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Ess-Störungen: Wie langfristig wirken Präventionsprogramme?

13.08.2014

In einer breit angelegten Folgestudie untersuchen die Medizinpsychologen des Universitätsklinikums Jena die langfristige Wirkung von Präventionsprogrammen für Ess-Störungen bei jungen Erwachsenen.

Diese hatten vor fünf bis acht Jahren an Unterrichtseinheiten teilgenommen, die von den Jenaer Wissenschaftlern speziell für Teenager entwickelt und evaluiert worden waren. Das Projekt wird vom BMBF im Rahmen des Förderschwerpunktes Präventionsforschung gefördert.


Poster aus dem Projektunterricht zur Prävention von Ess-Störungen. Medizinpsychologen der Uniklinik Jena untersuchen jetzt die langfristige Wirkung des Schulprogramms.

© Uwe Berger

Schon zwölfjährige Mädchen berichten von ständigen Sorgen um Figur und Gewicht, regelmäßigen Diäten oder selbst herbeigeführtem Erbrechen, weil sie mit ihrem Körper und ihrem Erscheinungsbild unzufrieden sind. Das war der alarmierende Ausgangspunkt zur Entwicklung eines Präventionsprogramms gegen Ess-Störungen bei Teenagern.

Privatdozent Dr. Uwe Berger leitete mehrere Projekte, in denen Schulprogramme für Mädchen und Jungen zur Vorbeugung von Magersucht, Bulimie, Fress-Attacken und Adipositas etabliert wurden. „In Zusammenarbeit mit den Schulen konnten wir in den Jahren 2006 bis 2009 über 2500 Thüringer Schülerinnen und Schüler der 6. bis 8. Klassen in diese Programme einbeziehen und bei ihnen nachweislich eine Verbesserung des Körperselbstwertes und des Essverhaltens erreichen“, fasst der Psychologe vom Universitätsklinikum Jena (UKJ) die Ergebnisse zusammen.

Das jetzt gestartete Folgeprojekt untersucht die Nachhaltigkeit dieser Präventionsprogramme. Fünf bis acht Jahre nach der Teilnahme an den Unterrichtseinheiten befragen die Wissenschaftler die nun 16- bis 20-Jährigen erneut und ebenso Gleichaltrige, die kein Präventionsprogramm absolviert haben. In einem Online-Fragebogen erfassen sie das Essverhalten, den Körperselbstwert, Größe und Gewicht sowie eine eventuelle bisherige Behandlung wegen einer Ess-Störung.

Psychologin Felicitas Richter: „Ergänzt werden diese Fakten um anonymisierte Daten, die wir von Krankenkassen und Schulbehörden erhalten, wie zum Beispiel Fehlzeitenstatistiken.“ Interviews mit Lehrern zu den etablierten Präventionsprogrammen sollen dazu beitragen, zukünftige Möglichkeiten der Prävention in der Schule zu verbessern. Beim Studiendesign, der Datenerhebung und -auswertung werden die Psychologen von UKJ-Biostatistiker Prof. Dr. Peter Schlattmann unterstützt.

„Wir wollen die Entwicklung des Essverhaltens über die Zeitspanne der Pubertät im Langzeitverlauf beschreiben und dabei Risikofaktoren für die Entwicklung von Ess-Störungen und Adipositas erfassen“, so die Co-Autorin des Projektantrages, Dr. Katharina Wick. „Unser Ziel sind gut funktionierende und nachhaltige Strukturen für die Prävention.“

Wichtig ist den Wissenschaftlern die enge Zusammenarbeit mit ihren Partnern, den Schulen und Schulbehörden, den Thüringer Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie für Soziales, Familie und Gesundheit, den Krankenkassen Barmer/GEK und AOK-Plus – nicht nur bei der Erhebung der Projektdaten, sondern auch für den Transfer der Studienergebnisse in die Praxis.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seines Förderschwerpunktes Präventionsforschung mit 300.000 Euro unterstützt.

Kontakt:
PD Dr. Uwe Berger
Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/937790
E-Mail: uwe.berger[at]med.uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.mpsy.uniklinikum-jena.de/mpsy_media/FlyerPriMa2013.pdf - Flyer zu den Präventionerpogrammen
http://www.thessi.de - der Homepage der Thüringer-Essstörungsinitiative e. V.

Dr. Uta von der Gönna | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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