Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fahrradunfälle in Münster: UKM-Studie erforscht Verletzungsmuster

25.02.2009
Unfalldaten werden ein Jahr lang im ganzen Stadtgebiet erhoben / Kooperation mit Polizei, Unfallforschung der Versicherer und Münsteraner Krankenhäusern

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) und die Polizei Münster untersuchen in diesem Jahr in einer Langzeitstudie die Unfallfolgen von Radfahrern. Konkret sollen das Verletzungsmuster von Fahrradunfällen im Zusammenhang mit dem Unfallmechanismus, das Alter der Verunglückten und die Unfallörtlichkeit im gesamten Münsteraner Stadtgebiet analysiert werden.

Diese Erhebung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Clemens-Hospital, dem St. Franziskus-Hospital, der Raphaelsklinik, dem Evangelischen Krankenhaus, dem Herz-Jesu Krankenhaus Hiltrup sowie der "Unfallforschung der Versicherer" (UDV) in Berlin.

Dabei steht u.a. im Vordergrund, wie die Schwere der Verletzung mit getragener bzw. nicht getragener Schutzausrüstung wie Fahrradhelmen und beispielsweise dem Zusammenprall mit einem Kraftfahrzeug oder einem Fahrradsturz zusammenhängt. Zudem wollen die Mediziner der Klinik für Unfall-, Hand-, und Wiederherstellungschirurgie des UKM und die Unfallanalysten der Polizei untersuchen, ob bzw. an welchen Orten sich bestimmte Verletzungsmuster häufen und ob eine spezielle Personengruppe besonders oft von Fahrradunfällen betroffen ist.

"Das Fahrrad ist das am meisten genutzte Verkehrsmittel in Münster. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Daten zu Fahrradunfällen, sowohl in den Krankenhäusern und auch bei der Polizei. Allerdings bieten die bestehenden Datenquellen keine vollständige Übersicht über das ganze Stadtgebiet. In der Studie wollen wir nun, in anonymisierter Form und natürlich unter strenger Beachtung des Datenschutzes, eine umfassende Erhebung durchführen. Gibt es etwa eine besonders gefährdete Altersgruppe an einem speziellen Ort? Welche Verletzungen tauchen am häufigsten auf?", beschreibt Klinikdirektor Prof. Dr. Michael J. Raschke einige Aspekte der Studie. Die Ergebnisse der Studie sollen auch zu einer weiteren Optimierung bei der Behandlung und Betreuung der Unfallopfer beitragen.

Udo Weiss, Leiter der Verkehrsdirektion im Münsteraner Polizeipräsidium, nennt deutliche Zahlen: "Im Jahr 2007 wurden 639 Radfahrerinnen und Radfahrer in Münster bei Verkehrsunfällen verletzt. Ein Mensch verlor sein Leben. Das Fahrrad boomt, der "Modal Split" (Verkehrsanteil) liegt in Münster über dem der Kfz-Fahrten und das löst natürlich Nebenwirkungen aus. Wir haben aktuell eine eigene Unfallbrennpunktkarte speziell für Radfahrunfälle erstellt und erhoffen uns eine Aufhellung des Dunkelfeldes, noch exaktere Kenntnisse über Zielgruppen und gefahrenträchtige Örtlichkeiten, um dies in der Prävention und unseren anderen Handlungsfeldern auch gemeinsam mit der Stadtverwaltung und anderen Ordnungspartnern umsetzen zu können." So sei etwa die Anzahl von Senioren, die beim Radfahren Opfer eines Unfalles werden, in den vergangenen drei Jahren in Münster spürbar angestiegen. Sollten sich zudem weitere regionale Schwerpunkte von Fahrradunfällen herausstellen, müsste auch über technische Maßnahmen an diesen Orten nachgedacht werden, so Weiss.

Um ein umfassendes Bild der Verletzungsmuster zu bekommen, erfolgt die Datenerhebung durch Fragebögen in den unfallchirurgischen Abteilungen der Münsteraner Krankenhäuser und durch die Daten der Polizei. Am UKM werden die Daten zusammengeführt und gemeinsam mit allen Studienpartnern statistisch ausgewertet. Zu den Inhalten zählen Angaben zum Unfallhergang, zur Schutzausrüstung, zum Unfallgegner, zur geschätzten Geschwindigkeit beim Unfall, zur Versorgung am Unfallort und natürlich zum Verletzungsmuster. Ein wichtiger Aspekt sind auch die volkswirtschaftlichen Folgen von Fahrradunfällen.

Die "Unfallforschung der Versicherer" (UDV), die die Stadt Münster bereits im Rahmen der "Ordnungspartnerschaft Verkehrsprävention" unterstützt hatte, hat die Formblätter für die Erhebung technischer Daten erstellt und am Entwurf der medizinischen Formblätter mitgearbeitet. Außerdem übernimmt die UDV die Finanzierung der Kosten der Studie.

Der Studienzeitraum beläuft sich vom 1. Februar 2009 bis zum 31. Januar 2010. Ein weiterer Nebeneffekt der Studie: Projektmitarbeiterin Katharina Chu wird über dieses Thema ihre Doktorarbeit an der Medizinischen Fakultät schreiben. Die Studienkoordinatoren Dr. Christian Juhra und Britta Wieskötter (UKM): "Ein gutes Projekt, an dem viele gemeinsam mitarbeiten. Die Ergebnisse der Studie stehen allen Partnern zur Verfügung und sollen helfen, den Radverkehr noch sicherer zu machen."

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise