proteinen verfolgte, während sie das elektrische Potenzial über der Zellmembran vorgab. Das Ergebnis: Eine Abnahme der elektrischen Spannung führt dazu, dass der natürliche Botenstoff weniger gut an die Rezeptoren bindet. Ist der blutdrucksenkende Arzneistoff Clonidin an die Rezeptoren gebunden, so führt eine Abnahme der elektrischen Membranspannung innerhalb einer Sekunde dazu, dass die Signalweiterleitung über den Rezeptor abnimmt.

„Viele wichtige Arzneimittel, insbesondere mit Herz-Kreislauf-schützender Wirkung, binden an Adrenalin-Rezeptoren“, führt Bünemann aus. Da die Wirkstoffe sich in der Art ihrer Spannungsabhängigkeit unterschieden, sei es wahrscheinlich, dass diese die Wirkung der Medikamente beeinflussen könne.

Originalveröffentlichung: Andreas Rinne, Alexandra Birk, & Moritz Bünemann: Voltage regulates adrenergic receptor function, PNAS 4/110 (2013), pp. 1536-1541, doi:10.1073/pnas.1212656110

Weitere Informationen:
Ansprechpartner:
Professor Dr. Moritz Bünemann,
Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie
Telefon: 06421 28-25702
E-Mail: moritz.buenemann@staff.uni-marburg.de
Biochemisch-Pharmakologisches Centrum im Internet:
http://www.uni-marburg.de/fb20/bpc

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de
http://www.uni-marburg.de/fb20/bpc

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie