Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Kooperation bei erneuerbarer Energie als Wirtschaftschance für Österreich

11.03.2013
Österreich sollte sein von der EU gefordertes Ziel für erneuerbare Energie übererfüllen und mit anderen EU Staaten bei der Zielerreichung kooperieren, sagt eine Studie von JOANNEUM RESEARCH, TU Wien und Wegener Center.

Bis zum Jahr 2020 soll ein Anteil von 20% des in den EU-Staaten benötigten Endenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen abgedeckt werden. Nachdem Alternativenergie heute in Europa aber in recht unterschiedlichem Ausmaß genutzt wird und die Länder von unterschiedlichen Niveaus losstarten, wurden für die einzelnen Länder auch unterschiedliche Zielsetzungen vereinbart:

Österreich soll bis 2020 folglich 34% seiner Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Eine Studie, gefördert im Rahmen des Klima- und Energiefonds, erstellt von der TU Wien und dem Wegener Center der Universität Graz unter der Leitung von JOANNEUM RESEARCH zeigt auf, welche gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eine Einhaltung, eine Verfehlung oder auch eine Übererfüllung dieses Wertes hätte. Das Resultat: Für Österreich wäre es wirtschaftlich sinnvoll, das Ziel sogar noch zu übertreffen und einen Anteil von 36% anzustreben.

Österreich könnte sein Ziel übererfüllen und Kooperationsmechanismen nutzen

Schon heute liegt der Anteil der erneuerbaren Energie in Österreich bei 31% - ein Ausbau auf die gewünschten 34% bis 2020 ist daher durchaus realistisch. Mit entsprechenden Maßnahmen könnten allerdings auch 36% erreicht werden – und das könnte sich für Österreich bezahlt machen: Um einen Ausbau erneuerbarer Energien dort zu ermöglichen, wo sie am billigsten sind, wurden durch die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen („RES-Richtlinie“, 2009/28/EC) sogenannte Kooperationsmechanismen etabliert. Staaten, die ihre Ziele nicht auf Basis nationaler Potentiale erreichen können oder wollen, können so Alternativenergie-Anteile von anderen Staaten zukaufen.

„Aus heutiger Sicht ist klar davon auszugehen, dass einige Länder Probleme haben, ihre Vorgaben zu erfüllen. Österreich könnte diese Nachfrage bedienen und bei Übererfüllung des 34%-Ziels Geld verdienen – und hätte außerdem ein „Sicherheitspolster“ für den Fall, dass unvorhergesehene Entwicklungen die Situation verschlechtern“, erklärt Gustav Resch von der Energy Economics Group der TU Wien. Österreichs Alternativenergie-Potenzial kann relativ kostengünstig erschlossen werden, daher wäre eine Verfehlung der 34%-Vorgabe und ein damit verbundener möglicherweise teurer Zukauf von Erneuerbaren Anteilen aus anderen Staaten wirtschaftlich unklug.

Massiver Ausbau der Erneuerbaren - oder verstärktes Energiesparen

Zwei verschiedene Strategien stehen zur Verfügung, um die Ziele zu erreichen: Österreich könnte sich primär darauf konzentrieren, mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen – das würde allerdings einen massiven Ausbau erfordern. Die zweite mögliche Strategie ist, neben einem moderateren Ausbau erneuerbarer Energieträger zusätzlich auch noch verstärkt in Energieeffizienz zu investieren, also beispielsweise in eine Steigerung der Sanierungsrate im Gebäudebereich, um das Wachstum des Gesamt-Energieverbrauchs einzudämmen. Das Forschungsteam untersuchte beide Varianten. Für beide Strategien lassen sich Szenarien entwickeln, in denen die Vorgabe von 34% erneuerbarer Energie erreicht, knapp verfehlt oder übererfüllt wird. Die wirtschaftlichen Folgen all dieser Szenarien wurden untersucht.

Wenn auf Schritte zur deutlichen Erhöhung der Energieeffizienz verzichtet wird, ist eine Erweiterung und Erhöhung von Förderungen für erneuerbare Energie nötig. Die zum Teil beträchtlichen Subventionen würden sich zwar kurzfristig positiv auf den österreichischen Arbeitsmarkt auswirken, ein großer Teil der nötigen Technologie würde aber aus dem Ausland eingekauft werden. Dadurch würde sich die österreichische Leistungsbilanz verschlechtern. Investitionen in Energieeffizienz hingegen bedingen kurzfristig sehr hohe Investitionen, haben aber über einen langen Zeitraum positive ökonomische und „externe“ Umwelteffekte, beispielsweise reduzieren sie den Einsatz von importierten Energieträgern und bringen eine Reduktion der Treibhausgasemissionen und Luftschadstoffe mit sich.

Empfehlung: 36% erneuerbare Energie, mehr Effizienz, Nutzung der Kooperationsmechanismen

„Unsere Empfehlung ist, einen Anteil erneuerbarer Energien von 36% anzustreben, und dabei sowohl auf einen weiteren verstärkten Ausbau von der Erneuerbaren, als gleichzeitig auch auf eine starke Erhöhung der Energieeffizienz zu setzen“, sagt Gustav Resch. „Besonders wenn man langfristige ökonomische Effekte berücksichtigt und auch externe Effekte wie Umwelteinflüsse in die Berechnungen mit einbezieht, stellt sich das als die beste Variante heraus.“ Gleichzeitig könnte Österreich durch Verkauf von erneuerbaren Anteilen an andere EU Staaten bereits vor 2020 Erlöse generieren und zu einer gesamteuropäisch kosteneffizienten Zielerreichung beitragen.

Die Forschungsergebnisse resultierten aus dem Projekt REFLEX, ein Projekt das aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert wurde und im Rahmen des Programms „ACRP“ durchgeführt wurde. http://www.klimafonds.gv.at/

Veranstaltungshinweis:

Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts „Assessing flexibility mechanisms for achieving the Austrian 2020 renewable energy target (ReFlex)“:
„Die Rolle der Kooperationsmechanismen für die Erreichung des österreichischen 2020 Ziels für Erneuerbare Energie“
Technische Universität Wien, Eckert Hörsaal (EI6),
Gußhausstrasse 25, Altes EI, 4.Stock, Stiege X, A-1040 Wien
18. März 2013, 1330-1700
Um Anmeldung wird gebeten unter: Andreas.Tuerk@joanneum.at bzw. +43 316 876-1337
Rückfragehinweis:
Dr. Gustav Resch
Energy Economics Group,
Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe
Technische Universität Wien
Gußhausstrasse 25/370-3, 1040 Wien
gustav.resch@tuwien.ac.at
T: +43-1-58801-370354

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.joanneum.at/resources/reflex/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

moove und Sony Lifelog machen mobil

17.01.2017 | Unternehmensmeldung

Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

17.01.2017 | Physik Astronomie

Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

17.01.2017 | Geowissenschaften