Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fernsehen bildet!

25.11.2010
Forscher der Universität Jena analysieren die Wirkung von Wissenschaftsbeiträgen in den Medien

Fernsehen bildet! Diese Aussage trifft zumindest auf die meisten heutigen Wissenschaftssendungen des deutschen Fernsehens zu. Allerdings: „Information allein reicht nicht aus, damit Wissenschaft verständlich wird“, sagt Prof. Dr. Georg Ruhrmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Der Kommunikationswissenschaftler und sein Team haben in mehreren Forschungsprojekten untersucht, wie Fernsehen und andere Medien über Wissenschaft berichten und wie das bei Zuschauern und Lesern ankommt. Die Forschungsergebnisse liegen jetzt in Buchform vor: „Molekulare Medizin und Medien“ heißt der Band, der von Prof. Ruhrmann und seinen Mitarbeiterinnen Dr. Jutta Milde und Arne Freya Zillich herausgegeben worden ist.

In ihrer Studie beleuchten die Jenaer Kommunikationswissenschaftler die mediale Berichterstattung zu medizinisch-technischen Innovationen im Zeitraum zwischen 1995 und 2004. „Die Mediendarstellung ist in dieser Zeit deutlich ausgewogener und hintergründiger geworden“, unterstreicht Prof. Ruhrmann. So dominierten bis weit in die 1990er Jahre hinein Berichte über die möglichen Risiken etwa der Gentechnik, betont Ruhrmann und erinnert an die Debatte, die das Klonschaf „Dolly“ im Jahr 1997 weltweit ausgelöst hat. Diese Risiko-Orientierung sei inzwischen einer eher nutzenorientierten Berichterstattung gewichen, so der Inhaber des Lehrstuhls für Grundlagen der medialen Kommunikation und der Medienwirkung der Uni Jena. „Außerdem ist ein deutlicher Trend zur Versachlichung der Diskussion unverkennbar.“ Während das Klonschaf „Dolly“ vorwiegend Politiker in die Medienarena gerufen habe, dominierten mittlerweile sowohl in der Presse als auch im Fernsehen die Wissenschaftler selbst den Diskurs.

„Vor allem der TV-Wissenschaftsjournalismus hat sich in den letzten Jahren weiter differenziert“, so Prof. Ruhrmann. Inhaltlich sei er serviceorientierter und unterhaltsamer geworden. Außerdem gebe es mehr und bessere Bilder, die umfassender und journalistischer eingeordnet und erklärt werden. Dies sei ein Gewinn für die Zuschauer, unterstreicht der Jenaer Medienbeobachter. „Denn Zuschauer fühlen sich dann vor allem umfassend informiert, wenn die Themen in einen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, verbraucherpolitischen oder auch wissenschaftlichen Zusammenhang gestellt werden.“

Gerade das Wissenschaftsfernsehen nutze zunehmend seine besonderen Möglichkeiten der Wissensvermittlung. „Bilder und Filmbeiträge wirken viel eindringlicher und stärker als gelesene oder gesprochene Texte“, weiß Medien-Experte Ruhrmann. Es treffe nicht zu, dass Laien Wissenschaft erst dann verstehen würden, wenn sie möglichst umfassend und mit als evident deklariertem Fachwissen versorgt würden.

Insgesamt, so das Fazit der Jenaer Kommunikationswissenschaftler, lasse sich empirisch zeigen, dass aus der vergleichsweise kontroversen Diskussion von molekular-medizinischen Themen in den deutschen Medien während der zurückliegenden Jahre eine öffentliche Akzeptanz erwachsen ist. „Diese erweist sich als nachhaltig“, so Studienleiter Ruhrmann. In den USA, wo professioneller Wissenschaftsjournalismus diese Kontroversen nicht kannte, stellen heute u. a. evangelikale Fundamentalisten biowissenschaftliche Erkenntnisse in Frage. Hierzulande steht die Bevölkerung der modernen Biologie und Medizin mehrheitlich aufgeklärt und aufgeschlossen gegenüber.

Bibliografische Angaben:
Georg Ruhrmann, Jutta Milde, Arne Freya Zillich (Hg.): „Molekulare Medizin und Medien. Zur Darstellung und Wirkung eines kontroversen Wissenschaftsthemas“, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, 227 Seiten, Preis 29,95 Euro, ISBN 978-3-531-17385-6
Kontakt:
Prof. Dr. Georg Ruhrmann
Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944930
E-Mail: georg.ruhrmann[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten