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FHWS-Studie zur Optimierung der Lieferkette von Trinkwasser und Blutkonserven bei Katastrophen

05.02.2015

Ein Stromausfall stellt die größte Herausforderung dar – notwendig ist die Entwicklung eines effizienten EDV-Systems

Daß es immer häufiger zu Katastrophen kommt, ist nicht nur „gefühlt“ so, sondern auch in internationalen Datenbanken einsehbar. So werden entsprechend neue Stellen in Behörden und Institutionen für Katastrophenschutz-Beauftragte geschaffen. Parallel ist im Katastrophenfall gefordert, daß die professionellen wie Hilfsorganisationen koordiniert handeln und nicht dem Motto „Viel hilft viel“ folgen.


(von li.:) Professor Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt, Jürgen Bode, Dr. Rudolf Fuchs, Präsident Professor Dr. Robert Grebner sowie Professor Dr. Winfried Wilke

Foto FHWS / Klein

Ziel der Studie und des Forschungsprojektes „Optichain – Analyse von Supply Chains in regionalen Katastrophenszenarien“ des Instituts für angewandte Logistik (IAL) an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) ist es, in Kooperation mit Hilfsorganisationen, Behörden sowie Logistikunternehmen Lösungen zu finden für verderbliche, lebenswichtige Güter - exemplarisch untersucht in der Versorgung mit Blutkonserven sowie Trinkwasser.

Das Projekt geht von einem regionalen Katastrophenszenario im unterfränkischen Raum aus: In Frage kämen hier Hochwasser, Schnee oder Sturm. Betroffen wären die Infrastruktur, die Kommunikationsmittel sowie die Stromversorgung, die großflächig und längerfristig beeinträchtigt oder zerstört wären, Rohrbrüche zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führten. Die Leiter der Studie (die Professoren Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt sowie Dr. Winfried Wilke) stehen vor der Aufgabe, in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, Behörden und Logistikunternehmen die Lieferkette und somit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten bzw. zu optimieren.

Sie stellten umfangreiche Recherchen an im Zuge von Umfragen mit allen entscheidenden beteiligten Personen bzw. Institutionen und Organisation, um herauszubekommen, wo es neben bereits bestehenden und bewährten Maßnahmen weitere Möglichkeiten gibt. So wurden das Bayerische Rote Kreuz, die Stadtwerke, die Polizei, die Regierung von Unterfranken, das Landratsamt sowie das Technische Hilfswerk als Experten befragt. Darüber hinaus wurden auch die Ergebnisse der Diplomarbeit von Cansin Can „Technische Systemanalyse zur Verbesserung der Katastrophenhilfe“ herangezogen und ausgewertet.

Professor Dr. Peter Bradl stellte in diesem Zusammenhang das FHWS-Forschungsinstitut IREM (Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagement) vor: Das interdisziplinär agierende Institut ist darauf ausgerichtet, Abläufe im Bereich Rettungswesen bzw. im Gefahrenmanagement fachübergreifend zu erforschen – drei Masterarbeiten zu diesem Themenkomplex sind gegenwärtig in Bearbeitung, zwei Forschungsanträge beim Bundesministerium für Bildung und Forschung wurden eingereicht. Auftraggeber sind Hilfsorganisationen, Unternehmen, die Bundeswehr, öffentliche Mitarbeiter im Katastrophenschutz, Gesundheitsvorsorge-Anbieter, Krankenkassen sowie Nichtregierungsorganisationen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen u.a. ein in die Qualifizierung von Mitarbeitern, die in der Rettung tätig sind.

Um dem Bedürfnis der Bevölkerung nach einer möglichst optimalen Versorgung und einer funktionierenden Infrastruktur auch in Notfällen nachkommen zu können, empfehlen die Studienleiter die Bereitstellung eines EDV-Systems bzw. Tools, das alle logistischen Anforderungen und Lösungsansätze aufweist. Essentiell sei u.a. die Weitergabe von Daten und Informationen an alle beteiligten und eingebundenen Akteure, eine echtzeitbasierte Routenplanung für die Aufrechterhaltung der Lieferkette sowie eine Katastrophen-Frühwarnfunktion.

In diese Datenbank sollten mögliche, manchmal sicher auch sehr kreative und spontane Lösungen bei Ausfällen einfließen: So könnten beispielsweise bei einem Stromausfall Photovoltaikanlagen auf Fahrzeugdächern zur Stromversorgung herangezogen werden, mobile Windkraftanlagen zur Energiegewinnung genutzt oder eine flächendeckende Vorhaltung von Ersatzstromgeneratoren zur Einspeisung ins öffentliche Netz angelegt werden. Sollte das Kommunikationsnetz ausfallen, könnte man alternativ auf Feldtelefone oder analoge Funktechnik zurückgreifen, auf Kradmelder oder auf Brieftauben. Ebenso wären Drohnen oder Reiter in unwegsamem Gelände denkbar.

Da häufig die Verkehrswege unpassierbar geworden sind durch Naturkatastrophen, könnten geländegängige Fahrzeuge bereitgehalten werden, „Sondermöglichkeiten“ wären ggf. auch Pferde, Hartschalenboote, Träger oder Ballone. Sind für die Navigation in unbekanntem Gelände keine Führungsmittel mehr vorhanden, wäre die Ausstattung mit topografischem Kartenmaterial realisierbar. Entscheidend sei der Aufbau eines dynamischen sogenannten „Resource Planning Systems“ (eines Katastrophen-Systems) zur Führungsunterstützung.

Ziel der Studie sowie des Engagements des IAL sowie des IREM ist es, einen wissenschaftlichen Beitrag zu leisten in der Katastrophenforschung, Schwachstellen herauszufinden und diese zu beheben. Die Erkenntnisse sollen in die Lehre sowie Weiterbildung von Mitarbeitern eingebunden, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben als Experten sinnvoll integriert werden in den Katastrophenschutz und dessen Management. Die IHK Würzburg-Schweinfurt hat für dieses Projekt erstmalig den FH-Förderpreis der Mainfränkischen Wirtschaft als Anschubfinanzierung übergeben, eine weitere Summe stellte die Gesellschaft der Förderer und Freunde der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt e. V. zur Verfügung.

Es waren sich alle Teilnehmer der Abschlusskonferenz einig, dass die Interaktion mit allen behördlichen und nicht behördlichen Einsatzkräften mit den wissenschaftlichen Experten weitergehen soll. Hierzu richtet das IAL einen Arbeitskreis „Katastrophenmanagement“ ein, der regelmäßig stattfinden soll und zudem weitere Teilnehmer gezielt eingeladen werden sollen.

Katja Klein | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fhws.de

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