Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Essstörung in der Jugend: Nicht als "Phase" abtun

28.06.2011
Früher Start in Magersucht oder Bulimie verschlechtert Prognosen

Schädliches Ernährungsverhalten ist bei Jugendlichen nicht nur Ausdruck einer Phase, die wieder vorbeigeht. Pubertierende mit Essstörungen nehmen ungesunde Essensgewohnheiten oft ins junge Erwachsenenalter und darüber hinaus mit, berichten Forscher der University of Minnesota in der Zeitschrift "Journal of the American Dietetic Association". Ihre Studien verdeutlichen, wie wichtig die frühzeitige Prävention und Behandlung von Essstörungen bei Jugendlichen sind.

"Je jünger Betroffene bei der Ausbildung einer Essstörung sind, desto schlechter ist ihre Prognose für eine spätere Anorexie oder Bulimie und desto häufiger bleiben später Restsymptome", bestätigt auch Katja Schnicker, Leiterin des Schwerpunkts "Essstörungen" an der Mainzer Institutsambulanz für Psychotherapie http://www.psychotherapie-mainz.de , im pressetext-Interview.

Junge Frauen häufig betroffen
Die US-Forscher um Dianne Neumark-Sztainer analysierten Daten 1.030 männlicher und 1.257 weiblicher Jugendlicher, die in zwei Studiendurchgängen untersucht worden waren. Beim ersten Mal waren sie entweder 13 oder 16 Jahre alt, während die nächste Untersuchung erst zehn Jahre später erfolgte. Befragt wurden die Teenager und später jungen Erwachsenen jeweils nach der Ernährung, nach extremen Formen der Gewichtskontrolle wie Hungerkuren, der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, dem Überspringen von Mahlzeiten sowie nach Kontrollverlust beim Essen.

Besonders bei Frauen waren derartige abnormale Ernährungsformen häufiger anzutreffen. Der Anteil stieg bei ihnen innerhalb des Untersuchungszeitraums von acht bzw. zwölf Prozent auf einheitlich 20 Prozent, während er bei den Männern zuerst zwei, später sieben Prozent betrug. Frauen berichteten auch deutlich häufiger, im Vorjahr eine Diät gemacht zu haben: Egal aus welcher Altersgruppe, betraf es jede Zweite, während es bei den Männern nur jeder Vierte war.

Vorteile werden zum Problem
Die Pubertät ist die Zeit, in der sich die Identität eines Menschen entwickelt. Das geschieht unter anderem durch die Wahrnehmung und Befriedigung eigener Wünsche und Bedürfnisse und häufig durch eine damit einhergehende Abgrenzung von der Ursprungsfamilie, erklärt Schnicker.
"Viele, denen dies aus unterschiedlichsten Gründen nicht gelingt und die sich selbst als instabil erleben, wollen dies durch zuviel Essen oder Hungern aufholen. In der Peer-Group bringt das im Moment Vorteile, jedoch um den hohen Preis der Essstörung, die dann auch längerfristig bestehen bleiben kann."

Mädchen sind davon eher betroffen, da bei ihnen Figur und Gewicht eine wichtigere Rolle spielt als bei Jungen, für die meist Muskulatur und Kraft Vorrang haben. Gleiches gilt für Jugendliche, die als Kinder übergewichtig waren, dies stark negativ erlebten und nach einer Gewichtsabnahme nun Angst vor erneutem Zunehmen entwickeln.

"Eine Hauptursache ist, dass das Schlanksein für die Betroffenen derart hohe Bedeutung hat. Das überall vorgezeigte Schönheitsideal, jedoch auch die abschreckende Darstellung von Übergewicht und Adipositas tragen dazu wesentlich bei", so Schnicker.

Stabilität anderswo suchen
Um von drohender Magersucht oder Bulimie fortzukommen, rät die Expertin den Betroffenen, andere Ressourcen und Bereiche ihrer Persönlichkeit zu stärken. "Hobbys, Freunde oder der Beruf können den Selbstwert stabilisieren und dabei helfen, dass Gewicht und Figur nicht mehr als den Anteil davon einnehmen, der ihnen zusteht."

In der Prävention gehe es darum, die Gefahr eines restriktiven Essverhaltens oder Erbrechen aufzuzeigen und in der Altersgruppe Einsicht zu fördern, dass sowohl Magersucht als auch Bulimie behandlungsbedürftige Krankheiten sind.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www1.umn.edu

Weitere Berichte zu: Altersgruppe Bulimie Essstörung Magersucht Prävention

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften