Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung für mehr Beteiligung im Internet

22.10.2009
"Die elektronische Beteiligung an politischen Prozessen wird sich rasend schnell revolutionieren", war die Meinung vieler, als das Internet vor rund 15 Jahren zum Massenmedium aufstieg.

Passiert ist das aber nicht - bis jetzt. Nun laufen immer mehr Prozesse der sogenannten E-Partizipation langsam an und haben eine steigende Tendenz. Das hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI beobachtet, das seit mehreren Jahren in einer Reihe von Projekten zu diesem Thema forscht.

Aktuell sucht das Fraunhofer ISI Jugendliche und junge Erwachsene, die sich im Dialog mit politischen Entscheidern an der Gestaltung und Weiterentwicklung des Internets beteiligen wollen.

Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt HUWY (Hub Websites for Youth Participation) sammelt die Erfahrungen junger Menschen mit dem Internet sowie ihre Anregungen für eine Neugestaltung und bringt diese in politische Prozesse ein. Damit will das Pilotprojekt Interesse für E-Partizipation wecken. Mit diesem Thema kennt sich das Fraunhofer ISI aus: Es hat auch den Modellversuch "Öffentliche Petitionen" des Deutschen Bundestags wissenschaftlich begleitet, der die Möglichkeiten und Grenzen von E-Petitionen analysierte.

Beide Projekte untersuchen die politische Beteiligung der Bürger durch das Internet mit dem Ziel, die Partizipation durch den Einsatz neuer Medien zu verbessern und dadurch weitere Möglichkeiten zu eröffnen. Dafür verbindet das Fraunhofer ISI technisches Grundverständnis mit sozialwissenschaftlichen Aspekten: Neben der rein technischen Machbarkeit ist es wichtig zu wissen, wer warum und wie partizipiert - und wer warum nicht. Durch den Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern wissen die Forscher zudem, was im politischen Prozess umsetzbar ist und wo die Grenzen sind.

Bei HUWY lernen die Jugendlichen zunächst in Workshops, wie sie Diskussionen moderieren und Informationen zusammenführen können. Direkt danach geht es in die Diskussionsphase: Die Jugendlichen können in Eigenregie die für sie interessanten Themen über Chancen und Risiken des Netzes benennen und diese auf den von ihnen genutzten Plattformen - zum Beispiel in sozialen Netzwerken und auf Webseiten von Jugendorganisationen - diskutieren. Die Ergebnisse dieser dezentralen Diskussionen werden schließlich auf der Webseite http://www.huwy.eu - der sogenannten Hub - von Moderatoren zusammengetragen, die die Jugendlichen selbst aus ihren Gruppen bestimmen. Die Diskussionsergebnisse, Anregungen, Ideen und Gesetzesvorschläge werden dann politischen Entscheidern zur Verfügung gestellt. Diese kommentieren die Ergebnisse und bringen sie im besten Fall in den politischen Prozess der internetbezogenen Gesetzgebung ein.

Neben Deutschland nehmen Großbritannien, Irland und Estland an dem EU-Projekt teil. Die anglophonen Länder gelten laut der Studie zum Modellversuch "Öffentliche Petitionen" des Bundestags ebenso wie die baltischen Staaten als Vorreiter bei der politischen Beteiligung durch das Internet. Auch bei diesem Projekt ging es um E-Partizipation und die Möglichkeiten, diese zu optimieren: Im September 2005 startete der Petitionsausschuss den zweijährigen Versuch, öffentliche Petitionen über das Internet einreichen sowie sie online von Bürgern diskutieren und unterzeichnen zu lassen. Hunderte Petitionen wurden eingereicht, tausende Bürger beteiligten sich, 2007 wurde das Projekt in den Regelbetrieb überführt. Die wissenschaftliche Evaluation lag beim Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), an dem das Fraunhofer ISI beteiligt ist. Bei diesem Projekt vereinten die Wissenschaftler ihr Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen von Petitionen mit ihrem Verständnis dafür, wie sie von der Bevölkerung angenommen werden und wie die elektronischen Wege funktionieren.

Die Ergebnisse der Studie: Es gibt eine leicht steigende Tendenz bei den E-Petitionen. Zudem hat sich die mediale Aufmerksamkeit - zumindest für einige Petitionen - erhöht. Weiterhin konnten durch die neue Form des Petitionsverfahrens vermehrt junge Leute erreicht werden, da die elektronische Einreichung eher ihren Kommunikationsgewohnheiten entspricht. Noch werden E-Petitionen zwar nicht auf breiter Basis angewendet (bisher werden etwa drei bis sechs Prozent der gesamten Petitionen im Internet veröffentlicht), sie sind aber eine zentrale Aktivität des Parlaments im Bereich E-Demokratie. Die Forscher erwarten eine erhöhte Zahl von E-Partizipationsangeboten in den kommenden Jahren, zumal politische Prozesse damit beschleunigt und transparenter gemacht werden können. Durch den direkteren Kontakt zwischen Bürger und Politik - wie etwa bei HUWY zwischen den jugendlichen Diskussionsteilnehmern und den ausgewählten politischen Entscheidern - können die Informationen schneller und unmittelbarer ausgetauscht werden, was das gegenseitige Verständnis erhöhen kann.

Informationen zu "Hub Websites for Youth Participation" gibt es unter http://www.huwy.eu. Interessenten zwischen 16 und 24 Jahren können sich bei Ralf Linder unter ralf.lindner@isi.fraunhofer.de melden. Die Zusammenfassung des TAB-Berichts "Öffentliche elektronische Petitionen und bürgerschaftliche Teilhabe" gibt es unter http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab127.htm, elektronische Petitionen lassen sich unter https://epetitionen.bundestag.de einreichen.

Leitung Presse und Kommunikation Fraunhofer ISI
Dr. Kathrin Schwabe
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
E-Mail presse@isi.fraunhofer.de
Relevant für die Wirtschaft, relevant für die Gesellschaft - das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Markenzeichen der systemischen Arbeit ist es, Forschungsdisziplinen zu integrieren und mit Auftraggebern und Interessenten ein Netzwerk für Innovationen zu gestalten. Mit seiner Expertise, seiner Erfahrung und seinen Studien leistet das Institut als Teil der praxisorientierten Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft einen Beitrag zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb nutzen Politik, Verbände und Unternehmen das Fraunhofer ISI als vorausschauenden und neutralen Vordenker.

Dr. Kathrin Schwabe | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.huwy.eu
http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab127.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics