Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fahren unter Strom: Können Elektroautos einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

18.03.2010
Das Öko-Institut geht dieser Frage in einer Reihe von neuen Forschungsvorhaben nach / Zusammenarbeit mit SAP, Daimler und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft

Das Interesse an Elektroautos nimmt zu - auf Seiten der Automobilhersteller und der Energiekonzerne, aber auch in Politik und Gesellschaft. Doch damit elektrisch angetriebene Fahrzeuge in großer Stückzahl auf den Markt kommen können, müssen noch zahlreiche Herausforderungen bewältigt werden.

Das Öko-Institut hat jetzt eine Reihe von neuen Forschungsvorhaben gestartet und will dazu beitragen, Wissenslücken beim Thema Elektromobilität zu schließen. "Wir werden wissenschaftlich fundiert prüfen, unter welchen Bedingungen Elektroautos die Umwelt entlasten", sagt Dr. Wiebke Zimmer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Öko-Institut und Expertin für nachhaltige Mobilität. "Nur so können die entsprechenden politischen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derart gestaltet werden, dass die Elektromobilität langfristig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann."

Die neuen Projekte im Überblick:

Wer beeinflusst wen? Elektroautos und der Energiemarkt
Wie attraktiv und akzeptiert sind unterschiedliche Konzepte von Elektromobilität in der Gesellschaft? Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen elektrisch betriebenen Fahrzeugen und dem Stromsektor? Welche Umweltauswirkungen ergeben sich? Wie müssen die politischen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgestaltet werden, so dass Elektroautos langfristig dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen im Verkehr entscheidend zu verringern. Zusammen mit dem Institut für Sozial-Ökologische Forschung (ISOE) untersucht das Öko-Institut in dem Projekt "Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen - Integrierte Betrachtung von Fahrzeugnutzung und Energiewirtschaft" diese Fragen. Dieses Forschungsvorhaben wird vom Bundesumweltministerium gefördert.
Elektroautos beim Software-Entwickler SAP
Lassen sich Elektroautos in Betriebsflotten integrieren? Wo können die Unternehmen sie als Dienstwagen am besten einsetzen? Werden sie von den Fahrern angenommen und verändert sich deren individuelles Mobilitätsverhalten? Diesen Fragen geht das Öko-Institut gemeinsam mit dem Institut für Sozial-Ökologische Forschung (ISOE) und der Hochschule Mannheim am Beispiel des Software-Entwicklers SAP nach. Die Experten begleiten den Einsatz von Elektrofahrzeugen als Firmenwagen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Die Testflotte soll mit Öko-Strom geladen werden, den der regionale Energieversorger MVV liefert. Ab Sommer 2010 werden Elektroautos verschiedener Hersteller getestet. Auch das Projekt "Future Fleet" wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Weitere Informationen unter: http://www.futurefleet.de

Batterie-Recycling: Zusammenarbeit mit Daimler AG, Umicore und TU Clausthal
Wie lassen sich Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen umweltverträglich und effizient recyceln? Ein Konsortium aus der Daimler AG, dem Unternehmen Umicore und der TU Clausthal entwickelt zu dieser Frage ein realisierbares Konzept. Die Partner betrachten dabei die gesamte Prozesskette - angefangen vom demontagegerechten Batteriedesign über Logistikprozesse (Sammlung, Transport, Lagerung) und Demontage bis hin zur Rückgewinnung der Wertstoffe (Lithium, Kobalt etc.). So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um später das Recycling im großen Stil realisieren zu können. Schwerpunkt der Öko-Instituts-Wissenschaftler: Sie erstellen Öko-Bilanzen, um die Umweltverträglichkeit der Prozesse zu prüfen. Das Projekt "LiBRi" wird vom Bundesumweltministerium gefördert.
Kritische Analyse des internationalen Wissensstands und offene Fragen zu Elektromobilität
Bereits abgeschlossen ist eine kritische Literaturanalyse zum aktuellen Stand der Technik und zu den Umweltauswirkungen, die eine Einführung von Elektroautos im großen Stil in Europa hätte. Im Auftrag der Europäischen Umweltagentur (EEA) haben Wissenschaftler des Öko-Instituts für das "European Topic Centre on Air and Climate Change" mehr als 400 Literaturquellen ausgewertet. Damit liegt nun eine ausführliche Analyse des aktuellen Wissensstands vor. Herausgearbeitet haben die Wissenschaftler zudem weitere dringende Forschungsfragen, die zur fundierten Bewertung von Elektromobilität adressiert werden müssen.

http://air-climate.eionet.europa.eu/reports/ETCACC_TP_2009_4_electromobility

Der Hintergrund:
Um beurteilen zu können, welche Emissionsbilanz Elektrofahrzeuge haben, müssen die gesamten Emissionen im Vergleich zu konventionellen Autos betrachtet werden. Zwar stoßen Elektroautos bei der Fahrt kein klimaschädliches CO2 aus, bei der Stromherstellung können jedoch hohe Emissionen entstehen. Nur wenn das "grüne" Auto mit Strom aus regenerativen Energien gespeist wird, ist es ein echter Gewinn für die Umwelt.

Weiteres Problem: Eine Markteinführung in großer Stückzahl hätte Auswirkungen auf die Rohstoffnachfrage, da diverse, zum Teil seltene Metalle in Batterien und Elektromotoren verarbeitet werden. Auch beim Recycling der Elektroautos müssen daher neue Wege beschritten werden.

AnsprechpartnerInnen:

Elektromobilität:
Dr. Wiebke Zimmer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: 030/40 50 85-363
E-Mail: w.zimmer(at)oeko.de
Batterie-Recycling:
Dr. Matthias Buchert
Leiter des Institutsbereichs Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon 06151/81 91-47
E-Mail: m.buchert(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/
http://www.oeko.de/mitmachen
http://air-climate.eionet.europa.eu/reports/ETCACC_TP_2009_4_electromobility

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Innovationsindikator 2017: Deutschland auf Platz vier von 35, bei der Digitalisierung nur Rang 17
24.07.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie