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Flexible Regelung zum Renteneintritt wünschenswert

23.06.2014

BIBB-Analyse untersucht Faktoren für Wunsch nach vorzeitigem Ruhestand

In Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich die deutsche Wirtschaft nicht leisten, auf erfahrenes Personal zu verzichten. Zukünftig sollten, so eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), verschiedene Wege eingeschlagen werden, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten.

Ein starres Renteneintrittsalter entspricht nicht mehr den Anforderungen der Arbeitswelt. Wünschenswert wäre eine flexible Regelung, die den individuellen Lebensbiografien und den unterschiedlichen Berufsanforderungen angepasst werden kann, aber auch den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes beziehungsweise der Betriebe dient.

Die Untersuchung auf Basis der Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung zeigt, welche Faktoren die Entscheidung Älterer zwischen 50 und 65 Jahren, vorzeitig in Ruhestand gehen zu wollen, am stärksten beeinflussen.So nimmt der Wunsch nach vorzeitigem Ruhestand mit zunehmender Nähe zum gesetzlichen Renteneintrittsalter deutlich ab. 13 Prozent der 60- bis 64-Jährigen würden gerne auch über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten.

2012 lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter laut Mikrozensus bei 64 Jahren. Es ist gegenüber dem Jahr 2011 (63,5 Jahre) leicht angestiegen. Grund hierfür sind die gestiegenen Erwerbsquoten der Gruppe der 60- bis unter 65-Jährigen. Die BIBB-Analyse ging der Frage nach, welche Faktoren die Entscheidung älterer Beschäftigter zwischen 50 und 65 Jahren beeinflussen, vorzeitig in Rente gehen zu wollen.

Diese persönliche Entscheidung wird von ökonomischen, politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen beeinflusst. So gehören sogenannte „Push-Faktoren“ wie Arbeitslosigkeit, belastende Arbeitsbedingungen, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder nicht mehr passende Qualifikationen zu den Faktoren, die Beschäftigte veranlassen, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden.

Aber auch individuelle Motive wie familiäre oder partnerschaftliche Konstellationen, finanzielle Anreize und/oder Freizeitorientierung können als sogenannte „Pull-Faktoren“ einen vorzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben begründen.

Dabei hat ein Näherrücken des Rentenstichtags Auswirkungen auf den Ruhestandswunsch: Während sich knapp 64 Prozent der 60-Jährigen einen vorzeitigen Ruhestand vorstellen können, sind es bei den 64-Jährigen gerade noch 18 Prozent. Als wesentliche Gründe für den vorzeitigen Ruhestand werden private Interessen (39,8 Prozent), gesundheitliche Gründe (29,8 Prozent) und zu anstrengende Arbeit (22,3 Prozent) genannt.

In bestimmten Berufen, aufgrund der Arbeitsmarktlage, aufgrund von Arbeitslosigkeit oder des Gesundheitszustands der einzelnen Beschäftigten gibt es allerdings wenig Spielraum bei der Entscheidung, so dass der Erwerbsaustritt eher „unfreiwillig“ erfolgt.

Die Ergebnisse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 zeigen auch, dass diejenigen, die gern bis zum regulären Renteneintrittsalter beschäftigt bleiben möchten, deutlich häufiger ein monatliches Bruttoeinkommen von unter 1.000 Euro erzielen (13,9 Prozent). Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass mit einem vorzeitigen Ruhestand monatliche Abschläge verbunden sind. Sie führen bei einem niedrigen Bruttoeinkommen zu einem geringen Renteneinkommen.

Dass hier gleichzeitig auch deutlich höhere Anteile von Erwerbstätigen mit einem Einkommen über 5.000 Euro zu finden sind (10,4 Prozent), erklärt sich nach Angaben der Autorinnen mit dem höheren Bildungsniveau. Denn mit steigendem Bildungsniveau ist die Verweildauer im Berufsleben in der Regel länger.

Mehr als ein Viertel der 50- bis 64-jährigen Beschäftigten, die bis zum regulären Renteneintrittsalter beschäftigt bleiben möchten, verfügt über einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Dagegen liegt der Anteil der Akademiker/-innen an der Gruppe derer, die vorzeitig das Arbeitsleben beenden möchten, nur bei knapp einem Fünftel.

Zum Hintergrund:
Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, die gemeinsam vom BIBB und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zuletzt 2012 durchgeführt wurde, ist eine telefonische, computergestützte Repräsentativbefragung von rund 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland. Sie stellt der Berufs- und Qualifikationsforschung sowie der Arbeitsschutzberichterstattung differenzierte repräsentative Informationen über Erwerbstätige und Arbeitsplätze zur Verfügung.

Die aktuelle Analyse ist im BIBB REPORT 1/2014 mit dem Titel „Arbeiten bis zum Schluss oder gehen vor der Zeit?“ veröffentlicht. Sie steht im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/bibbreport kostenlos zur Verfügung.

Ansprechpartnerinnen im BIBB:
Brigitte Seyfried, E-Mail: seyfried@bibb.de
Sabrina Weller, E-Mail: weller@bibb.de

Andreas Pieper | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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