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Fernsehen schadet der Sprache von Kleinkindern

14.01.2009
Pädiatrist fordert Einschränkungen gegenüber Kinder-TV-Angeboten

Das Fernsehen schadet der Entwicklung von Kleinkindern und ist eine schlechte Beschäftigungsform. Zu diesem Schluss kommt Dimitri Christakis vom Seattle Children Research Institute der University of Washington in einer im Fachjournal Acta Paediatrica veröffentlichten Studie, die Ergebnisse aus 78 bisherigen Forschungen zum Thema zusammenfasst.

Neun von zehn Kindern unter zwei Jahren sehen demnach regelmäßig fern und verbringen trotz ständiger Warnungen bis zu 40 Prozent ihrer Wachzeit vor dem Bildschirm. Eltern sollten ihre Kinder nur mit großer Vorsicht vor den Fernseher setzen. Denn das Fernsehen störe besonders Sprachentwicklung, kognitive Fähigkeiten sowie die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit des Kindes, so der US-Forscher.

Die zahlreichen Kinder-Fernsehprogramme und die vielerorts angebotenen Baby-DVDs können laut einer thailändischen Studie die Sprachentwicklung verzögern. Mit 14 Monaten imitieren Babys bereits, was sie am Bildschirm sehen. Doch sie lernen schlechter als im echten Leben, geht aus einer chinesischen Studie hervor, die Kinder vor einen Mandarin-Sprecher und vor ein Video mit derselben Person setzte. Die Kleinkinder imitierten die Worte besser beim tatsächlich anwesenden Sprecher. Häufiger TV-Konsum vor dem dritten Lebensjahr wird zudem mit Aufmerksamkeitsproblemen und geschwächten Lese- und Merkfähigkeiten verbunden, zeigten andere Forschungen.

Die Schlüsselrolle für den Umgang mit dem TV-Gerät besitzen die Eltern. Jeder dritte Elternteil gab in einer US-Studie aus dem Jahr 2007 an, das Fernsehen sei "gut für das Gehirn" der Kleinen. Für diese Behauptung gibt es jedoch keine medizinische Bestätigung, so Christakis. Jedes fünfte Elternteil sagte in einer anderen Untersuchung, der Fernseher werde eingesetzt, wenn man "Zeit für sich selbst" brauche. Auch wenn der Studienautor dieses Motiv nachvollziehen kann, solle man diese Haltung nicht aktiv fördern.

Gründe für die negativen Auswirkungen der Flimmerkiste liegen für Christakis vor allem in der Beschaffenheit der gezeigten Inhalte: "Das Fernsehen konfrontiert mit schnell wechselnden, aufflackernden Bildern sowie mit Ton- und Szenenwechseln, die die sich erst entwickelnden Gehirne von Kleinkindern zu sehr stimulieren." Außerdem ersetze das TV-Gerät andere, wichtigere Aktivitäten wie das Spielen oder die mit den Eltern verbrachte Zeit. "Es gibt keine Studie, die positive Folgen des Fernsehens in der frühen Kindheit belegt", betont der Pädiatrist.

Mehr Einschränkungen gegenüber den Vertreibern von TV-Programmen und Filmen für Kinder seien erforderlich. "Ihre Produktnamen und Testimonials führen die Eltern in die Irre." Bessere Informationen für Eltern über den Gesundheitsaspekt böten zusätzlich Schutz gegenüber den aggressiven Marketingstrategien der Wirtschaft, so die Forderung des Kinderarztes.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://research.seattlechildrens.org

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