Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feldstudie zum Einfluss antibakterieller Kleidung auf Hautflora und Mikroklima

14.01.2011
Versuche zeigen, dass die natürliche Hautflora selbst bei dauerhaftem Tragen nicht beeinflusst wird

Antimikrobielle Textilien haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Sei es im Bereich technischer Textilien zur Infektionsprophylaxe, medizinisch-therapeutischer Kleidung zur Therapieunterstützung bei Neurodermitis oder bei Sport- und Outdooraktivitäten als Anti-Smell-Ausrüstung. Die meisten derzeit am Markt befindlichen antimikrobiellen Kleidungsstücke sind mit Silber dotiert.

Trotz des positiven Images von Silber und der jahrzehntelangen problemlosen Verwendung in anderen Bereichen wie z. B. der Trinkwasseraufbereitung sind die Käufer antibakterieller Kleidung durch z. T. sehr kontrovers geführte Diskussionen und die Berichterstattung in den Medien verunsichert. Hinzu kommt, dass die Frage nach der Produktsicherheit, speziell im Hinblick auf mögliche negative Einflüsse auf die Hautflora und das Mikroklima der Haut bisher wissenschaftlich nicht untersucht wurden. Insbesondere dann, wenn antibakterielle Chemiefasern zu körpernaher Kleidung wie Unterwäsche verarbeitet werden, ist die Skepsis der Verwender bislang groß.

Diese Sicherheitsfrage wurde bislang wissenschaftlich nicht untersucht. In einem nun abgeschlossenen Forschungsprojekt (AiF-Nr. 15537 N), das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) finanziert wurde, konnten Hohenstein Forscher diesen Sachverhalt in einer groß angelegten Feldstudie klären.

An dieser Tragestudie nahmen insgesamt 60 gesunde Personen über einen Zeitraum von jeweils 6 Wochen teil. Zur Durchführung der Studie wurden spezielle T-Shirts gefertigt, die auf einer Seite antibakterielle Aktivitäten aufwiesen (Verum), während die andere Hälfte als nicht-antibakterielles Placebo diente (Abb. 1). Zum Vergleich wurde sowohl ein antibakterielles Spinnadditiv untersucht (eine Silber-haltige Polyesterfasern), als auch eine antibakterielle Silber-enthaltende Ausrüstung. Vor der Studie wurde die antibakterielle Aktivität der Muster in einem Laborversuch mit Testkeimen wie Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumonia überprüft. Nun mussten die T-Shirts von den Probanden über einen Zeitraum von 4 Wochen täglich mindestens 8 Stunden getragen werden. Wöchentlich wurden verschiedene Parameter der Hautflora und des Mikroklimas untersucht. Während der gesamten Testphase wurden die Probanden dieser Placebo-kontrollierten intra-individuellen rechts/links Tragestudie von einem Dermatologen gesundheitlich überwacht und die Probestelle an der Haut dermatologisch bewertet.

Zu Beginn des Trageversuchs, während, aber auch nach Beendigung der Versuchsreihe wurden bei sämtlichen Probanden die typischen Hautkeim-Vertreter einer natürlichen Hautflora gefunden. Zu keinem Zeitpunkt tauchten Krankheitserreger (pathogene) Keime auf. Die individuellen Unterschiede zwischen den Probanden lagen, im Vergleich zu Angaben zur Hautflora aus der Literatur, alle im normalen Bereich. Es konnte weder bei einzelnen Probanden, noch bei der Betrachtung des gesamten Probandenkollektivs oder Teilen dessen, ein Einfluss der Textilfasern auf die Hautflora festgestellt werden. Das Ergebnis dieser Feldstudie unterstreicht damit Daten aus der Literatur, wonach die gesunde menschliche Hautflora als sehr stabil gilt. Insbesondere ergab sich kein signifikanter Unterschied in den Gesamtkeimzahlen im Vergleich zwischen der funktionalisierten (Verum) und der Kontroll-Seite (Placebo). Ebenso konnten keine Verschiebungen im individuellen Keimspektrum der Probanden beobachtet werden, die sich ursächlich auf die funktionalisierte Textilfaser zurückführen ließen.

Neben der Hautflora wurde auch das Mikroklima der Haut untersucht. Hierunter versteht man die dünne Schicht zwischen Hautoberfläche und der Textilinnenseite, in der sich abhängig von Textilfaser und -konstruktion, eine eigene Feuchtigkeit, Luftströmung und Temperatur einstellt, welche sich einerseits auf das Komfortempfinden auswirkt, andererseits aber auch die Lebensbedingungen der Hautkeime beeinflusst. Drei hautphysiologische Parameter des Mikroklimas wurden untersucht: Der Wasserdampfverlust der Haut (transepidermaler Wasserverlust TEWL, als direktes Maß für die Barriereleistung der Haut), die Hautfeuchtigkeit sowie der pH-Wert. Einen signifikanten Einfluss der funktionalisierten (Verum) oder der Kontroll-Seite (Placebo) auf den Wasserdampfverlust der Haut konnte nicht festgestellt werden. Die antibakteriellen Fasern hatten damit keinen Effekt auf die Hautbarriere. Ebenso wenig änderte sich der Haut-pH-Wert der Probanden, sowie deren Hautfeuchtigkeit. Keine der Testpersonen zeigte dermatologische Veränderungen wie z.B. zunehmende Trockenheit, oder Entzündungen.

Zusammengefasst zeigten sich in dieser Feldstudie die Hautflora sowie das Mikroklima der gesunden Haut unter dem Einfluss antibakterieller T-Shirts, die direkt auf der Haut getragen wurden, unbeeinflusst: Eine Beeinträchtigung der Hautflora, d.h. eine Veränderung der Gesamtkeimzahl auf der Haut oder eine Verschiebung im Keimspektrum konnte nicht festgestellt werden. Diesbezüglich konnten die antibakteriellen Textilien als unbedenklich eingestuft werden. Gegenüber Bakterien, die mit dem Schweiß in das die Maschenware gelangen, sind die antibakteriellen Textilien dennoch wirksam, wie frühere Untersuchungen belegen. Ihre Daten können die Forscher nun als Publikation in einem international anerkannten Fachjournal der Dermatologie einreichen.

Kontakt:
Hohenstein Institute
Prof. Dr. Dirk Höfer
d.hoefer@hohenstein.de

Rose-Marie Riedl | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie