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Finanzinvestoren für extreme Preise bei Energierohstoffen mitverantwortlich

09.04.2014

Die spekulative Nachfrage von Finanzinvestoren ist mitentscheidend für extreme Preisspitzen und Preiseinbrüche an den Energie-Rohstoffbörsen. Klassische Angebots- und Nachfrageschwankungen können dagegen das gleichzeitige Auftreten von extremen Ereignissen in mehreren Energiemärkten nur unzureichend erklären. Das ist das Ergebnis einer Studie von Nicolas Koch, Researcher am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), die im Fachmagazin „Energy Economics“ veröffentlicht worden ist.

Die Energiepreisspitzen an den Rohstoffbörsen gehen demnach mit massiven Käufen von Hedge Fonds einher. Energiepreiseinbrüche hängen derweil umgekehrt mit den massiven Verkäufen der Fonds zusammen. In Krisenzeiten kommt hinzu, dass Finanzmarktakteure die Preiseinbrüche noch verstärken: Aufgrund von Liquiditätsengpässen verkaufen sie verschiedene Rohstoffe zum selben Zeitpunkt und verstärken so die Talfahrt in allen Rohstoffmärkten.

Koch hatte nach Erklärungen für die extremen Preisschwankungen auf den Energiemärkten in den Jahren 2006 bis 2012 gesucht. Öl zum Beispiel fiel von einem Rekordhoch von 134 US-Dollar pro Barrel Mitte 2008 auf 34 US-Dollar im Januar 2009.

Bereits zwei Jahre später wurde jedoch die Marke von 100 US-Dollar wieder gerissen. Das Ausmaß dieser Preisbewegung ist lediglich mit den Preisschwankungen während der Energiekrise der 1970er vergleichbar. Die Analyse konzentrierte sich konkret auf die sechs Energiegüter Heizöl, Öl der Sorten Brent und WTI, Gasöl, Benzinkraftstoff sowie Erdgas. Sie stehen im Zentrum des Investoreninteresses und sind Hauptbestandteil des populären S&P Goldman Sachs Rohstoffindexes.

Die Ergebnisse dürften vor allem für die Industrie von Bedeutung sein. „Die reale Nachfrage aus boomenden Schwellenländern wie etwa China kann die enormen Preissprünge alleine nicht erklären“, sagt Koch. An Bedeutung gewonnen hat dagegen das massive Wachstum der Terminmärkte für Energiegüter.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass inzwischen auch Finanzinvestoren auf den Energiemärkten agieren, um ihr bestehendes Portfolio zu diversifizieren. „Die Finanzmärkte haben Rohstoffe als Anlagemärkte ins Visier genommen. Auf diese Weise wird enorm viel Kapital in den Markt gepumpt“, sagt Koch.

Darüber hinaus stützt die Studie empirisch das Vorgehen der G20, die sich um mehr Regeln für den Handel mit Rohstoffderivaten bemühen. „Starre Grenzen für den An- und Verkauf von Energierohstoffen durch Finanzinvestoren wären allerdings nur dann gerechtfertigt, wenn die Spekulationen tatsächlich auch die Hauptursache für die extremen Preisschwankungen sind“, sagt Koch. Dazu sei weitere Forschung nötig.

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Fünf Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Studie im Original:

Koch, Nicolas: Tail events: A new approach to understanding extreme energy commodity prices, Energy Economics 43 (2014) 195–205

Weitere Informationen:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140988314000450
http://www.mcc-berlin.net

Fabian Löhe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Climate Finanzinvestoren Handel Infrastrukturen MCC Preisschwankungen Rohstoffe

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