Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europas Biodiversität als Spiegel der wirtschaftlichen Entwicklung von gestern – Rote Listen werden länger

16.04.2013
Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des 20. Jahrhunderts hat Europas Flora und Fauna unter Druck gebracht. Nationale Rote Listen bewerten im Schnitt 20 bis 40 Prozent der heimischen Arten als gefährdet.

Die reale Bedrohungssituation könnte allerdings noch größer sein, weil sich Umweltzerstörungen oft mit langer Verzögerung auf die biologische Vielfalt auswirken. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscher-Team, an dem auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) beteiligt ist. Die Ergebnisse der Studie werden heute von der angesehenen US-amerikanischen Fachzeitung PNAS veröffentlicht.

Die Ökologen sehen einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Situation europäischer Länder und dem Zustand der nationalen Flora und Fauna. In dichter besiedelten und wirtschaftskräftigeren Ländern ist der Druck auf die Lebensräume von Tieren und Pflanzen stärker und damit der Anteil gefährdeter Arten höher. Daran haben auch die stärkeren Investitionen in Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen bislang wenig geändert.

Der Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft eines Landes und der Bedrohung seiner Flora und Fauna wurde in anderen Studien bereits betont. In seiner neusten Arbeit zeigt das Forscherteam, dass nationale Rote Listen historische sozio-ökonomische Verhältnisse deutlich besser widerspiegeln als aktuelle. Die Ökologen haben Daten zu Besiedelungsdichte, Bruttosozialprodukt und Landnutzungsintensität aus den Jahren 1900, 1950 und 2000 in Zusammenhang mit den aktuellen Roten Listen verschiedener Tier- und Pflanzengruppen aus 22 europäischen Ländern analysiert und einen klaren Trend gefunden: "Demographische und wirtschaftliche Daten vom Anfang des 20. Jahrhunderts erklären die Gefährdung von Arten in Europa sehr viel deutlicher als aktuelle Daten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Folgen unseres Handelns auf die biologische Vielfalt erst in Jahrzehnten umfassend sichtbar werden und heißt, dass sich eine sofortige Abkehr von schädlichem Verhalten erst nach einigen Jahrzehnten bemerkbar macht. Daher muss so schnell wie möglich gehandelt werden", erläutert Biologe Dr. Ingolf Kühn, der seitens des UFZ an der Studie beteiligt war.

Tatsächlich hat sich die Einflussnahme des Menschen auf die europäische Flora und Fauna im Laufe des 20. Jahrhunderts massiv verstärkt. Durch die Zerstörung von Lebensräumen, eine vermehrte Schadstoffbelastung, Klimawandel und biologische Invasionen geraten die heimische Tier- und Pflanzenwelt immer stärker unter Druck. Die Forscher erwarten daher, dass die Roten Listen während des 21. Jahrhunderts bedeutend länger werden und viele der aktuell bedrohten Arten tatsächlich aussterben könnten, wenn nicht rechtzeitig und ausreichend in Gegenmaßnahmen investiert wird.

Die Studie wurde von der EU im Rahmen des Forschungsprojektes ECOCHANGE, vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), dem deutschen Helmholtz-Forschungsbereich "Erde und Umwelt" und der Tschechischen Republik gefördert. Geleitet wurde die Studie von Stefan Dullinger, Universität Wien, und Franz Essl, österreichisches Umweltbundesamt.

Publikation
Stefan Dullinger, Franz Essl, Wolfgang Rabitsch, Karl-Heinz Erb, Simone Gringrich, Helmut Haberl, Karl Hülber, Vojtech Jarošík, Fridolin Krausmann, Ingolf Kühn, Jan Pergl, Petr Pyšek, & Philip E. Hulme 2013: Europe's other debt crisis caused by the long legacy of future extinctions. - Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), published online early on April 15, 2013. http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1216303110
Rückfragen an:
Dr. Ingolf Kühn
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
T 0345/5585-311, Ingolf.kuehn@ufz.de
oder über:
Susanne Hufe
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Pressestelle
0341/235-1630, Susanne.hufe@ufz.de
oder über:
Mag. Veronika Schallhart
Universität Wien
Öffentlichkeitsarbeit
T +43-1-4277-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at
oder über:
Mag. Sabine Enzinger
Umweltbundesamt Österreich
Pressestelle
T +43-1-313 04-5488
sabine.enzinger@umweltbundesamt.at
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg etwa 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Stefan Dullinger/Susanne Hufe | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Auf den Spuren der Entstehung von Kondensationstropfen

28.02.2017 | Physik Astronomie