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Forsa-Umfrage im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung: Diabetes – das unterschätzte Risiko

11.11.2011
Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit: Die meisten Fälle wären durch einen gesünderen Lebenswandel vermeidbar.

Rund ein Drittel der Deutschen kennt jedoch weder Risikofaktoren noch mögliche Folgeerkrankungen der so genannten Zuckerkrankheit. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Wissenschaftsjahres Gesundheitsforschung zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November.

Der Zuckerstoffwechsel – ein lebenswichtiger Mechanismus

Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch sind. Nach Angaben der Vereinten Nationen leiden mehr als 250 Millionen Menschen darunter; allein in Deutschland sind mehr als sieben Millionen betroffen. Es steht zu befürchten, dass die Zahl der Erkrankungen und der daraus resultierenden Todesfälle bis 2030 rasant steigen wird – für die Vereinten Nationen Grund genug, Diabetes als erste nicht durch eine Infektion ausgelöste Krankheit zur globalen Bedrohung der Menschheit zu erklären.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (57 Prozent) weiß allerdings nicht, dass es zwei unterschiedliche Formen von Diabetes gibt, zeigte die Umfrage. Bei Typ 1 handelt es sich um eine erbliche Autoimmunerkrankung, das heißt das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper. Beim Typ 2 hat der erhöhte Zuckerspiegel im Blut andere Ursachen: „Zuerst reagieren die Zellen nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin und können deshalb den Zucker nicht mehr richtig aufnehmen. Bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes schütten die Betazellen der Bauchspeicheldrüse immer weniger Insulin aus“, erläutert Prof. Martin Hrabé de Angelis, Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München und Sprecher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Abgeschlagenheit, stärkerer Durst und häufigere Infektionen können erste Anzeichen von Diabetes sein – immerhin 58 Prozent der Deutschen kennen mindestens eines der möglichen Symptome. Die Gesundheitsforschung versucht heute vor allem die Frage zu beantworten, warum manche Menschen einen Diabetes entwickeln und andere nicht. Klar ist: Auch bei Typ 2 spielt die Vererbung eine Rolle – ein Aspekt, von dem nur 17 Prozent der Befragten wissen. Doch die genetische Veranlagung allein verursacht dieses Krankheitsbild in der Regel nicht. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren.

Zu wenig Wissen über Risiken und Folgen

Anders gesagt: Durch eine gesunde Lebensführung und Prävention verringert sich die Gefahr einer Erkrankung massiv. Umso alarmierender ist, dass rund ein Drittel der Deutschen keinen einzigen dieser Risikofaktoren kennt. Dass auch Stress Diabetes begünstigen kann, wissen sogar nur zwei Prozent. Dabei erleiden zuckerkranke Menschen viel häufiger schwere Erkrankungen mit gravierenden Folgen als gesunde.

Immerhin knapp ein Drittel der Befragten wusste, das Diabetes zu Augenerkrankungen führen kann – im schlimmsten Fall erblinden die Betroffenen. Ebenso viele mussten bei dem Thema allerdings passen. In der Altersgruppe der unter 30-Jährigen kannte sogar mehr als die Hälfte der Befragten keine Folgeerkrankungen. 22 Prozent aller Befragten nannten immerhin das Diabetische Fußsyndrom, bei dem Nervenausfälle und Durchblutungsstörungen in den Beinen auftreten. 16 Prozent gaben an, dass Diabetes Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstige. Nur knapp jeder Zehnte nannte konkret Herzinfarkte und Schlaganfälle als mögliche Krankheitsfolgen.

Die Wissenslücken in der Bevölkerung über die Volkskrankheit Diabetes sind also noch groß. „Eine wichtige Aufgabe der Diabetesforschung, ist es deshalb, die breite Bevölkerung über die mit der Erkrankung verbundenen Gefahren aufzuklären“, sagt Prof. Hrabé de Angelis.

Die Umfrage wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2011 – Forschung für unsere Gesundheit durchgeführt.

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit 2000 dienen sie als Plattform für den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft entlang ausgewählter Themen. Im Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit steht der Mensch im Mittelpunkt – und mit ihm die individualisierte Medizin als Zukunft von Vorsorge, Diagnostik und Therapie.

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